12.07.2020 - 09:45 Uhr
SchönseeOberpfalz

Jürgen Huber tauscht Regensburg gegen Schönsee ein

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Jürgen Huber nimmt wieder den Pinsel in die Hand. Der frühere Regensburger Bürgermeister wird jedoch in Schönsee künstlerisch aktiv. Seinen Lebensmittelpunkt hat der 65-Jährige kürzlich weg von der Stadt ins Grenzland verlegt.

Jürgen Huber erklärt seine Arbeitsweise, spricht vom gesteuerten Zufall.
von Irma Held Kontakt Profil

Der aus Altenstadt stammende Künstler Jürgen Huber ist auf der Suche nach einem Bilderlager. In 30 Jahren Malerleben sammelt sich trotz guter Verkäufe eine beträchtliche Galerie an. Außerdem steht im Mai ein Wechsel von der Regensburger Politik in die künstlerische Freiheit an. Im Internet stößt er auf das Ackerbürgerhaus in der Schönseer Ortsmitte, das zum Verkauf steht. Der 65-Jährige entscheidet sich mit seiner Frau zur Rückkehr aufs Land.

"Schönsee hat bei mir einen super tollen Klang", lacht er, in seinem Esszimmer mit Blick auf die Hauptstraße sitzend und erklärt Oberpfalz-Medien auch gleich weshalb. Das hängt mit dem ehemaligen Bürgermeister Hans Eibauer zusammen, der in jungen Jahren die Diskothek "Red Egg" betrieben hat. "Wir waren fast jedes Wochenende da." Hubers Worten nach hat er dort seine popkulturelle Prägung erfahren und darin sieht der ehemalige Grüne Regensburger Bürgermeister das Grundwertegerüst für die politische Haltung. "Im Moment ist es gerade nicht so, dass man auf die Künstler hört", bedauert er.

"Von Schönsee geht man fort", ist die Haltung vor Ort. Er sei bewusst hierher gegangen. Jürgen Huber spricht von einem "großen Haus", seinem Haus, "dass man mit Stolz besitzen kann. Ich habe hier 240 Quadratmeter mit Scheune, Remise und Garten." Für den Preis bekomme er in Regensburg gerade mal zwei Tiefgaragen-Stellplätze.

Als Politiker hat er sich viel mit gleichen Lebensverhältnissen beschäftigt und sieht Politiker auch in der Pflicht, dass junge Familien in Orten wie Schönsee sesshaft werden. Dazu braucht es Hubers Überzeugung nach eine Nahversorgung - ihm fehlt der Edeka im Stadtzentrum, und er hofft auf eine Nachfolgeregelung - und Wirtshäuser. Öffentliche Gespräche beim Bäcker, beim Metzger oder an der Theke sind für ihn ein Lebenselixier und außerdem wichtig für die Demokratie und die Meinungsbildung.

Dass ihm an einem öffentlichen Austausch gelegen ist, überrascht nicht. Jürgen Huber ist ein unterhaltsamer, kommunikativer Mensch, ein guter Erzähler und weit entfernt von einem ideologischen Sturkopf.

Weil er seine Politikerzeit noch nicht ganz abschütteln kann, aber von seiner neuen Heimat auf dem Land begeistert ist, denkt er durchaus darüber nach, wie junge Leute zum Beispiel in Schönsee gehalten werden können, mit "guten, wertschöpferischen Arbeitsplätzen. Diese sieht er beispielsweise im Holzbau. "Was der Irlbacher auf hohem Niveau mit Glas macht, kann ich auch mit Holz machen." Natürlich sollten junge Leute mal was anderes sehen aber: "Schönsee ist ausgezeichnet für Familien. Es lebt sich hier viel günstiger", wirbt er gleich für sein neues Zuhause.

"Das Politikerdenken" könne er nicht einfach so abschalten. Das wird im Gespräch spürbar. Er wittert jedoch die Chance, auf dem Land zu entschleunigen. "Ich kann mich hier besser konzentrieren." Und jeder Mode rennt er auch nicht hinterher, das ist gleichermaßen sein Rat an Jüngere: Sich was zu "leisten", was dem Herzen Genugtuung verschaffe. Es geht ihm um Ideelles.

Als Bildender Künstler wollte er nie etwas anderes als Maler sein, und dieser Profession will er nach sechs Jahren Abstinenz wieder nachgehen. Seine Kunst umgibt ihn bereits in Schönsee. An den Wänden hängen fast ausnahmslos Huber-Werke. Dort, wo er malen will, trifft er geballt auf sein Schaffen: frühe Werke, eine sehr ernste, düstere Phase, Doppelbilder, Großformatiges für Ausstellungsgebäude.

Die meisten Objekte tragen keine Titel, er verzichtet bewusst auf Hinweise. "Kunst entsteht in Ihren Augen nicht in meinen." Noch ein weiteres Credo Hubers: "Ein Bild sagt manchmal mir mehr als ich dem Pinseln." Er spricht von gesteuertem Zufall und sieht Kunst als Möglichkeitsraum für den Betrachter. Weil es ihm am Herzen liegt, man könnte auch sagen, es ihn umtreibt, dass Künstler und Intellektuelle zu Wort kommen sollten, "sich mal was trauen und Ansagen öffentlich machen sollten", kann es sein, dass es von Huber nicht nur was zu sehen, sondern auch zu hören gibt.Weitere Bilder: www.onetz.de/

Der Bürgermeister Jürgen Huber

Der Schriftsteller Jürgen Huber

Jürgen Huber: Kunst und Politik:

Kunst und Politik

Geboren 1954 in Altenstadt/Waldnaab besucht Jürgen Huber das Keplergymnasium in Weiden. Der Arbeitersohn macht eine Buchdruckerlehre, gründet einen Verlag und wird Bildender Künstler. Seine Leidenschaft gilt der Malerei und dem Glas. Das verbindet ihn auch mit Glaskünstler Erwin Eisch aus Frauenau. Jürgen Huber gehört der Gruppe "Warum Vögel fliegen" und dem Kunstverein Graz an. Ausstellungen im In- und Ausland sowie diverse Preise und Studienaufenthalte im Ausland füllen seine Künstler-Vita. 2008 wird Huber für die Grünen in den Regensburger Stadtrat gewählt und 2014 erster Grüner Dritter Bürgermeister der Großstadt. Huber ist für das Umwelt- und Gartenamt sowie das Amt für Abfallentsorgung zuständig. Straßenreinigung und Fuhrpark gehören ebenfalls zu seinem Aufgabengebiet. Am 30. April 2020 geht der 65-Jährige in den politischen Ruhestand. (ihl) Informationen zu Jürgen Huber: www.einbildungshaus.de

Schönsee hat bei mir einen super tollen Klang.

Jürgen Huber

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