08.06.2020 - 13:04 Uhr
SchmidmühlenOberpfalz

Gewässerökologie oder "Ein Schneider in der Vils"

Es ist ein höchst lebendiges Treiben im Naturpark Hirschwald – nur nimmt kaum jemand Notiz davon. Nicht, weil es niemanden interessieren würde, vielmehr müsste man, um es zu erleben, in die Unterwasserwelt von Vils und Lauterach eintauchen.

von Autor POPProfil

Beide kleinen Flüsse, Vils und Lauterach, bilden zwei wichtige Achsen im Naturpark Hirschwald und stehen nicht nur für ökologisch wertvolle Flusslandschaften, sondern prägten auch über Jahrhunderte die Besiedelung und die Kultur. Klöster, Schlösser und Hammerwerke sind sichtbare Zeichen. Unsichtbar hingegen bleibt ein einzigartiges Ökosystem in den beiden Flüssen. Nur hin und wieder gelingen wichtige, weil oft erfreuliche Einblicke. Einer der sich immer wieder erfolgreich um die Fluss-Ökosysteme kümmert, ist der Fischereiverein Schmidmühlen. Allseits bekannt sind in der Bevölkerung Hecht, Karpfen, Aal oder auch Forelle. Wer aber vermutet einen Schneider, eine Nase, eine Koppe oder eine Schmerle in den Naturparkgewässern? Fische, die kaum einer kennt - sie haben ihre Heimat im Naturpark Hirschwald.

Ramadama des Fischereivereins Schmidmühlen in der Vils

Schmidmühlen

Eine stabile Population eines Schwarmfisches, der kleinen Schneider (auch Alandblecke oder Breitblecke), ist seit vielen Jahren im Bereich von Schmidmühlen bekannt. Und dies ist höchst erfreulich, denn der kleine Fisch ist wegen seiner Seltenheit ganzjährig geschützt. 1986 wurde er zum Fisch des Jahres ernannt - eine Ehre, auf die man als Lebewesen gerne verzichtet, denn dann steht es mit dem Bestand nicht besonders gut.

Der Schneider lebt sowohl in stehenden als auch in schnell fließenden Gewässern und ernährt sich von Plankton, aber auch von kleineren Lebewesen. Seine Körperlänge beträgt zehn bis zwölf Zentimeter, es werden maximal sechzehn Zentimeter erreicht. Auffallend: Die Seitenlinie ist stark nach unten durchgebogen, zum Teil geknickt, oben und unten auffällig schwarz eingefasst. Ganz offensichtlich passt dem kleinen Fisch die Vils: Ein echter Schneider im Fluss.

Seltsam: Die Mühlkoppe

Stabile Population

Seltsam anmutende Fische kommen in der Lauterach vor: die Mühlkoppe oder Groppe, eigentlich nur Insidern bekannt. Der kleine nachtaktive Fisch wurde in Deutschland bereits zweimal Fisch des Jahres: 1989 und 2006 sowie in der Schweiz 2014. Die Mühlkoppe gehört zur Ordnung der Barschartigen. Nicht nur die Umsetzaktionen während der Hochwasserfreilegung, sondern regelmäßige Kontrollen des Fischereivereins Schmidmühlen zeigen: Der Bestand in der Lauterach in Schmidmühlen ist groß und stabil. Vor etwas mehr als zehn Jahren wurden bei den Umsetzaktionen vom Fischereiverein mehrere Tausend Mühlkoppen umgesetzt.

Noch in den 1960er- und 1970er-Jahren war bei der Schmidmühlener Jugend das Koppenfangen eine durchaus beliebte Freizeitaktion. Der kleine Fisch ist ein schlechter Schwimmer. Er hat nur eine kleine Schwimmblase und kann sich nur ruckartig sowie über eine kurze Strecke fortbewegen - damals optimal zum Fangen. Auf steinigem Untergrund ist der kleine Fisch in Ruhestellung gut getarnt und hält sich tagsüber versteckt.

Das Hammerbacherl und das Büchlbacherl waren in Schmidmühlen beliebte Fanggebiete. Zwar wurde der größte Teil wieder unversehrt zurückgesetzt, aber die Fischer der Region waren auch dankbare Abnehmer. Die Koppe war ein überaus guter und beliebter Köderfisch für die Forellenangler. Da wechselte das eine oder andere "Zehnerl" den Besitzer. Aber auch dies ist lange her. Heute darf man nur mit künstlichen Fliegen und nur mit Schonhaken in der Lauterach angeln.

Auch was die Sicherung des Bachforellenbestandes anbelangt, ist der Fischereiverein aktiv. Wurde früher oft die schnell wachsende, aber nicht standorttreue Regenbogenforelle in die Lauterach gesetzt, so bringen die Mitglieder des Vereins jedes Jahr Tausende Bachforelleneier in die Lauterach ein, um den Bestand "von unten her" aufzubauen. Die Bachforelle hat eine große Bedeutung für die Lauterach, sie ist hier der Stammfisch und vor allem, sie ist standorttreu.

Ein sehr, sehr seltener Fisch ist in der Lauterach ist die Bachschmerle (auch Schmerle oder Bartgrundel). Sie war der allererste Fisch, der 1984 zum "Fisch des Jahres" ernannt wurde. Eher zufällig wurde sie vor einigen Jahren "an das Tageslicht" gefördert - und natürlich wieder, wie alle anderen Fische auch, sorgfältig und unversehrt in ihren Lebensraum zurückgesetzt. Die Bachschmerle bewohnt flache, gerne auch schnell fließende Bäche oder Flüsse, mit kiesigem oder sandigem Untergrund. Tagsüber versteckt sie sich unter Steinen oder Wurzeln. Auch sie ist nachtaktiv. Dieses Verhalten dürfte wohl auch der Grund sein, warum sie kaum einer kennt. Ähnlich wie der Gewässerverlauf in den letzten Jahrzehnten durch Bau- und Besiedelungsmaßnahmen Veränderungen gefunden hat, so hat sich auch die Tierwelt im und um die Gewässer herum verändert. Biber, Silberreiher, Wildgänse, Kormorane, aber auch mittlerweile der Fischotter und Waschbär haben Vils und Lauterach als neue Lebensräume entdeckt.

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