14.01.2022 - 17:06 Uhr
SchönseeOberpfalz

Schwieriges Großprojekt schließt Ausbaulücke zwischen Schönsee und Gaisthal

Diese Straßenfreigabe erfolgt „ohne Blaskapelle und Leberkäse“, wie Regierungspräsident Axel Bartelt schmunzelnd und mit etwas Bedauern feststellt. Dabei hätte das Projekt durchaus etwas Tamtam vertragen.

Die offizielle Verkehrsfreigabe des neuen Straßenstücks der Staatstraße 2159 erfolgte am Freitag im Beisein des Regierungspräsidenten Axel Bartelt (ganz links) und des Landrats Thomas Ebeling (daneben), einiger Bürgermeister, Vertretern des Staatlichen Bauamts Amberg-Sulzbach und der ausführenden Firmen. Man traf sich zu den Ansprachen auf einem Stück der alten Staatsstraße. Die neue liegt weiter links.
von Thomas Dobler, M.A. Kontakt Profil

Doch die Umstände dieses offiziellen Aktes am Rande der neu ausgebauten Staatsstraße 2159 kurz vor Schönsee waren etwas ungewöhnlich – ganz abgesehen davon, dass bei Minus vier Grad sicher kein Blasmusiker gerne gespielt hätte. Die anwesenden Herren von Bezirksregierung, Staatlichen Bauamt und Baufirma hielten tapfer an der improvisierten Einweihungsstelle aus, bis mit wenigen Minuten Verspätung der Regierungspräsident vorfuhr. Er komme gerade in offizieller Funktion aus Karlsbad (Tschechien), erklärte Bartelt und schob nach, dass er auf keinen Fall diese Straßenfreigabe hätte verpassen wollen: „Auch, weil es meine letzte ist, bevor ich in zwei Wochen in Ruhestand gehe.“

Bartelt machte darauf aufmerksam, dass man den Zeitplan recht gut eingehalten habe, auch wenn witterungsbedingt der für Anfang Dezember 2021 geplante Einbau der abschließenden Asphaltdeckschicht nicht mehr erfolgen konnte. Der Verkehr fließt trotzdem schon seit einigen Wochen wird über die Wintermonate zunächst über die sogenannte Asphalttragschicht geführt. Er musste aus Verkehrssicherheitsgründen und in Abstimmung mit der Verkehrsbehörde und der Polizei auf 50 km/h beschränkt werden.

Als Vorbereitungen für die „Winterfreigabe“ wurden bis zum 16. Dezember vergangenen Jahres Schutzeinrichtungen angebracht und Restarbeiten durchgeführt. Ungesicherte Bereiche wurden über die Wintermonate mit Warnbaken abgestellt. Den Winterdienst stellt die zuständige Straßenmeisterei Neunburg v.W. sicher. Der neu hergestellte, straßenbegleitende Abschnitt des „Bayerisch-Böhmischen-Freundschaftsweges“ ist ebenfalls seit einem Monat durchgängig nutzbar.

Nochmals drei Wochen Sperrung nötig

Für den Abschluss der Bauarbeiten und das Aufbringen der abschließenden Asphaltdeckschicht muss die Staatsstraße 2159 zwischen Gaisthal und Schönsee im Frühjahr 2022 für rund drei Wochen erneut voll gesperrt werden.

Der Ausbau der Staatsstraße war als „dringlich“ in den staatlichen Plan ausgewiesen worden. Die Trasse zwischen Geisthal und Schönsee wird seit Ende 2018 auf einer Gesamtlänge von 2,7 Kilometern ausgebaut. Nach der Verlegung der Ascha im Herbst 2018 und 2019 und dem Neubau der Forellenbachbrücke in 2019, laufen die Hauptbaumaßnahmen an der Strecke seit Ende 2020 und unter Vollsperrung seit März 2021.

Die anspruchsvollen geologischen Verhältnisse, die umfangreiche Lockerungssprengungen an der gesamten Ausbaustrecke erforderten, dazu der Schneefall im April 2021 sowie nasse Sommermonate stellten das regionale Bauunternehmen und alle Beteiligten vor große Herausforderungen.

Im Rahmen des 8,3 Millionen Euro teuren Gesamtprojekts wurden insgesamt rund 130 000 Kubikmeter Fels- und Erdmassen bewegt. Der Fels konnte vor Ort aufbereitet und teilweise als Frostschutzschicht wieder eingebaut werden. Die Felssicherungsmaßnahmen an den teilweise bis zu 30 Meter hohen Einschnittsböschungen wurden von einer österreichischen Spezialfirma durchgeführt und schlagen mit rund einer Million Euro zu Buche.

Bartelt, der das Millionenprojekt zur „Chefsache“ gemacht hatte, dankte den Planern und den ausführenden Firmen für ihre gute Arbeit. Ähnlich äußerte sich Landrat Thomas Ebeling, der in seinen Dank den scheidenden Regierungspräsidenten für sein Engagement in dieser Angelegenheit miteinbezog. Der Schönseer Bürgermeister Reinhard Kreuzer sprach von einem „wichtigen Schritt für die Infrastruktur“ und erinnerte daran, dass die Diskussion um den Ausbau schon 25 Jahre alt sei. Manfred Dirscherl, der Bürgermeister der Gemeinde Weiding, stieß in das gleiche Horn: „Auf diese Straße haben wir lange gewartet.“

Für das Staatliche Bauamt Amberg-Sulzbach, das für die Großmaßnahme zuständig war, sprachen Amtsleiter Roman Beer und Tobias Bäumler, der Bereichsleiter Straßenbau. „Wir haben eine Ausbaulücke geschlossen,“ betonte Bäumler. Nachdem weder Blaskapelle noch Leberkäse organisiert wurden, ließ der Regierungspräsident eine als Geschenk verpackte Magnumflasche Weißbier aus dem Dienstwagen holen. Ob sie geöffnet wurde oder das Ganze nur als Spaß zu sehen war, muss offen bleiben.

Staatsstraßenbaustelle hatte 2021 mit Wetterkapriolen zu kämpfen.

Schönsee
Das neue Stück der Staatsstraße 2159, hier bei der Abzweigung nach Weiding, wurde im Verlauf von 45 Monaten für über acht Millionen Euro hergestellt.
Hintergrund:

Daten zum Bau

  • Der Ausbau der 2,7 Kilometer langen Trasse zwischen Gaisthal und Schönsee (Abschnitt Rosenhof-Muggenthal) startete im Jahr 2018.
  • Eine Vollsperrung mit Umleitung war ab Anfang März 2021 eingerichtet.
  • Die „Winterfreigabe“ der Strecke erfolgte am 17. Dezember 2021
  • Die Baumaßnahme ist mit rund 8,7 Millionen Euro veranschlagt.

"Der Ausbau der Staatsstraße 2159 ist ein wichtiger Schritt für die Infrastruktur“

Reinhard Kreuzer, Bürgermeister von Schönsee

Reinhard Kreuzer, Bürgermeister von Schönsee

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