28.08.2020 - 14:31 Uhr
SchnaittenbachOberpfalz

Fluten reißen bei furchtbarem Hochwasser in Schnaittenbach Menschen, Tiere und Gebäude mit sich

Die ersten Jahrzehnte des 19. Jahrhunderts waren für den mit Reichtum nicht gerade gesegneten Markt Schnaittenbach, eine Kathastrophen- und Schicksalszeit. Krieg, Feuersbrunst und eine Überschwemmung verwüsteten die Kommune.

Das gemeindliche, auf dem Damm stehende Armen- und Hirtenhaus wurde von den Wassermassen verschlungen und zur Hälfte sogar fortgerissen.
von Autor SHProfil

Schnaittenbach wurde von 1809 bis 1815 vom Krieg heimgesucht, plündernde Horden überrannten die Orte und richteten bei ihren Raubzügen große Schäden an. 1817 kam eine Feuersbrunst über den Ort. 96 Häuser, 79 weitere Gebäude und 49 Scheunen fielen den Flammen zum Opfer. Der Wiederaufbau der infolge der Feuersbrunst verarmten Ortschaft war noch lange nicht abgeschlossen, als am 28. Juni 1830, also vor 190 Jahren, ein verheerendes Unwetter über den Ort hereinbrach. Die folgende Überschwemmung richtete erneut Schäden von riesigem Ausmaß an.

Vor und um 1800 war die Fischzucht in Schnaittenbach eine der Haupteinnahmequellen im Ort. Die Einwohner nährten sich vom Fischfang aus den den Markt umgebenden zahlreichen Weihern. Über 300 Weiherdämme hatte man damals registriert. Im Sommer des Jahres 1830, genau am 28. Juni, ereignete sich ein Wolkenbruch, der vor allem in Schnaittenbach eine furchtbare Verwüstung anrichtete. Die Fluten stürzten auf die umliegenden Höhen hernieder, etwa über den Eulen-, den Lohmühl-, den Hirschauer Mühl- und den Ehenbach. Die Sturzbäche vereinigten sich im Schnaittenbacher Tal.

Hobbychronist Hans Grieger hat aus alten Aufzeichnungen und Chroniken von Pfarrer Andreas Wittmann und Heimatforscher Georg Landgraf herausgefunden, dass gegen 21 Uhr ein massiver Wolkenbruch einsetzte und unter Blitz, Donner und heftigem Sturm gewaltige Wasserströme herniederstürzten, die das alljährlich zu Frühjahrszeiten wiederkehrende Schneewasser bei weitem übertrafen. Die finstere Nacht wurde durch die häufigen Blitze rundum hell erleuchtet.

Innerhalb kurzer Zeit lief das Wasser in die Keller sowie in Kuh- und Schweineställe, der Marktplatz stand bald zwei Fuß unter Wasser genauso wie das Pfarrhaus bei der Kirche. Auch Wiesen, Weiher und Äcker wurden überschwemmt. Die Dämme der zwei Eulenweiher und des Löwenweihers brachen, ebenso der Damm an der Lohmühle. Die reißenden Fluten zerstörten die Mühle und rissen den Stall samt der Schweine fort, verwüsteten den Pfarrgarten. Beim Schuhmachermeisters Gräßmann ertranken zwei Ochsen, Gebäude und Fahrzeuge wurden beschädigt. Seine Kinder konnten sich vor dem Ertrinken nur retten, indem sie auf den Ofen flüchteten. Auch einige Straßen beim Eulenweiher sowie vor dem oberen Markttor samt gewölbter Brücke wurden mitgerissen, ebenso in Unterschnaittenbach und Holzhammer.

Doch plötzlich stieg das Wasser nicht mehr an. Im Gegenteil: Der Wasserspiegel sank immer tiefer. Grund für den Rückgang war der Bruch des gewaltigen Damms am großen Schnaittenbacher Weihers im Norden der Stadt, der vom Forst bis zur Flur Nebling, die hinter der jetzigen Schule liegt, reichte. Wilde Wassermassen wälzten sich mit donnerähnlichem Getöse gleich einer Mauer nach Osten hinunter zur Seblasmühle.

