16.07.2021 - 13:57 Uhr
SchnaittenbachOberpfalz

Seit 100 Jahren wird am Buchberg gefeiert

Ein besonderes Jubiläum steht bevor. Im kommenden Jahr feiert das Buchbergfest 100-Jähriges. Das ist vor allem einer Person zu verdanken: Georg Landgraf.

Die Buchbergfreunde Erwin Meier, Hans Grieger, Gerhard Häckl und Heinz Gebhardt (von links) bei der Ausschilderung des neuen "Georg-Landgraf-Steiges" am Buchberg zu Ehren des Buchbergfestgründers und Heimatforschers Landgraf..
von Autor SHProfil

Das Jubiläum "100 Jahre Buchbergfest 2022" wirft seine Schatten voraus. Seit Jahrzehnten wird alljährlich am ersten Sonntag im August am Festplatz "Schirmwiesl" bei der Buchberghütte des Heimat- und Volkstumsvereins Ehenbachtaler das wohl älteste oberpfälzische Volkstumsfest im Freien auf dem Buchberg, dem höchsten Berg der mittleren Oberpfalz, gefeiert. Nachdem es im Vorjahr Corona zum Opfer fiel und das Fest auch heuer coronabedingt abgesagt werden muss, ruhen alle Hoffnungen der Trachtler auf dem "Jubiläums-Buchbergfest" im kommenden Jahr.

Die Geburtsstunde des Buchbergfestes schlug ein Jahr zuvor, nämlich im Jahre 1921. Nach dem Ersten Weltkrieg war Deutschland zerschlagen, es brachen die Ideale vieler jungen Menschen zusammen und viele Werte gingen während dieser Zeit verloren. Man suchte nach gültigen Lebenswerten und fand dabei Halt in der Heimat, an die man sich klammerte und für die es sich noch allemal lohnte, Liebe und Idealismus aufzubringen und zu investieren. Das war der Ursprung, der 1921 junge Leute zum Buchberg führte. Die Idee und Initiative hierzu ging von Georg Landgraf, einem gebürtigen Schnaittenbacher, aus.

Zurück in die Heimat

Obwohl er in der Landeshauptstadt München als Studienrat tätig war, führte ihn der Weg immer wieder in seine Geburtsheimat Schnaittenbach. Schon als junger Bursch war Landgraf während der Sommerferien aus treuer Heimatliebe, Freude an der Natur und den Bergwäldern auf seinem geliebten Buchberg unterwegs. Ihm, der nach zäher Forschungsarbeit stets bemüht war, in erster Linie die Heimatliebe und Heimatsinn zu fördern und zu heben, gelang es, in Gesprächen und Schilderungen seine Studenten aus Amberg, Weiden, Kemnath, Schnaittenbach, Neustadt, Freudenberg von den Schönheiten des Buchberges und des Eichenberges, zwei Weihestätten der Deutschen in der Oberpfalz mit seinen historischen Stätten Keltenfliehburg, oberhalb von Demenricht und Schlößl, oberhalb von Sitzambuch, zu begeistern. Landgraf, der als junger, 29-jähriger Volksschullehrer, im Jahre 1908 die erste gebundene Chronik von Schnaittenbach herausgab und als Heimatforscher über ein enormes heimatkundliches Wissen verfügte, konnte die Studenten aus der nördlichen und mittleren Oberpfalz von einem Buchbergtreff begeistern und überzeugen. Der Sommer 1921 hatte Anfang August seinen Höhepunkt erreicht und das Semester mit Vorlesungen und Prüfungen lag hinter den Studenten. Man war über das Erreichte erfreut und froh, nach einiger Zeit wieder in die Heimat zu kommen.

So anregend, so abwechslungsreich und frei das studentische Leben in München auch gewesen sein mag, noch dazu in einer Zeit, in der man nicht jedes Wochenende nach Hause fahren konnte, so blieb man doch Schnaittenbacher, Kemnather, Hirschauer oder Freudenberger. Damals bedeutete die Studienzeit immer ein Abschied auf Zeit von Zuhause. Sie wollten nicht einfach still und leise in den Heimatort zurückschleichen, sondern ihre Heimkehr feiern. Elternhaus, Freunde, Vertrautes, die heimische Landschaft, all das was man mit Heimat umschreiben kann, erwartete sie und erzeugte bei den Studenten Hochstimmung. Was lag also näher, diese Hochstimmung mit einem Fest zu feiern. Und so trafen sich die Münchener Studenten in Begleitung ihres Studienrats Georg Landgraf in der schweren Nachkriegszeit im Sommer 1921 aus vaterländischen Motiven zu einem heimatlichen Gedankenaustausch bei einer Waldarbeiterschutzhütte "am Steinplattl" am Buchberg, unterhalb des derzeitigen Gipfelkreuzes. Dieses erste Treffen, organisiert von Landgraf, verband man mit einer Forschungsinspektion der historischen Stätten am Buchberg.

Erstes Buchbergfest 1922

Man forschte nach der Heimat- und Buchberggeschichte und nach der Geologie, erzählte von der Heimat, musizierte mit Gitarre, Schifferklavier oder Mundharmonika, sang Volks- und Heimatlieder und vergnügte sich mit den im Rucksack auf den Berg geschleppten Getränken und Brotzeiten im Studentenkreis. Dabei wurde so manch phantasievoller Plan über den Buchberg ausgedacht und wieder verworfen, um die Schönheiten des Buchberges einem breiten Bevölkerungskreis zu erschließen. Dieses Treffen hat allen Teilnehmern so gut gefallen, dass man beschloss, derartige Zusammenkünfte jedes Jahr abzuhalten und sie auch folkloristisch und mit richtungsweisenden Ansprachen auszustatten. Dies war 1921 die Geburtsstunde des ein Jahr später abgehaltenen ersten offiziellen Buchbergfestes, das im kommenden Jahr seinen 100. Geburtstag feiern kann und das auch noch in der heutigen Zeit ein beeindruckendes Bekenntnis zu Glaube, Heimat und Brauchtum ist.

Aus Dankbarkeit und zur Erinnerung an den Heimatforscher und Begründer des Buchbergfestes Georg Landgraf, einen der größten Söhne seiner Heimat Schnaittenbach, haben die Buchbergfreunde Erwin Meier, Hans Grieger, Gerhard Häckl und Heinz Gebhardt den Weg vom "Schwalberer Gedenkstein" in Richtung alte Wanderhütte, Landgraf-Denkmal, ehemalige Burg Haldenrode und Buchberg-Gipfelkreuz, auf dem Landgraf mit seinen Studenten 1921, also vor 100 Jahren erstmals gemeinsam wanderte, zum "Georg-Landgraf-Steig" gewidmet und mit entsprechenden Hinweistafeln aus Holz ausgeschildert.

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Info:

Der Buchberg

  • 667 Meter hoch
  • Wird vor allem als Naherholungs- und Wintersportgebiet genutzt
  • Seit 1922 findet dort das Buchbergfest statt
Der Gründer des Buchbergfestes, Studienrat Georg Landgraf.
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