22.05.2020 - 17:52 Uhr
AmbergOberpfalz

Wie sich Arbeit der Amberger Polizei in Coronakrise verändert

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Die Krise rund um das Coronavirus hat auch die Arbeit der Amberger Polizei verändert. Bisher übliche Einsätze und Straftaten nehmen ab. Dafür stehen die Beamten vor neuen Herausforderungen.

In der Polizeiinspektion in Amberg werden viele Hygiene-Maßnahmen ergriffen. Gleich am Eingang desinfizieren die Beamten ihre Hände.
von Miriam Wittich Kontakt Profil

Die Corona-Beschränkungen werden Stück für Stück gelockert. Die Sonne scheint, das Wetter ist sommerlich. Immer mehr Menschen zieht es auf die Straßen. Irgendwann wird sich damit wohl auch die Arbeit der Polizei wieder normalisieren. Normal – das bedeutet der Stand vor der Corona-Krise. Denn mit der Pandemie veränderten sich die Aufgaben der Beamten, ebenso die Art und Anzahl ihrer Einsätze.

„Wenn kaum Menschen auf den Straßen unterwegs sind, dann fehlt die Sozialkontrolle“, erklärt Thomas Lachner, Leiter der Amberger Polizeiinspektion. Die Beamten befürchteten im Zuge der Ausgangsbeschränkungen deshalb einen Anstieg der Kriminalität. Mehr Einbrüche zum Beispiel. Nicht in Wohnhäusern, weil fast alle Menschen daheim sind, sondern in vorübergehend verwaisten Industriegebieten. Doch diese Befürchtung habe sich nicht bestätigt. „Wir haben hier von Anfang an viel Präsenz gezeigt.“ Um die zusätzlichen Patrouillen-Fahrten gewährleisten zu können, wurde die Inspektion von Beamten der JVA und der Bereitschaftspolizei unterstützt.

Thomas Lachner, Leiter der Polizeiinspektion Amberg, erzählt mit welchen neuen Herausforderungen die Polizei in der Corona-Krise konfrontiert wird.

Einsätze nicht seltener

Die Delikte seien mit den Kontaktbeschränkungen und den geschlossenen Geschäften im Allgemeinen zwar weniger geworden. Trotzdem ist den Beamten die Arbeit nicht ausgegangen, bestätigt auch Pressesprecher Achim Kuchenbecker: „Es sind alle Zahlen rückläufig, außer die Einsatzzahlen.“

Ein Schwerpunkt der Polizeiarbeit sei normalerweise die Straßenkriminalität, doch kaum jemand hielt sich in den letzten Wochen im öffentlichen Raum auf. „Einen deutlichen Rückgang merken wir bei Kneipenschlägereien und Körperverletzung“, sagt Kuchenbecker. Auch im Straßenverkehr sei es zu viel weniger Unfällen gekommen. „Diese Zahl normalisiert sich aber schon wieder.“ Groß war die Sorge, dass es zu mehr häuslicher Gewalt kommen könnte. „Da kam es jedoch zu weniger Anzeigen, langsam nehmen aber auch die wieder zu.“ Vermehrt versuchen außerdem Betrüger im Internet ihr Glück.

Zudem müsse nun eben die Einhaltung der Allgemeinverfügung kontrolliert werden. „Wir legen uns da nicht auf die Lauer, um jemanden zu erwischen. So darf man sich das nicht vorstellen“, erklärt der Polizeisprecher. „Unser Ziel ist es, in der Stadt und im Landkreis präsent zu sein. Und wenn es in gewissen Bereichen zu Sachbeschädigungen kommt, zum Beispiel kürzlich bei der Brandstiftungsserie im Dreifaltigkeitsviertel, dann wird dort verstärkt kontrolliert.“