Angesichts seiner Stabilität hätte man einen Bruch des Damms nicht für möglich gehalten. Verlif doch darauf sogar die Zufahrtsstraße von Schnaittenbach zum Forst und befanden sich darauf sogar drei Wohnhäuser. Der Damm und die Brüstung bestanden aus gewaltigen quadratischen Steine, die nach alten Aufzeichnungen, "in dicke Eichenstämme eingeschränkt waren, alle in fortlaufendem Verband geeinigt". Die gewaltigen Wassermassen hoben mit Leichtigkeit die großen Steine aus ihrer Befestigung und wälzten sie stromabwärts Richtung Seblasmühle, wo sie unter Schwemmsand begraben wurden. Laut Überlieferungen soll das Unwetter einen Tag gedauert haben. Beim Dammbruch soll ein Junge mit durch die Abflussrinne gerissen worden sein, worauf er einen Schock bekam, von dem er sich nicht mehr erholte.

Besonders dem Wasser ausgeliefert waren die Wohnhäuser auf dem Damm. Das gemeindliche Armen- und Hirtenhaus, dessen Bewohner noch rechtzeitig flüchten konnten, wurde von den Wellen zur Hälfte fortgerissen. Die Fluten rissen vom gemauerten Häusl des Zimmermanns Michl Sattler (letzter Eigentümer Johann und Anna Kausler) das obere Hauseck und den Schuppen weg. Auch die Hammermühle in Unterschnaittenbach wurde so stark beschädigt, dass der Mühlbetrieb eingestellt werden musste. Groß waren auch die Schäden am Leinschlag bei der Mühle. Bis im Jahr 1932 ein Mühlbach angelegt wurde, hatte die Hammermühle kein Wasser. Dem Bäckermeister Paul Nagler drang das Wasser in seinen außerhalb des Marktes gelegenen Felsenkeller und machte 82 Eimer Sommerbier ungenießbar.

Die größte Lebensgefahr bestand für die Bewohner der unten liegenden Seblasmühle, wo auch die größten Sachschäden zu beklagen waren. Das im großen Schnaittenbacher Weiher aufgestaute Wasser stürzte im Ehenbachtal mit großem Brausen auf die Mühle zu. Mitgeschwemmte Sägbäume legten sich quer zwischen Wohnhaus und Stadel und drohten, die Gebäude mit fortzureißen. Der Mühlweiher der Seblasmühle wurde zerstört, die Mühle selbst und auch die Schneidsäge unbrauchbar gemacht, der Schuppen fortgespült. Außerdem kamen drei Stück Rindvieh und elf Schweine in den Fluten ums Leben. Einem Wunder gleich, gab es keine Menschenleben zu beklagen. Die 1782 erbaute Waldbrücke über den Ehenbach zwischen Schnaittenbach und Holzhammer wurde so beschädigt, dass sie vom Markt Schnaittenbach neu errichtet werden musste.

Um derartige Überschwemmungskatastrophen künftig zu vermeiden, legte man zwei Jahre später nahe dem Markt vom Beginn des großen Schnaittenbacher Weihers in der Nebling bis zur Hammermühle in Unterschnaittenbach einen zehn Schuh breiten und vier Schuh tiefen Mühlbach an, der im Zuge der späteren Bebauung des Neblinggeländes wieder zugeschüttet wurde. Da der Fischpreis damals sehr niedrig war, wurde der große Schnaittenbacher Weiher von den damaligen Eigentümern Dorfner aus Hirschau und Popp aus Schnaittenbach öd liegengelassen beziehungsweise als Wiesen kultiviert.

1846 beschloss die Gemeindeversammlung, dass die vielen alten Weiher wieder hergestellt werden, was jedoch nur zu einem kleinen Teil geschah. Wegen des im Süden bestehenden Kaolinabbaugebiets herrschte nach dem Zweiten Weltkrieg Bauplatzmangel, so dass ein Teil des ehemaligen Weihers mit Abraummaterial der Kaolinfirma Kick aufgefüllt und zur Bebauung freigegeben wurde. So ist der ehemalige große Weiher zwischen Schnaittenbach und Forst seit 190 Jahren Geschichte und nur mehr in den bei der ersten Landvermessung 1835 angelegten Flurkarten eingezeichnet.

Stoffsammlung mit historischen Berichten

Die Seblasmühle im Osten des damals gebrochenen Dammes wurde bei dem Hochwasser stark in Mitleidenschaft gezogen.
Die Seblasmühle im Osten des damals gebrochenen Dammes wurde bei dem Hochwasser stark in Mitleidenschaft gezogen.
An dieser Stelle, etwa bei der heutigen Faschterer Brücke, brach vor 190 Jahren der Damm des großen Schnaittenbacher Weihers.
Alte Handzeichnung von Schnaittenbach, Hammergut und Forst, dazwischen der große Schnaittenbacher Weiher, dessen Damm gebrochen ist
Alter Lageplan mit großem Weiher zwischen den beiden Gemeinden Schnaittenbach und Forst
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