20.05.2020 - 17:34 Uhr
AmbergOberpfalz

Evakuierung mit Corona-Schutz: Großeinsatz war vorbereitet

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Die Evakuierung von Wohngebieten mit rund 1500 Menschen am Donnerstag war vorbereitet, Flugzettel hatten die Betroffenen vorgewarnt. Der Bombenfund im Amberger Bergsteig hätte, auch wegen Corona, einen Großeinsatz verursachen können.

Thomas Lachner (links), der Leiter der Polizeiinspektion Amberg, und Bernhard Strobl, der Chef der Amberger Feuerwehr, zeigen bei einem Ortstermin am Mittwoch am Bergsteig die ausgegrabenen Munitionsteile und erläutern das Ausmaß, das eine Evakuierung gehabt hätte.
von Heike Unger Kontakt Profil

Rund 1500 Menschen aus dem Bergsteig-Viertel und aus Wohngebieten der Nachbargemeinde Kümmersbruck hätten in Sicherheit gebracht werden müssen, wenn die gefundenen Bomben hätten entschärft werden müssen. Das war, weil die Fundstücke nicht mehr explosiv waren, nicht nötig. Damit musste das umfangreiche Konzept, das die Stadt in Abstimmung mit Polizei, Feuerwehr, THW, BRK und ASB ausgearbeitet hatte, nicht in die Tat umgesetzt werden. Die für Donnerstag geplante Evakuierung konnte abgeblasen werden.

Coronaschutz und Sprachprobleme

Eine solche Aktion wäre in Zeiten geltender Corona-Sicherheitsvorschriften aufwendig geworden. Deshalb hatten die Verantwortlichen die Evakuierung sehr detailliert vorbereitet. Auch, weil gerade am Bergsteig viele ältere, nicht problemlos mobile Menschen leben sowie Bewohner, die teilweise Probleme mit der Verständigung auf Deutsch haben. Deshalb standen nach Auskunft von Ambergs Feuerwehr-Chef Bernhard Strobl auch Zweisprachler bereit, die am eigens dafür geschalteten Bürgertelefon oder auch sonst bei der Evakuierung unter anderem auf Russisch hätten dolmetschen können.

Nicht nur die Häuser neben der Baustelle am Bergsteig hätten im Ernstfall geräumt werden müssen. Das ganze Viertel und Teile der benachbarten Gemeinde Kümmersbruck wären bei einer Bombenentschärfung evakuiert worden.

Die betroffenen Anwohner in einem Umkreis von 500 Metern um den Fundort der Bomben waren laut Stadtbrandrat Strobl bereits am Dienstagabend "vorgewarnt" worden, damit sie sich schon einmal nach einer Bleibe umsehen konnten: Die Feuerwehr verteilte die Informationen auf Flugblättern in den Briefkästen und hatte tags darauf auch Lautsprecherdurchsagen geplant. Rund 1200 Menschen am Bergsteig sowie weitere 300 Kümmersbrucker hätten aus Sicherheitsgründen ihre Wohnungen und Häuser verlassen müssen. Wer keine andere Unterkunftsmöglichkeit gehabt hätte, wäre vorübergehend in der Turnhalle des Gregor-Mendel-Gymnasiums und im ACC einquartiert worden, berichtete Strobl.

Evakuierung mit Abstandsregeln

Der Aufwand wäre wohl etwas größer gewesen als bei der Evakuierung nach den Bombenfunden in Kümmersbruck im vergangenen Jahr, meinte Strobl – wegen der auch in diesem Fall geltenden Corona-Schutzmaßnahmen in Sachen Abstand und Hygiene. Die aktuelle Pandemie-Situation habe aber auch einen Vorteil: Dadurch, dass damit ein Katastrophenfall herrsche, seien bereits alle nötigen Stellen in Aktion gewesen.

Die lange Vorlaufzeit nannte Ambergs Polizei-Chef Thomas Lachner als weiteres Plus. Seit rund zwei Wochen sei bekannt gewesen, dass man auf der Baustelle Weltkriegsbomben finden könnte. Da diese aber entsprechend tief im Boden lagen, habe keine akute Gefahr bestanden, weshalb man eine mögliche Evakuierung und Bombenentschärfung gut vorbereiten und bewusst auf den Feiertag Christi Himmelfahrt habe legen können. Dadurch, so ergänzte Stadtbrandrat Bernhard Strobl, wäre es auch einfacher gewesen, die für die Evakuierung nötigen 450 Helfer zu rekrutieren, von denen 300 Ehrenamtliche gewesen wären, die werktags nicht greifbar gewesen wären.

Öffentlichkeit frühzeitig informiert

Die Entscheidung, mit diesen Plänen bereits am Dienstag an die Öffentlichkeit zu gehen, sei richtig gewesen, bilanzierte Lachner am Mittwoch: Zwar habe es im Vorfeld längere Diskussionen unter den Verantwortlichen gegeben, ob dies der richtige Zeitpunkt war. Die Befürchtung, damit viele Schaulustige zu mobilisieren, stand hier der Überlegung entgegen, Anwohner, die ihre Häuser verlassen müssen, früh genug zu informieren, damit sie sich um eine vorübergehende Bleibe kümmern konnten.

Bombenfund ohne Exposionsgefahr

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