08.08.2021 - 13:14 Uhr
SchönseeOberpfalz

Pascher in Schönsee: Schmuggel, Liebe und Vertreibung

Die Pascherspiel-Premiere erfolgte dieses Jahr unter den Bedingungen der Pandemie. Gleichwohl war das Publikum von der authentischen Darbietung auf der Naturbühne fasziniert.

von Georg LangProfil

Nach der pandemiebedingten Pause im vergangenen Jahr durften heuer wieder die Pascher auf der Freilichtbühne am Eulenberg dem Schmuggel nachgehen. Die Zuschauerzahl war begrenzt, auf der Tribüne im Wald wurden Abstände eingehalten und der Hof des Bergweberhauses, traditionell Mittelpunkt bei der Bewirtung der Gäste, war abgesperrt. Dafür versorgten vor Spielbeginn und in der Pause Teams des Schönseer Paschervereins die Zuschauer an ihren Plätzen mit Köstlichkeiten aus der Küche und mit Getränken, während die vier Paschermusikanten unermüdlich fleißig aufspielten und Xaver Bayer mit Witzen und Gstanzln unterhielt.

Authentisches Umfeld

Viele Besucher erlebten die diesjährige Premiere von Martin Winklbauers Stück (Autor und Regisseur) zum ersten Mal, andere waren von früheren Aufführungen so begeistert, dass sie wieder auf den Eulenberg kamen, um die Inszenierung erneut zu sehen. Sie alle gaben der Spielleiterin Birgit Höcherl recht, die in ihrer Begrüßung auf die emotionale Betroffenheit blendete, die die Aufführung mit sich bringt: "Wir spielen ein Stück, das unter die Haut geht." Vergangenheitsbewältigung, aber auch Zukunftsperspektiven kommen in der Darbietung des eingespielten Teams zum Tragen.

Groß geschrieben werden Authentizität und Glaubwürdigkeit. Die aufgeführten Orte wie Domazlice, Plöß, Bügellohe und Wenzelsdorf liegen nicht weit vom Eulenberg entfernt. Der Zuschauer kann sich den unmittelbar an der Grenze befindlichen Spielort mit dem einsamen Bergweberanwesen gut als Umschlagplatz für den Schmuggel von Vieh und Schnupftabak vorstellen, während sich die „Finanzerer“ (Zöllner) im heute noch existierenden Jahrhunderte alten Grenzgasthof Gerstmeier in Friedrichshäng aufhalten, gut ausspioniert von den raffiniert agierenden Paschern.

Geburt im Gefängnis

Wanka, die tschechische Baldowerin (Magdalena Höcherl) steckt sie alle in den Sack, auch Adam (Herbert Spichtinger), in den sie sich verliebt und Fritz (Herbert Ried), den sie zurückweist. Am Schluss muss sie aber alleine den Kopf hinhalten, als der groß angelegte Schmuggelcoup durch Verrat auffliegt. Im Zuchthaus kommt ihr Kind zur Welt, dessen Vater Adam ist. Dieser Sohn ist der alte Franz Langmeister (Ludwig Zwick), der als Eigenbrötler alleine auf dem Einödhof lebt, auf dem das tschechische Mädchen Lucie aus Domazlice und ihr deutscher Freund Mike (Franz Dietl) auftauchen, um etwas über die Familiengeschichte zu erfahren. Am Schluss treffen sich also die zwei Handlungsstränge, denn Lucie ist die Urenkelin der Baldowerin Wanka. Der alte Franz Langmeister hat die Ähnlichkeit sofort erkannt und taut gegenüber dem wissbegierigen jungen Paar allmählich auf.

Seine Erzählungen geben aber auch das Leid der Vertreibung nach dem Zweiten Weltkrieg wieder. Eindrucksvoll schildert er die Nacht, als der gesamte Ort Wenzelsdorf in Flammen aufging und damit die Hoffnung auf eine Rückkehr von der Bügellohe, wo sich elf vertriebene Familien eine provisorische Existenz aufgebaut hatten, zunichte gemacht war. Wie Ludwig Zwick so spielten auch die anderen Akteure ihre spezifischen Rollen überzeugend aus. In der über weite Strecken ergreifenden Darbietung gelang dem Ensemble die Vermittlung von Leid und Freude, Schuld und Vergebung, aber immer wieder gewürzt mit einer Portion Humor, so dass das Premierenpublikum auf der Waldbühne einen beeindruckenden, kurzweiligen Theaterabend erleben durfte.

EU fördert der Pascher-Festspiele

Schwandorf

"Wir spielen ein Stück, das unter die Haut geht."

Spielleiterin Birgit Höcherl

Spielleiterin Birgit Höcherl

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.