05.01.2021 - 10:04 Uhr
SchmidmühlenOberpfalz

Das Obere Schloss in Schmidmühlen birgt noch manches Geheimnis

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Die göttlichen Tugenden müssen saniert werden. Kein Wunder: Die Wandfresken mit den Motiven Glaube, Liebe und Hoffnung stammen aus der Zeit um 1600. Schmidmühlen verfügt hier über einen echten Schatz.

Das Obere Schloss in Schmidmühlen. Hier logieren heute der Bürgermeister und die Verwaltung. Aber auch noch manches Geheimnis aus längst vergangener Zeit.
von Paul BöhmProfil

Über eine enge Wendeltreppe gelangt man in die wahre Schatzkammer von Schmidmühlen. 26 knarrende Holzstufen führen hinauf in den zweiten Stock des Oberen Schlosses, in den Ritter- oder Renaissancesaal – und mitten hinein in die Zeit um 1600, als dieses Gebäude in seiner jetzigen Form entstanden ist. Man kann die Geschichte hier sogar atmen: Ein bisschen modrig und abgestanden riecht es. Der Saal wartet schon geraume Zeit auf seine Sanierung.

Seit 1937/38 logieren im Oberen Schloss der Bürgermeister und die Verwaltung des Marktes Schmidmühlen. Im Erdgeschoss und im 1. Stockwerk befinden sich die Verwaltungsräume und der Sitzungssaal. Richtig spannend wird es aber in einem Seitenanbau des 2. Stockwerks und auch im Dachgeschoss: Hier findet man eine Vielzahl stummer Zeitzeugen aus mehreren Jahrhunderten.

Noch viel Unentdecktes

In Regalen reiht sich Buch an Buch – ein reichhaltiges Archiv aus mehreren Jahrhunderten. Schmidmühlens Geschichte, auch in vielen noch nicht gesichteten Dokumenten, ist hier auf engstem Raum gelagert. Die Zeit scheint hier stehengeblieben zu sein. Keine Frage: In den vielen Unterlagen steckt sicher noch manches bislang unentdeckte Geheimnis – wertvolle Zeitdokumente, die auf eine exakte Archivierung warten.

Auch der Ritter- oder Renaissancesaal wartet. Auf seine Restaurierung. Mit seinen vielen Fresken und Wandmalereien war er sicher einmal das üppig ausgestaltete Wohn- und Herrenzimmer der einstigen Erbauer des Oberen Schlosses. Dieses darf man getrost als das bisher ungeöffnete Schmidmühlener Schatzkästchen bezeichnen. Vom Fußboden bis zur Decke zieren üppige Malereien die Wände. Zweimal findet der aufmerksame Betrachter hier die Jahreszahl „1600“. Einmal im architravierten hölzernen Türrahmen (Architrav: auf einer Stützenreihe ruhender Balken), der mit einem Dreiecksgiebel ausgestaltet ist, und zum anderen etwas versteckt an der Südwand dieses Prunkraumes unter dem Unterzug.

Oft den Besitzer gewechselt

Eigentümer des Oberen Schlosses waren im Jahr 1270 Ministeriale der Grafen von Hohenburg. Dann zogen Wittelsbacher ein. Etwa um 1354 erfolgte zum letzten Mal entweder ein Neubau oder eine umfangreiche Umgestaltung der einstigen Wasserburg durch einen Schmidmühlener, den letzten Hofmarkherrn. Den Bau des heutigen Schlosses hat höchstwahrscheinlich noch vor 1600 Georg Hausner aus Winbuch begonnen.

In den folgenden Jahrhunderten wechselten vielfach die Besitzer. Von der Ausgestaltung der Räume verschwand dabei dieses und jenes und ging damit für immer verloren. Besitzer waren unter anderem Hans Christoph von Kürmreuth, Wilhelm Franz Freiherr von Spiering, Carl Wilhelm von Spiering, das adelige Damenstift Niedermünster zu Regensburg, der Posthalter und Rösslwirt Michael Schmid sowie Isidor Rubenbauer, Posthalter und Rösslwirt. Der Schmidmühlener Ackerbürger Josef Rubenbauer verkaufte das Gebäude 1919 an den Nürnberger Architekten Jakober, Baron von Clanner Engelzhofen aus dem Sudetenland, der es mit viel Aufwand wieder bewohnbar machte. Ab 1923 war Ferdinand Eichenseer der Besitzer des Schlosses, ehe es 1937 in den Besitz des Marktes überging.

