25.09.2020 - 09:54 Uhr
SchönseeOberpfalz

Nature Community in Schönsee lässt sich durch Corona nicht aus der Bahn werfen

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Noch Anfang des Jahres ist der Terminkalender der Nature Community in Schönsee prall gefüllt. Dann sorgt das Coronavirus für eine Zwangspause. Doch der Lockdown hat der solidarisch lebenden Gemeinschaft neue Perspektiven eröffnet.

Stolz haben sich die Mitglieder der Nature Community in Schönsee zum Gruppenfoto in ihrem neuen Naturgarten aufgestellt. Diesen haben Neelam Mages und Iris von Boyern während des Lockdowns verwirklicht.
von Hans EibauerProfil

„Corona hat uns nicht aus der Bahn geworfen“ und andere optimistische Töne sind immer wieder im Gespräch der Oberpfalz-Medien mit Karin Magnus, Uli Jung und Andreas Materne zu hören. Die drei sind in verantwortlichen Positionen bei der Nature Community im „Hubertus“, einst bekannt als Hotel St. Hubertus, in Schönsee tätig. So bescherte der Lockdowns im Frühjahr unerwartet Zeit für das schon länger geplante Naturgartenprojekt zwischen den Bungalows. Dabei ließen Neelam Mages und Iris von Boyen, unterstützt von einigen Helfern, ihren grünen Daumen wirken.

Verschieben und improvisieren

Die Buchungssituation im „Hubertus“ habe Anfang des Jahres sehr gut ausgesehen – „mit einem positiven wirtschaftlichen Ergebnis rechneten wir zum Jahresende 2020 fest“, ergänzen Uli Jung und Andreas Materne, die beiden Vorstände der eingetragenen Genossenschaft. Doch dann ging es der Nature Community ab März genauso wie vielen in der Veranstaltungsbranche: Über Wochen mussten die Programmplaner Termine streichen, Verschiebungen managen, Organisatoren trösten, viel improvisieren und sich mit dem Infektionsgeschehen auseinandersetzen.

Sichtlich stolz zeigt Uli Jung auf seinen überdimensionalen Planer für 2021, der viele Absagen von heuer auffängt und deshalb schon gut gefüllt ist. Das diesjährige GEN-Europe Treffen – die drei Buchstaben stehen für „Global Ecovillage Network“ – mit an die tausend Gästen im Juli geplant, geht der Nature Community nicht verloren: Es steht im kommenden Jahr vom 8. bis 11. November schon fest im Terminkalender. Genauso ist die abgesagte Neuauflage des „Love & Peace Gathering“ als Open-Air im Juli eingetragen.

Einiges an positiven Erinnerungen aus dem Frühjahr ist bei den derzeit 35 erwachsenen Mitgliedern der Genossenschaft haften geblieben. Genannt werden die gewonnene Zeit, die Gelegenheit zum reflektieren sowie das Unter-sich-sein-Können in der Gemeinschaft über Wochen hinweg. Trotzdem atmeten alle wieder auf, als die ersten Lockerungen kamen und wieder kleinere Workshops möglich waren. Das Ziel, sich im Haus Hubertus nicht abkapseln zu wollen, sondern sich für Gleichgesinnte zu öffnen, drückt aus, wie sich alle nach der Begegnung mit Gästen von außerhalb sehnten.

Bericht über das "Love & Peace Gathering" im Jahr 2019

Schönsee

Dass dies aktuell nur mit Abstand, Maske und auf getrennt voneinander markierten Wegen geht, haben die Verantwortlichen in einem Hygienekonzept festgelegt. Die Umsetzung bereitet wegen der großzügigen Raumangebote und der auf dem Areal weit verstreut liegenden Workshop- und Begegnungsorte keine Schwierigkeiten. Nebeneffekt des komfortablen Platzangebots: Veranstalter buchten Workshops für den Herbst von anderen Orten zur Nature Community um. Dies bestätigt den beiden Vorstandsmitgliedern, wie richtig es war, sich vor bald fünf Jahren für das große Areal in Schönsee zu entscheiden.