Dreifaltigkeitsviertel Amberg: Brandstifter von der Polizei gefasst

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Viele Fragen

Wichtig sei auch, ansprechbar für die Menschen zu sein. „Es herrscht immer noch viel Unsicherheit“, sagt Lachner. Mit Erlass der Corona-Verordnung klingelten die Telefone in der Amberger Inspektion ohne Unterbrechung. „Die Einrichtung des Bürgertelefons war eine große Erleichterung für uns“, erklärt der Polizeichef. Für ihn sind die vielen Fragen jedoch verständlich, und er betont: „Wenn es einen Grund gibt, dann sollen die Leute auch weiterhin zu uns kommen.“ In der Inspektion sorgen Plexiglasscheiben und Spender mit Desinfektionsmittel für Hygiene. Für Vernehmungen gibt es sogar einen tragbaren Spritzschutz. Schwieriger ist das für die Polizisten im Außendienst. „Auch die Kollegen waren natürlich verunsichert“, erklärt Thomas Lachner. „Körperlicher Kontakt lässt sich bei vielen Einsätzen nicht vermeiden. Bei einem Familienstreit zum Beispiel müssen wir auch in die Wohnung reingehen.“ Diesen Umstand haben sich laut Lachner auch manche Menschen zunutze gemacht: „Immer mal wieder kamen Sprüche wie: ,Ich habe Corona, ich spucke dich an!’“ Tatsächlich sei es zu Spuck-Attacken gegen Polizisten gekommen. Doch das sei die Ausnahme.

Polizeisprecher Achim Kuchenbecker zeigt das Visier, das Beamte nun tragen können, um sich bei Einsätzen vor dem Coronavirus zu schützen.

„Wir möchten uns bei den Bürgern für ihre Disziplin bedanken“, betont Lachner. „Es ist top, wie sich die Leute verhalten.“ Verstöße gebe es nach wie vor, aber „im Großen und Ganzen herrscht Verständnis für die Maßnahmen“. Diejenigen, die der Polizei jetzt große Probleme machen, seien die gleichen, die das auch vor der Corona-Pandemie getan hätten. „Das sind leider sehr oft amtsbekannte Personen oder Gruppen.“

Genug Schutzausrüstung für die Polizisten sei mittlerweile vorhanden: Mund-Nasen-Masken, Handschuhe, Ganzkörperschutzanzüge, Desinfektionsmittel und sogar Visiere aus Plastik als Gesichtsschutz. Die Streifenwagen werde vor jedem Besatzungswechsel gereinigt und desinfiziert. Steht ein Beamter doch unter dem Verdacht, sich infiziert zu haben, gibt es eine eigene Teststraße für Polizisten. „Da können wir einfach nicht eineinhalb Wochen auf ein Ergebnis warten“, schildert Lachner den Ablauf. Bisher habe es in der Amberger Inspektion jedoch noch keine bestätigten Corona-Fälle gegeben.

Organisatorisch sah sich die Polizei ähnlichen Herausforderungen gegenüber wie viele andere Betriebe auch. Das Personal wurde nach Möglichkeit räumlich getrennt und arbeitet in Schichten, um bei möglichen Infektionen den Dienst aufrechterhalten zu können. Besprechungen sind weitestgehend telefonisch. Homeoffice sei im Polizeidienst nur in Ausnahmefällen möglich. „Das liegt auch daran, dass wir nur begrenzte Möglichkeiten haben für sichere Zugänge zu den polizeilichen Datensystemen.“ Zu den vielen Schichten und Streifenfahrten kam noch ein erhöhter Betreuungsbedarf bei Müttern und Vätern. Lachner: „Da haben wir natürlich nach familienfreundlichen Lösungen gesucht.“

Erhebliche Veränderungen

Fordernd sei für die Beamten auch, immer perfekt informiert zu sein. „Mit jeder Neuerung, Lockerung oder Verschärfung kommen neue Fragen. Geregelte und eingespielte Abläufe sind plötzlich ganz anders. Das sind erhebliche Veränderungen und das alles kostet viel Zeit“, sagt Lachner. Die Beamten seien angewiesen, mit Fingerspitzengefühl an die Sache heranzugehen. Für Verstöße gibt es einen Bußgeldkatalog. Wie viel ein Vergehen kostet, hänge auch davon ab, ob es sich um Wiederholungstäter handelt, wie es um die Einsicht steht und wie groß die Gefahr für andere Menschen war. Lachner: „Das sind oftmals Einzelfallentscheidungen.“

Glücklich ist der Polizeichef nicht nur über die meist „besonnenen Amberger“, sondern auch über die „sehr gute Zusammenarbeit“ in der Führungsgruppe Katastrophenschutz. Dadurch sei man gut vorbereitet auf mögliche Entwicklungen.

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