17.06.2020 - 11:36 Uhr
SchnaittenbachOberpfalz

Viele Schnaittenbacher trauern den Gendarmen nach

Auch eine Gendarmeriestation hat es in Schnaittenbach und im benachbarten Hirschau schon gegeben. Aber das wissen nur noch die älteren Stadtbürger. Denn vor über fünf Jahrzehnten wurde sie schon aufgelöst und nach Amberg eingegliedert.

Die ehemalige Schnaittenbacher Polizeistation in der Kick-Rasel-Straße, wie sie bis zum Jahr 1961 bestand.

Das waren noch Zeiten, als Schnaittenbach einen eigene Polizeistation in der Kick-Rasel-Straße im Gebäude der jetzigen Hausarztpraxis Wolf hatte und die drei Gendarmen Dirmeier, Heiland und Braun für Recht und Ordnung sorgten. Vor der Auflösung kämpfte der Markt Schnaittenbach über Jahre hinweg um diesen Landpolizeiposten.

Erstmals im April 1923 wurde das Bezirksamt Amberg darauf aufmerksam gemacht, dass es der Ortspolizeibehörde Schnaittenbach mit ihrem Polizeidiener unmöglich sei, Ordnung und Sicherheit aufrecht zu erhalten. Der Grund: Seit längerer Zeit trib dort eine Rotte von 20 bis 25 Menschen ihr Unwesen, die Andersdenkende herausforderten, belästigten und bedrohten.

Die Gemeinde, tatkräftig unterstützt vom Schnaittenbacher Bezirkstagsvorsitzenden Martin Winkler und von Gutsbesitzer Alfons Rasel, beantragten daher die Errichtung einer besonderen Gendarmeriestation. Bislang wurde Schnaittenbach von der mit drei Beamten besetzten Station in Hirschau aus betreut sowie von dem vom Gemeinderat bestellten Polizeidiener Pröls, der jedoch wegen seines hohen Alters diesem Posten nicht mehr gewachsen war. Daraufhin beauftragte das Bezirksamt die Gemeinde, einen jungen, tatkräftigen Mann als Polizeidiener zu bestellen und die Personalkosten durch die dann zu erwartende nachdrückliche Bekämpfung des Forstfrevels zu decken.

Bezirksamt und Regierung vertraten die Auffassung, dass für die Errichtung eines Gendarmerie-Einzelpostens in Schnaittenbach keine Notwendigkeit bestehe. Nachdem im Jahr 1923 gegen 104 und im Jahr 1924 gegen 66 Schnaittenbacher wegen verschiedener Delikte Strafanzeigen vorlagen und Hirschau überlastet war, befürwortete man dort, eine eigene Station in Schnaittenbach zu bilden. Die Regierung unterstützte dies, das Staatsministerium des Innern in München war jedoch ablehnend. Stattdessen erhöhte man das Polizeipersonal in Hirschau von drei auf vier Mann. Schnaittenbach hatte zu diesem Zeitpunkt 1086, die selbständige Gemeinde Forst 370 Einwohner.

Erst nachdem der Gemeinderat im Dezember 1925 und die Kaolinfirma Eduard Kick im März 1926 erneut votiert hatten, genehmigte das Staatsministerium des Innern am 6. Mai 1926 den Schnaittenbachern eine zwei Mann starke Gendarmeriestation. Dazu wurde ein Polizeibeamter von Hirschau nach Schnaittenbach versetzt. Die Gemeinde musste sich verpflichten, einen den bau-, sicherheits-, gesundheits- und feuerpolizeilichen Anforderungen entsprechenden und mit der nötigen Einrichtung versehenen Haftraum kostenlos zur Verfügung zu stellen.

Am 1. Juli 1926 wurde die Gendarmeriestation in Schnaittenbach in Betrieb genommen. Sie war zunächst zuständig für die Orte Schnaittenbach, Forst, Haidhof, Holzhammer, Neuersdorf, Demenricht, Scharhof, Haidmühle und Seblasmühle. In den Jahren 1928/29 erwarb das Bezirksamt Amberg einen Acker des Beckl-Müllners Georg Kraus an der Kick-Rasel-Straße und errichtete dort ein neues Gendarmeriegebäude, das es 1930 an die Polizei vermietete.