Die "Kinderbewahranstalt"

In den Folgejahren wurde das Schloss schon als Rathaus genutzt. Während des Zweiten Weltkriegs und auch noch danach hat es durch die Einquartierung von Flüchtlingsfamilien und auch durch die amerikanischen Besatzer stark gelitten. Von 1947 bis 1960 waren hier zwei Schulklassen untergebracht. Noch heute erinnert eine kleine Steintafel am Hauptaufgang mit dem Namen „Kinderbewahranstalt“ daran, dass dort auch einmal der Kindergarten angesiedelt war.

Erst in den Jahren 1977 bis 1980 erfolgte eine gründliche Sanierung. Dabei wurden Stuckdecken in den ersten beiden Etagen erneuert und in einigen Räumen gleich neben dem Rittersaal ein Fundus für ein kleines Heimatmuseum zusammengetragen. Im Ritter- oder Renaissancesaal wurde die reich verzierte Balkendecke saniert und damit begonnen, wertvolle Wandgemälde freizulegen und zu sichern.

Spuren der Renaissance

Nach Unterlagen des Restaurators Eberhard Reichelt aus dem Jahr 1991 ist davon auszugehen, dass die Ausmalung des Rittersaales um 1600 erfolgte. Die Allegorien der Jahreszeiten und der göttlichen Tugenden gehören sicher zu den interessantesten Resten deutscher Renaissance in Bayern. Inwieweit auch Kardinalstugenden wie Weisheit, Gerechtigkeit, Tapferkeit und Mäßigung zu finden sind, muss erst noch untersucht werden.

Um 1900 ist die Nutzung des Schlosses als Speicher für Hopfen und Getreide laut einem Inventar von 1906 beschrieben. Bis 1977 diente der Bau als Wohnung, wobei der Rittersaal wegen einer besseren Beheizung in zwei Zimmer aufgeteilt war. Durch einen Kamin- oder Kachelofenbrand hat ein Teil der Wandmalereien großen Schaden genommen. Einige Malereien rund um den Kamin sind sogar für immer zerstört worden.

Ein weiterer geschichtlicher Schatz Schmidmühlens: Erasmus Grasser und die Moriskentänzer

Tonnenweise Schutt entfernt

1988 hat man mit dem Ausbau des Dachgeschosses und mit der Ausräumung des Fehlbodens begonnen. Weil dabei mehrere Tonnen Bauschutt entfernt wurden, ging die Balkendecke teilweise um mehr als zwei Ziegelbreiten nach oben. Man sieht dies heute noch deutlich an der nicht verputzten Untermauerung der Decke.

In einer Bestandsaufnahme der Kunstdenkmäler Bayerns für das Bezirksamt Burglengenfeld aus dem Jahr 1906 ist dieses zweite Obergeschoss so beschrieben: „Es birgt interessante Reste von Wandmalereien im Renaissancestil aus der Zeit knapp um 1600. Im Vorplatz, rechts vom Eingang sieht man einen lebensgroßen Trabant. Im großen, südöstlichen Eckzimmer mit seinem dominanten Türrahmen sieht man teils symbolische Bilder der vier Jahreszeiten von Kartuschenwerk umrahmt, teils Allegorien, die drei göttlichen Tugenden und Societas“. Auf den Balken der Trennwände kann man noch verschiedene Sprüche erkennen, die es wert sind, restauriert zu werden: „(…)seltzsam kunst erdenkt (…) wirst mit mein hirn verwirrn (…)Die hunder gatzeneyer legen Sounst (…) haben klein gewin (…) Laß mich nur bleiben bey mein sinn (...)“

Noch Bilder unter der Tünche

Über der Darstellung der Jahreszeiten an der Ost- und an der Südwand prangen in Kartuschen zwei Wappen. Das eine mit roten Schrägbalken (Hausner), das andere gespalten: Im linken Feld prangt ein halber Adler, im rechten ist die Figur nicht mehr erkennbar. „Was um 1900 in den herzoglichen Schloss Trausnitz bei Landshut in umfangreichem Maße auf dem Gebiet der profanen Wandmalerei geleistet wurde, wiederholt sich in dem bescheidenen oberpfälzischen Landschlösschen im Kleinen“, heißt es im Text über die Kunstdenkmäler. Die Bilder, die zum Teil noch unter der Tünche stecken, verdienten eine weitere Untersuchung, schreibt bereits Dr. Georg Hager 1906 in seiner Bestandsaufnahme für das Bezirksamt Burglengenfeld, zu dem damals auch Schmidmühlen gehörte.

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