15.06.2020 - 15:38 Uhr
SchnaittenbachOberpfalz

Führungen durch Schnaittenbacher Kräutergarten laufen wieder an

Coronabedingt fällt der Startschuss für die Führungen durch den Schnaittenbacher Kräutergarten heuer einige Wochen später als üblich. Die erste Exkursion durch das botanische Kleinod hat es inhaltlich jedoch in sich.

Der obere Teil im Kräutergarten ist der heiligen Hildegard von Bingen und ihren Heilkräutern gewidmet. Tanja Götz kennt sich in der Hildegardmedizin aus.
von Adele SchützProfil

Gärtnermeisterin Tanja Götz, die Anfang 2019 von der Stadt mit der Pflege und Gestaltung des Gartens beauftragt wurde, hegt selbst eine Leidenschaft für diese Pflanzenspezies und verfügt auch über ein enormes Wissen darüber. Ihr liegt nach eigenen Aussagen die Förderung des Lehrcharakters des Kräutergartens am Herzen.

Bei der Begrüßung informierte Götz, dass der Kräutergarten 1994 auf Initiative des örtlichen Obst- und Gartenbauvereins unter der Federführung des langjährigen Vorsitzenden Willi Meier mit vielen ehrenamtlichen Helfern angelegt wurde. Auf rund 2000 Quadratmetern mache er mit seiner Vielfalt an über 350 verschiedenen Kräutern, Gewürz-, Heil- und Nutzpflanzen seinem Namen alle Ehre.

Blühendes Kleinod

Schnaittenbach

„Grundsätzlich kann die Verwendung von Heilkräutern den Gang zum Arzt ersetzen, es ist aber Vorsicht geboten“, betonte die Gärtnermeisterin. Die Wirkung der Heilkräuter entstamme der Volksheilkunde und sei mit fundierten medizinischen Erkenntnissen nicht gleichzusetzten. Vorsicht sei auch beim Sammeln der Kräuter angesagt, denn zahlreiche Kräuterarten hätte eine gewisse Ähnlichkeit mit einer giftigen Pflanzenvariante wie beispielsweise der Bärlauch mit dem Maiglöckchen. "Grundsätzlich soll nur das Kräutlein Verwendung finden, das man sicher kennt", mahnte sie.

Die Führung startete im Schatten des alten Rathauses, in der jene Pflanzen um einen Quellstein angesiedelt sind, die auf Sonne verzichten können. Tanja Götz machte hier auf die Brennnessel aufmerksam, sie leiste im Frühjahr als Spinatersatz wertvolle Dienste zur Entschlackung des Körpers. In Kombination mit jungen Birkenblättern als Tee habe sie den gleichen Effekt. Götz wies auch auf die Engelwurz hin, deren Blätter in der Volksmedizin wegen ihrer wohltuenden Wirkung bei Verdauungsbeschwerden als Gemüse zum Einsatz gekommen sei. Die Wurzel sei, in 40 Prozent Alkohol eingelegt, früher als stärkende Einreibung zum Einsatz gekommen. Am Wegesrand gegenüber den Themenbereichen haben Kräuter, unterteilt nach ihrer Wirkung, Eingang gefunden. So auch der Wacholder. Zur Stärkung des Immunsystems empfahlen laut Götz die früheren Generationen einen Tee aus Wacholderbeeren, Schafgarbe, Ingwer, Zitronenverbene und Minze.

Im Zentrum des oberen Bereichs befindet sich ein kleiner Klostergarten mit der Statue der Hildegard von Bingen, in den auch jener reiche Kräuterschatz Eingang gefunden hat, den die Heilige für Heilzwecke und zur Gesunderhaltung des Menschen eingesetzt hat: neben Quendel, Bertram und Galgant auch Bärwurz zur Blutreinigung, Bachminze zur Verdauungsförderung, Beifuß zur Durchblutung des Magens, Zwergbohnenkraut gegen Entzündungen, harntreibender Estragon als Mineralstoffquelle, Flohsamen als Salbung des Darms von innen, Salbei zur Entgiftung und bei Erkältung, Gartendill gegen Gicht- und Rheumabeschwerden, Krauseminze zur Magenerwärmung und zur Unterstützung der Verdauung, kreislaufanregender Rosmarin, Mariendistel, Odemering und Ysop zur Unterstützung der Leber oder beruhigende Zitronenmelisse.

Im nächsten Bereich sind sämtliche Küchenkräuter zu finden, darunter auch Pimpinella und Zitronenverbene, die Götz als ausgezeichnete Geschmacksgeber an Speisen pries. Ein weiterer Abschnitt ist als Schachbrett gestaltet, um besondere Pflanzen herauszustellen wie das Marienblatt, das im Volksmund als „Schmeckablattl“ bekannt und gepresst ins Gebetbuch zur Erfrischung der Sinne eingelegt worden sei. Den oberen Garten krönt laut Götz ein behindertengerechter Bereich mit Hochbeeten, in denen Menschen mit Handicap die Welt der Kräuter mit allen Sinnen entdecken können.

Mit einer Neuheit überraschte die Gärtnermeisterin die Teilnehmer, als sie informierte, dass ab dieser Saison jeweils eine Gemüsesorte in ihren sämtlichen Varianten mit Samen präsentiert wird. Heuer ist dies die Bohne, von der Götz an die rund zehn Sorten als Schauobjekte gesteckt hat. Im unteren Gartenteil bewunderten die Besucher die mediterrane Bepflanzung. Aber auch viele exotischen Pflanzen aus aller Welt birgt der Kräutergarten hier, der in einem Naturgarten auf der anderen Seite des Ehenbachs seine Fortsetzung findet.

Alle Interessierten haben nun bis September jeweils am ersten Samstag im Monat um 15 Uhr die Möglichkeit, sich einer Gruppe mit maximal zehn Personen für eine Führung anzuschließen. Es gelten Maskenpflicht und Abstandsregelung. Terminvereinbarung unter 09622/70 25-13 bei der Stadtverwaltung Schnaittenbach.

Erstmals wird eine Gemüsesorte vorgestellt. Tanja Götz hat sich für die Bohne entschieden, von der sie an die zehn Schau-Objekte gesteckt hat.
Der Kräutergarten endet in einem Naturgarten, der über einer kleinen Brücke über dem Ehenbach zu erreichen ist und zum Baumeln der Seele einlädt.
Tanja Götz verweist bei ihrer Führung durch den Kräutergarten auf viele heimische Heilpflanzen, die laut Volksmedizin wertvolle Hilfe zur Gesundhaltung von Körper und Geist bieten.

Für Sie empfohlen

 

 

Videos aus der Region

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.