Der erste Postenchef war damals der Amberger Hans Hofmann, dem als Postenbeamter Franz Körmer zugeteilt war. Danach waren Martin Dirmeier, Erich Wisneth, Josef Paulus, Ludwig Straßburger, Josef Braun und Josef Heiland als Polizeibeamte in Schnaittenbach eingesetzt. Nach Recherchen von Hobbychronist Hans Grieger bestand die Polizeidienststelle aus einem Dienstzimmer und einer im Keller untergebrachten Arrestzelle mit Holzliege, Holzofen und Eimer. Nachdem ein betrunkener Kaminkehrer, der dort zur Ausnüchterung untergebracht war, diese Zelle vollkommen verwüstet hatte, verzichtete man auf eine Instandsetzung.

Die Dienststelle war mit drei Tischen, zwei Aktenschränken, einer uralten und klapprigen Schreibmaschine und einem Handkurbeltelefon sowie einem die längste Zeit nicht einsatzfähigem Motorrad äußerst karg ausgestattet. Die Polizisten mussten im Dienst entweder ihre Privatfahrräder verwenden oder aber die Dienstgänge zu Fuß erledigen. Das Büromaterial war äußerst knapp, so dass teilweise sogar die Briefkuverts umgedreht werden mussten, um sie nochmals zu verwenden. In der Anfangszeit mussten die Beamten ihren Dienst in Zivilkleidung mit Armbinde verrichten, nachdem laut Dirmeier erst ab 1947 Uniformen zur Verfügung standen. Die Polizisten waren täglich zwei bis vier Stunden auf Streife, während ein Beamter Innendienst verrichtete. War auch dieser einmal im Einsatz, mussten die Ehefrauen einspringen und die eingehenden Telefongespräche entgegennehmen.

Laut den Aufzeichnungen von Polizist Martin Dirmeier hatte man es nach dem Krieg und vor der Währungsreform 1948 hauptsächlich mit Straftaten zu tun, die aus der damaligen Not heraus verübt wurden, darunter etwa Schweinediebstähle. Die Tiere wurden noch vor Ort auf den landwirtschaftlichen Anwesen im Stall getötet und dann abtransportiert. Auf der Tagesordnung standen desweiteren Fahrrad- und Holzdiebstähle und auch kleinere Einbrüche. Schwere Straftaten kamen damals äußerst selten vor. Aus dieser Zeit ist Dirmeier auch ein Suizid in Erinnerung. Ein Mann aus der damaligen DDR hattte sich an einem Baum auf dem Buchberg erhängt.

Als dann die Motorisierung und der Straßenverkehr zunahmen, waren die Polizisten stark mit der Verkehrsüberwachung und Verkehrsunfällen befasst. Damals kam es zu auffallend vielen tödlichen Motorradunglücken, wobei ein Unfallschwerpunkt die damals mit vielen Straßenbäumen bestandene Grenztafelkurve an der B 14 zwischen Schnaittenbach und Holzhammer war. Großeinsätze waren gefordert bei den zahlreichen Wirtshaus- und sonstigen Raufereien, die nur gemeinsam zu bewältigen waren und die allesamt glimpflich ausgingen.

Virus verändert Polizei-Arbeit

Amberg

Mit der zunehmenden Motorisierung zeigte es sich, dass die kleinen Dienststellen den neuen Anforderungen niicht mehr gewachsen waren. Aus diesem Grunde wurde eine Zusammenlegung geplant und auch im Mai 1961 im Dienst vollzogen. Vor 56 Jahren wurde die Schnaittenbacher Polizeistation aufgelöst und auch die Schnaittenbacher Landpolizisten in die in der Herrnstraße in Amberg eingerichtete Großraumstation versetzt. Das landkreiseigene Polizeigebäude in Schnaittenbach wurde gemäß Kreistagsbeschluss an Dr. Franz Wolf veräußert, der dort eine Hausarztpraxis einrichtete. Das war das Ende der Polizeidienststelle Schnaittenbach. Der persönliche Kontakt zwischen der Bevölkerung und dem Polizeibeamten, dem Gendarm am Ort, ging dadurch größtenteils verloren, was noch heute viele bedauern.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

 

Videos aus der Region

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.