01.01.2021 - 11:37 Uhr
SchnaittenbachOberpfalz

Kaninchenzuchtverein Schnaittenbach ist aufgelöst

85 Jahre lang gehörte der Kaninchenzuchtverein Schnaittenbach ganz selbstverständlich zum gesellschaftlichen Leben der Stadt. Jetzt musste er aufgelöst werden.

Züchter in ihrem Element (von links): Albert und Karin Hirmer sowie Rudi Stepan.
von Autor SHProfil

Ein neuer Verein, nämlich die "Krippenfreunde Schnaittenbach" wurde kürzlich gegründet, alteingesessene Vereine wieder Gesangsverein, die Krieger- und Soldatenkameradschaft und nun der 85 Jahre alte Kaninchenzuchtverein dagegen aufgelöst. Doch noch prägen rund 80 Vereine, Gruppen und Organisationen das Gesicht von Schnaittenbach.

Ein Blick in die Vereinsgeschichte zeigt, dass der Kaninchenzuchtverein am 25. Mai 1934 in der auch schon ehemaligen Gastwirtschaft "Frühlingsgarten" gegründet wurde. Dort trafen sich Kleintierhalter aus Schnaittenbach und Hirschau, um über die Vorteile und Gründung eines organisierten Vereins zu diskutieren. Geburtshelfer war der bekannte Zuchtfreund Horn aus Hirschau, der die Schnaittenbacher anhand der zur Versammlung mitgebrachten Kaninchen und Felle über Haltung, Fütterung, Fellverwertung, Fleischabsatz und über die verschiedenen Rassen informierte und ihnen eine Vereinsgründung schmackhaft machte.

Seine Ausführungen waren so überzeugend, dass man sich nach lebhafter Diskussion und Aussprache entschloss, auch in Schnaittenbach einen Kaninchenzuchtverein ins Leben zu rufen und die Kaninchenzucht zu fördern. Die 14 Gründungsmitglieder waren Karl Bergmann, Josef Daller, Anton Färber, Johann Gailer, Johann Gerstner, Xaver Haderer, Georg Hirsch, Stefan Naber, Josef Rösch, Josef Rubenbauer, Adolf Schärtl, Josef Siegert, L. Streber und Franz Xaver Streber, allesamt männlich, eine Frau war nicht darunter.

Anton Färber erster Vorsitzender

Zum Vorsitzenden gewählt wurde Anton Färber, der im Februar 1935 die erste Kaninchenwerbeschau in Schnaittenbach organisierte und den Verein bis Juli 1935 leitete. Auf ihm folgte Josef Rubenbauer, der insgesamt elf Jahre lang an der Spitze des Kaninchenzuchtvereins stand. Ihm war es vor allem zu verdanken, dass die "Hoserer" auch während der schwierigen Zeit vor und während des II. Weltkrieges fortbestanden und die von der damaligen Reichswirtschaftskammer auferlegten Aufgaben und Abgaben erfüllt werden konnten.

So wurde man beispielsweise verpflichtet, die Felle der von den Vereinsmitgliedern geschlachteten Kaninchen an eine Fellverwertungsstelle abzuliefern. Außerdem musste die Wolle der Angora-Kaninchen einer Wollsammelstelle übergeben werden, wo diese zur Herstellung von Gesundheitswäsche und dergleichen mehr verwendet wurde. Im März 1946 übernahm Josef Bergmann, der spätere Bürgermeister von Schnaittenbach, den Vorsitz, den er aber schon im Januar 1949 wieder an den Zuchtfreund Josef Rubenbauer übergab, der sie weitere zehn Jahre lang inne hatte.

Der Verein erlebte 1959 einen weiteren beachtlichen Aufschwung, als der junge Karl Hottner an die Spitze der "Hoserer" rückte. Insgesamt 36 Jahre lang führte er ununterbrochen den Verein. Höhepunkte seiner Vorstandstätigkeit waren die alljährlichen Lokal- und Leistungsschauen mit durchschnittlich 100 zur Bewertung ausgestellten Tieren, wie Großchinchilla, Großsilber, Widder Zwerg, Neuseeländer, Kleiner Silber in den verschiedensten Fellfarben im Saal des Brauerei-Gasthofes Haas und später im ehemaligen Rasel-Anwesen, wobei die eingebundenen Züchterfrauen ihre selbst gefertigten Pelzprodukte der Öffentlichkeit präsentierten und die Lokalschau bereicherten.

Züchterabende und Jubiläen

Die Züchterabende mit Kaninchenessen in der Vereinsgaststätte Saller oder die Vereinsjubiläen zum 50-jährigen Bestehen mit angegliedertem Kreiszüchtertreffen im Schulhof "auf der Loh" im Jahre 1984 und zum 60-jährigen Bestehen im Jahre 1994 im ehemaligen Rot-Kreuz-Heim waren weitere Höhepunkte. Alljährlich wurden intern die Vereinsmeister ermittelt und mit Ehrenpreisen ausgezeichnet.

Die Grundlage für die züchterische Betätigung des Vereins, der in den 80-er Jahren insgesamt 55 Mitglieder umfasste, war die Liebe zum Tier und die Freude an der züchterischen Arbeit. Man hatte auch etliche Jungzüchter in seinen Reihen und genoss wegen seiner vielfältigen Aktivitäten einen guten Ruf im Kreisverband.

Vorstand Hottner legte großen Wert darauf, dass der Umgang mit Tieren und der Natur die Beziehung und das Verständnis für eine intakte Umwelt, für Flora und Fauna, stärke und fördere. Das Vereinsmotto war "Tiere halten ist schön, Tiere züchten ist interessanter, gute Tiere züchten ist Kunst". Auf Karl Hottner, der bis zu seinem Ableben im Jahre 1995 insgesamt 36 Jahre lang an der Spitze der "Hoserer" stand, folgten Hermann Kraus, Emil Kraus und Willibald Krös.

Nach dem Tod von Willibald Krös 2016 und verschiedener Vorstandsmitglieder gelang es dem Verein nicht mehr, einen kompletten Vorstand auf die Beine zu stellen. Dies und die Überalterung der Züchter waren maßgebender Grund dafür, die Auflösung des Kaninchenzuchtvereins mit zuletzt 44 Mitgliedern in die Wege zu leiten. Die von Kassier Karl Hottner getätigte Abwicklung mit den zuständigen Behörden und Stellen ist nun abgeschlossen. Der Kaninchenzuchtverein ist nach 85-jährigem aktiven Wirkens nun ein Fall für die Geschichtsbücher Schnaittenbachs.

Seit 6 Jahren kümmert sich Bianca Dirigl aus Tegernheim um kleine und kranke Igel

Regensburg
Schau 1973
Rudi Stepan mit seinem Prachtexemplar bei einer der alljährlichen Kaninchen-Lokal- und Leistungsschauen im ehemaligen Rasel-Anwesen.
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