14.08.2021 - 00:23 Uhr
SchnaittenbachOberpfalz

Bockerlbahn Amberg-Schnaittenbach

Bester Kenner der Lokalbahn Amberg-Schnaittenbach ist Klaus Tschierschke, der darüber einen Text und detaillierte Beschreibungen im „Der Eisengau“ Band 51/2019 geschrieben hat.

Bahnhof Schnaittenbach 1904
von Adele SchützProfil

Die Eisenbahnbestrebungen im oberpfälzischen Kaolinrevier reichten nach seinen Aussagen bis in die Zeit der Bayerischen Ostbahn zurück. Nach Vollendung des Ostbahnnetzes 1875 habe sich das Kaolinrevier auf allen Seiten von Schienenwegen umgangen gefühlt. Gerade für die Gemeinden, die mit der Eisenbahn verbunden gewesen seien, habe sich ein großer wirtschaftlicher Aufschwung gezeigt. Überall dort, wo man noch nicht die Segnungen eines Bahnanschlusses genoss, hätten sich Stimmen gemeldet, die mehr oder minder laut einen solchen forderten, informierte Klaus Tschierschke.

Seitens der Stadt Hirschau sowie der Stadt Amberg fehlte es nicht an entsprechenden Vorschlägen, doch die Gesuche seien abgelehnt worden. „Erst 1892 begannen konkrete Planungen für die Lokalbahn: Am 13. August 1892 teilte die Königlich Bayerische Staatseisenbahn dem Bezirksamt Amberg mit, dass sie vom Königlichen Staatsministerium des Königlichen Hauses und des Ministeriums des Äußeren ermächtigt wurde, ein Projekt für die Lokalbahn Amberg-Schnaittenbach ausarbeiten zu lassen und man hierfür einen Kostenvorschuss von 2.000 Mark erbitte“, erläuterte Klaus Tschierschke.

Nach Abschluss der Projektierungsarbeiten habe nach seinen Aussagen die Generaldirektion der Königlich Bayerischen Staatseisenbahnen dem Amberger Stadtmagistrat am 25. Februar 1894 mit Genehmigung des Königlichen Staatsministerium des Äußeren die komplette Projektarbeit gesandt. Die Öffentlichkeit informierte das Amberger Tagblatt am 10. März 1894. Genannt wurden laut Tschierschke die Gesamtbaukosten incl. des Grunderwerbs und der Betriebseinrichtungen mit 1.334.000 Mark.

Für den Bau der Lokalbahn habe sich nach seinen Aussagen in Amberg eine Eisenbahnbausektion unter der Leitung des Königlichen Betriebs- und Sektionsingenieurs Friedrich Englmann gegründet. Die Bauarbeiten an der Strecke in den vier Bauabschnitten sowie die Errichtung der Hochbauten an den Haltestellen seien zügig vorangegangen, sodass die Eröffnungsfahrt am 5. Oktober 1898 mit viel Prominenz erfolgen konnte.

Die Amberger Volkszeitung berichtete am 6. Oktober 1898: „Es war schon ein besonderes Ereignis, als der nach 9 Uhr vormittags aus Richtung Schnaittenbach eingetroffene Zug abfahrbereit in Amberg stand. Es kam Bewegung in die Massen als der Ruf erscholl: „Einsteigen in der Richtung Hirschau-Schnaittenbach“ Pünktlich ging der Zug ab, der sehr stark mit Persönlichkeiten aus fast allen Ständen besetzt war. Von den Zeitgenossen gelobt, wurden die bequemen, für 50 Personen berechneten Wagen, deren ruhiger Gang fast vergessen ließ, dass man sich auf einer Sekundärbahn sich befand.“ Die auf der Strecke liegenden Stationsgebäude waren mit Kränzen und Fahnen geschmückt. Die meisten der Fahrgäste benützten den Zug bis Schnaittenbach und kehrten mit dem nach 12 Uhr Mittag abgehenden Zug nach Hirschau zurück, wo man sich in den verschiedenen Gasthäusern zur Einnahme des Mittagstisches vertheilte. Gegen halb vier Uhr kehrte der Zug nach Amberg zurück und traf pünktlich um halb 5 Uhr ein“.

Die Betriebseröffnung für den allgemeinen Personenverkehr erfolgte dann am 8. Oktober 1898. Das Amberger Tagblatt veröffentlichte am 1. Oktober 1898 den Fahrplan: „Mit jeweils einem Regelzugpaar morgens, mittags und abends für Personen- und Güterbeförderung ging die Lokalbahn in den Normalbetrieb. Von Schnaittenbach nach Amberg um 5 Uhr 35 Min. früh, 10 Uhr 45 Min. vorm. und 6 Uhr 15 Min. abends. Von Amberg nach Schnaittenbach um 7 Uhr 25 Min. früh, 12 Uhr 50 Min. mittags und 8 Uhr 05 Min. abends mit den Haltestellen Neumühle, Poppenricht, Mimbach, Gebenbach, Hirschau und Schnaittenbach“. Die aktuelle Trassenführung sei laut Tschierschke identisch mit der im Eröffnungsjahr 1898. Die Privatanschlüsse und die Ausweich- oder Rangiergleise an den Haltestellen Neumühle, Ursulapoppenricht, Mimbach und Gebenbach wurden inzwischen aufgelöst. Der Halteplatz Neumühle entfiel laut Kursbuch bereits ab 29. Mai 1960, die Personenbeförderung übernahm der Linienbus. Die Haltestellgebäude in Poppenricht und Mimbach seien seit Ende der 1950er Jahre nicht mehr vorhanden. „Was 1898 euphorisch begann, endete 78 Jahre später mit Protesten: Die Einstellung des Personenverkehrs auf der Bockerlbahn Amberg-Schnaittenbach am 30. Mai 1976. Hauptlokomotivführer Georg Götz, Zugführer Adolf Plößl und ein weiterer Bahnbediensteter fuhren den letzten Personenzug“, weiß Klaus Tschierschke zu berichten. Seit Eröffnung der Lokalbahn bis zum heutigen Tag sei der Güterverkehr das prägende Element dieser Strecke. Grund dafür seien die umfangreichen Kaolinvorkommen im Bereich Hirschau/Schnaittenbach. Im Rekordjahr 1938 wurden insgesamt 701.089 Tonnen auf der Strecke befördert. Aktuell werden noch rund 100.000 Tonnen im Jahr per Bahn befördert. Die Lokalbahn Amberg Schnaittenbach zählte über Jahrzehnte zu den rentabelsten Strecken in Bayern.

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