22.01.2020 - 11:04 Uhr
SchmidmühlenOberpfalz

Renaissance für eine handwerkliche Tradition

Leises Klappern ist zu hören oder leises Murmeln: Die Gruppe von Martina De Wille hat sich zum Klöppelabend im Hammerschloss getroffen, wie seit Wochen. Was bei diesen Abenden entsteht, ist im wahrsten Sinne des Wortes "Spitze".

Lydia Iberer Stern, man sieht gut die Handhabung der Klöppel
von Autor POPProfil
Bernadette Schwarz Einsatz für einen Schwibbogen
Im Team geht es besser, vor allem, wenn man eine erfahrene VHS - Kursleiterin hat wie Martina De Wille
Blick in die „Klöppelstube“ im Hammerschloss (von links): Lydia Iberer, Elfriede Spangler, Margarete Stepper-Sippl, Anna Soborka, Susanne Schisler und Martina De Wille.

Konzentration, Kreativität, Fantasie, Freude am Handarbeiten, eine ruhige Hand und ein genaues Auge sind gefragt, wenn man dieses alte Handwerk ausüben will. Das haben die neun Frauen im Hammerschloss.

Als vor 15 Jahren der erste Klöppelkurs in Schmidmühlen angeboten wurde, glaubte kaum jemand, dass dies zur Dauereinrichtung werden würde. Nur wenige kannten dieses feine Handwerk und nur Insider konnten dies einordnen. Dies hat sich in den letzten Jahren geändert. Mittlerweile hat sich eine kleine Klöppelgemeinde gebildet, die nicht nur privat diese alte Handwerkstechnik pflegt, sondern auch bei Kursen oder bei Schauklöppeln einer breiten Öffentlichkeit nahebringen will.

Im Oktober 2005 erlebte dieses althergebrachte Handwerk in der Lauterachtalgemeinde eine Renaissance - dank Martina De Wille aus Schmidmühlen. Sie gibt regelmäßig seit dieser Zeit auch über die Volkshochschule Amberg-Sulzbach, Klöppelkurse. Derzeit trifft sie sich mit einer Gruppe im Obergeschoss des Hammerschlosses und zeigt, wie verschiedene Spitzen selbst herzustellen sind.

Komplexe Handarbeit

Die Anfertigung einer Handklöppelspitze beruht, so die Kursleiterin, auf einer Art Flechten mit vier Fäden, die systematisch mit weiteren Paaren gewechselt werden. Basis für die Anfertigung einer jeden "echten Spitze" ist eine Mustervorlage, der Klöppelbrief, der auch im Urheberrecht enthalten ist. Je nach Art der Spitze und der Komplexität des Musters sind unterschiedlich viele Klöppel erforderlich. Mindestens sind es vier, die paarweise an einem Klöppelkissen befestigt sind.

Beim Klöppeln werden die Fäden von mindestens zwei Paar Klöppeln durch Kreuzen und Drehen miteinander verflochten. Je nach Muster und Technik kann die Anzahl der verwendeten Klöppel weit über Hundert betragen. Neben einer Vorlage, dem Klöppelbrief, einer Anleitung, der sogenannten technischen Zeichnung mit international festgelegtem Farbcode, kann man aber auch frei nach eigener Fantasie ein Muster klöppeln. Hier sind der eigenen Kreativität keine Grenzen gesetzt - aber man braucht trotzdem einen gewissen Plan.

Die Gruppe im Schloss beherrscht die verschiedenen Techniken schon recht gut. Auch hier gilt: Im Team geht alles besser. Wichtig für die Augen ist auch entsprechende Ausleuchtung, betont Martina De Wille. Um die Fäden in Form zu halten, werden während des Klöppelns an bestimmten Stellen Nadeln gesteckt. Nach der Fertigstellung der Spitze werden sie wieder herausgezogen, um das fertige Werk vom Klöppelkissen abnehmen zu können.

Lange Tradition

Klöppeln hat eine lange Geschichte. Die ersten Nachweise für das Klöppeln sind Musterbücher aus dem 16. Jahrhundert. Sie stammen aus Italien. Dort vermutet man den Ursprung der Technik. Das erste reine Musterbuch für Klöppeltechnik wurde 1557 in Venedig veröffentlicht. Klöppelspitzen entstanden, als man den Rändern von Kleidungsstücken eine feste und gleichzeitig dekorative Kante geben wollte. Aus losen Fransen wurden so schmucke und dekorative Abschlüsse an Kleidern. Mit Variationen von Flechten wurden so aus losen Fransen schmückende Elemente an der Kleidung der Reichen.

Erste Maschinen

Vermutlich um die Herstellung zu vereinfachen kam dann die Idee, diese Flechtwerke unabhängig von Kleidungsstücken zu gestalten und die ersten Klöppelspitzen wurden gefertigt, nämlich Flechtspitzen. Jedes europäische Land entwickelte eigene charakteristische Klöppelspitzen. Was in früheren Jahrhunderten nur mit Händen und Klöppeln möglich war, bekam im Laufe des 19. Jahrhunderts "Konkurrenz" durch erste Maschinen, die Textilien in Klöppeltechnik herstellen konnten.

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