Offen für neue Mitglieder

Um künftige Herausforderungen zu bewältigen – renovierungsbedürftige und verstreut liegenden Gebäue sowie weitere Pläne – ist die Nature Community offen für neue Mitglieder – auf Zeit oder länger. Corona hat das Interesse verstärkt. „Von jetzt 35 auf 60 bis 70 Mitglieder plus Kinder lässt sich der Kreis erweitern, Nachfrage besteht“ meint Andreas Materne, der von Beruf Unternehmensberater ist und immer den Blick aufs Ganze und in die Zukunft richtet.

Mit der Zulassung von Veranstaltungen mit begrenzter Teilnehmerzahl und dem Hygienekonzept als Richtschnur ging die Auszeit ab dem Sommer zu Ende. Zum Auftakt organisierten Neelam und David Mages im Juli „Sacred Space“, ein kleines musikalisches Treffen der leisen Töne. Inzwischen gingen schon mehrere Veranstaltungen und Seminare über die Bühne.

Eine echte Bereicherung für die Community waren die rund 20 Workcamper aus mehreren Ländern Europas: Bis Ende August arbeiteten sie zwei Monate an verschiedenen Projekten, insbesondere der Vorbereitung des GEN-Europe-Treffens. Außerdem setzen sie sich mit der Permakultur auseinander, die auf ein nachhaltiges Konzept beim Gartenbau setzt.

Eine Werkstatt mit System

Die einen mehr praxisbezogen, andere brachten ihre sozialen und organisatorischen Fähigkeiten ein. Und so schufen Leonard Odložilík und Eva Vicky Spacková, beide aus Prag, aus einem Kuddelmuddel von Werkzeugen eine Musterwerkstatt. Die vorbereitenden Arbeiten für das GEN-Treffen werden „konserviert“ und nächstes Jahr abgerufen.

Als weiterer positiver Aspekt der Corona-Einschränkungen wurde im Gespräch mit Oberpfalz-Medien genannt, dass alle sehr viel im Umgang mit digitaler Kommunikation dazugelernt haben. Der Satz „Ich muss zur nächsten Zoom-Konferenz“, mit dem sich Karin Magnus vom Gespräch verabschiedete, wäre ohne Corona sicher nicht gefallen. Jetzt gehört die Software für Videobesprechungen schon fast zum Alltag von Organisatoren. Allerdings sehen die Mitglieder der Nature Community, die in alternativen Lebensformen Erfüllung suchen, die digitale Welt nur als Hilfsmittel, nicht als Perspektive für den Umgang miteinander.

Der überdimensionale Terminkalender für das nächste Jahr, den (von links) Karin Magnus und die Vorstände Uli Jung und Andreas Materne vorzeigen, ist bereits gut gefüllt.

Weitere Informationen im Internet

In der neuen Werkstatt der Nature Community herrscht penible Ordnung. Stolz präsentiert Eva Spacková das Ergebnis ihrer Arbeit. Gemeinsam mit Leonard Odložilík hatte sie Struktur und System in das Sammelsurium an Werkzeugen und Arbeitsmaterial gebracht.
Für acht Wochen waren diese Workcamper aus fünf europäischen Ländern in der Nature Community zu Gast. Ende August verabschiedeten sie sich aus Schönsee.
Hintergrund:

Vision für Frieden, Freiheit und Vertrauen

Auf ihrer Homepage hat die Nature Community ihre Vision festgeschrieben, die sie im "Haus Hubertus" in Schönsee verfolgen. "Durch die Art unseres gemeinsamen Lebens leisten wir einen für uns bedeutsamen Beitrag für die Entwicklung zu einer Welt, auf der alle Wesen in Frieden, Vertrauen, Freiheit, Freude und Verbundenheit leben", heißt es da.

Erreicht werden soll das – so eine Aufzählung – durch gegenseitige Unterstützung und Solidarität, Vertrauen durch Transparenz und Ehrlichkeit, tiefe authentische Partnerschaften und Beziehungen, gemeinsame und individuelle Weiterentwicklung, gewaltfreie Kommunikation, eigene Versorgung durch Permakultur, eigenständige Energie- und Wasserversorgung, vegane Ernährung, internes geldfreies System, Regionalentwicklung und Solidarwirtschaft im Außenkontakt, Friedensarbeit, regionale und internationale Vernetzung sowie durch Willkommenskultur und Gastfreundschaft. (eib)

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