Schmidmühlen
04.11.2018 - 14:19 Uhr

Wie Gedenken auf große Fahrt geht

Seit fast zwei Jahrzehnten gehört das Brauchtum der Allerseelenschiffchen wieder zu den festen Gepflogenheiten in Schmidmühlen. Jahr für Jahr tauchen die schwimmenden Laternen am 2. November die Lauterach in ein buntes, ja mystisches Licht.

Die Allerseelenschiffchen – hier ein kleiner Ausschnitt der gesamten Flotte dieses religiös motivierten Brauchtums – haben auf der Lauterach Fahrt aufgenommen. Bild: pop
Die Allerseelenschiffchen – hier ein kleiner Ausschnitt der gesamten Flotte dieses religiös motivierten Brauchtums – haben auf der Lauterach Fahrt aufgenommen.

So war es auch heuer und das Bayerische Fernsehen war vor Ort, um diesen Brauch, den es so wohl nur in Schmidmühlen gibt, filmisch zu dokumentieren. Der Beitrag soll morgen im dritten Programm innerhalb der Reihe "Wir in Bayern" ausgestrahlt werden, teilte der Sender mit.

Bereits gegen Mittag traf das Aufnahme-Team mit der Redakteurin Elisabeth Leinisch in Schmidmühlen ein. Der Ursprung des Brauchs ist wohl auf um das Jahr 1900 zu datieren. Genau weiß das aber keiner. Sicher ist jedoch, dass es 1930 Allerseelenschiffchen schon gegeben hat. Ursprünglich waren es eigentlich nur Kerzen auf einfachen Rindenstücken. Kinder hatten sie nach dem im Ort üblichen täglichen Rosenkranzgebet während der Allerseelenwoche in der Friedhofkirche St. Georg gebastelt. Denn noch nicht jede Kirche hatte damals elektrischen Strom. Deshalb brannten auf den Kirchenbänken kleine Kerzen und Wachstöckeln. Nach dem Rosenkranz nahmen sie die Kinder an sich, setzten sie auf kleine Rindenschalen oder Holzbretter und ließen sie auf der Lauterach davonschwimmen.

Die Dreharbeiten sollten auch ein Stück Spurensuche sein, weshalb zum Auftakt solche Rindenstücke aufgetrieben werden sollten. Das war gar nicht so einfach.

Was sonst Zuhause in der Hobbywerkstatt oder dem Kinderzimmer stattfindet, das Basteln der Allerseelenschiffchen, wurde heuer im Schützenheim filmisch dokumentiert. Da wurde gemessen, gebohrt, gedruckt, gehämmert und geschnitten - alles unter fachmännischer Leitung von Josef Luschmann und seiner Helfer. Erster Höhepunkt der eigentlichen Zeremonie war der Gottesdienst in der Pfarrkirche St. Ägidius, den Pfarrer Joseph Uwitonze zelebrierte.

Der Priester aus Ruanda griff des Bild des Schiffes als ein Ursymbol für die christlichen Kirchen auf und zeigte sich angetan von diesem Brauch. Die Kerzen auf den Allerseelenschiffchen wurden an der brennenden Osterkerze entzündet, um die dem Glauben innewohnende Hoffnung auf die Auferstehung zu unterstreichen.

Zu dem herbeigesehnten bunten und abenteuerbehafteten Abschluss dieses Allerseelentages wurde wie immer das Einsetzen der Allerseelenschiffchen. Es waren wieder um die 80 Exemplare, die - unterstützt von Helfern der Feuerwehr - in die Lauterach eingesetzt und schließlich auch wieder allesamt geborgen wurden. Den gesamten Drehtag begleitete auch der stolze 89 Jahre alte Heimatpfleger Michael Koller, der vor knapp zwei Jahrzehnten dieses religiöse Brauchtum wiederbelebt hatte.

Das Schützenheim wird für die Dreharbeiten in eine Werkstatt und umgewandelt, in dem die Allerseelenschiffchen gebastelt wurden. Bild: pop
Das Schützenheim wird für die Dreharbeiten in eine Werkstatt und umgewandelt, in dem die Allerseelenschiffchen gebastelt wurden.
Unerlässliche Helfer sind die Aktiven der Freiwilligen Feuerwehr. Sie übernehmen nicht nur das Absichern der Lauterach, sondern setzen auch Schiffchen ein, wie hier Jugendleiterin Katharina Müller. Bild: pop
Unerlässliche Helfer sind die Aktiven der Freiwilligen Feuerwehr. Sie übernehmen nicht nur das Absichern der Lauterach, sondern setzen auch Schiffchen ein, wie hier Jugendleiterin Katharina Müller.
Pfarrer Joseph Uwitonze gibt das Feuer und das Licht der Osterkerze an die Kinder weiter und entzündet die Kerzen auf den Schiffchen. Bild: pop
Pfarrer Joseph Uwitonze gibt das Feuer und das Licht der Osterkerze an die Kinder weiter und entzündet die Kerzen auf den Schiffchen.
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