30.07.2018 - 15:29 Uhr
SchnaittenbachOberpfalz

Prozess: Jähes Ende einer Kirwa-Nacht

Masskrug oder Limoflasche? - Egal, Amtsrichterin verhängt Bewährungsstrafe wegen gefährlicher Körperverletzung.

Diese Kirwa-Nacht hatte ein jähes Ende. Und ein Nachspiel vor Gericht.
von Michael Zeissner Kontakt Profil

(zm) Kopfschütteln bei der Amtsrichterin: "Es ist schade, dass solche Veranstaltungen immer so ausgehen müssen." Gemeint hat Julia Taubmann ein alljährlich wiederkehrendes Brauchtumsfest, das als Traditionspflege beginnt und nicht selten als Massenbesäufnis endet: Die Kirwa.

Und weil es spät, spät in der Nacht oder frühmorgens - das ist schließlich egal - bei meist eher jüngeren Besuchern erst richtig schön wird, kommt es des öfteren zu nur wenig tiefgründigen, aber umso handgreiflicheren Auseinandersetzungen darüber, wer denn nun der wahre Bajuware unter den Bayern sei - der Oberpfälzer oder der Franke? "Ich als Preuße verstehe das sowieso nicht", outet sich die Richterin in ihrer Urteilsbegründung. Was mancher womöglich als nicht minder brauchtumsgemäße, weil unvermeidbare Kirwa-Rauferei bagatellisieren mag, das ist für die Strafrichterin in diesem Fall schlichtweg eine gefährliche Körperverletzung gewesen. Geschehen gegen 3, 4 Uhr in Schnaittenbach. Eine besondere folkloristische Note hatte der ganzen Geschichte ursprünglich noch die Staatsanwaltschaft mit ihrer Anklageschrift aufgesetzt.

Ausgerechnet mit einem Masskrug soll der beschuldigte Oberpfälzer (23) einem Pegnitzer (22), also Mittelfranken, auf den Kopf gehauen haben. Der Franke ging jedenfalls aus einer Platzwunde heftig blutend zu Boden, das Schlagwerkzeug wohl zu Bruch. Den Masskrug musste die Anklage im Zuge der Beweisaufnahme später wieder zurücknehmen. Am Ende war nur noch von einer nicht unbedingt kirwatypischen, schnöden Spezi- oder Limoflasche die Rede.

Gesehen hat den Schlag niemand. Gehört haben aber zwei Zufallszeugen des Geschehens, als der Beschuldigte offenbar die Arena zusammen mit einem Kumpel verließ und anmerkte. "Schau 'mal, wie ich den ausgeknockt habe." Seine markante Stimme war dem Angeklagten, der stets seine Unschuld beteuerte, zum Verhängnis geworden. "Nicht zu fassen!", entrüstete er sich deshalb, als die Strafrichterin ihr Urteil verkündete und schlagfertig konterte, dass hier im Augenblick hier nur sie etwas fasse - nämlich die Urteilsbegründung in Worte.

Unter dem Strich des Prozesses hat sich der sieben Mal nicht einschlägig vorgeahndete 23-Jährige eine Freiheitsstrafe von einem Jahr eingehandelt, die für drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt wurde. Als Auflage muss er 1000 Euro zahlen. Das entspricht einem Monatseinkommen des derzeitigen Umschülers.



Nachrichten per WhatsApp und Facebook Messenger

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.