20.06.2021 - 11:47 Uhr
SchönseeOberpfalz

Sommerausstellung im CeBB in Schönsee: Wie sich Künstler mit Corona auseinandersetzen

Kreativität trotz dem Lockdown: Den Frust über die Pandemie kompensierten bayerische und tschechische Karikaturisten mit hintersinnigen, auch bitterbösen Werken. Einen Einblick in die Ateliers gibt die CeBB-Sommerausstellung in Schönsee.

Die verschiedenen Zeichnungen und Motive sind auf Fäden geheftet und am Boden verteilt. Die Sommerausstellung „Corona | Korona. Die Pandemie in Karikaturen“ im Centrum Bavaria Bohemia ist eröffnet.
von Hans EibauerProfil

Impulsgeber für die dreimonatige Sommerausstellung mit dem Titel „Corona | Korona. Die Pandemie in Karikaturen“ im Centrum Bavaria Bohemia (CeBB) war der Pilsner Künstler und Brückenbauer-Preisträger Vladimír Líbal. Er zeichnet seine Karikaturen zuerst schwarzweiß mit Bleistift und coloriert sie dann digital.

„Es war schon eine verdammt lange Zeit, die ich allein in meinem Haus in einem Dorf bei Pilsen, ohne persönliche Kontakte, darben musste", erinnerte er sich. "Manchmal fiel mir zwei Wochen nichts ein, was ich zu Papier bringen konnte. Dann gab es Tage, an denen es richtig aus mir heraussprudelte und es entstanden Zeichnungen, die bissig die Pandemie kommentieren. " Dass einige den Nerv des Publikums richtig trafen, habe sich an den Likes und positiven Kommentaren auf seiner Facebook-Seite gezeigt, auf die er seine Zeichnungen öffentlich machte.

Eine lockere Atmosphäre herrschte bei der Eröffnung. Eine gut gelaunte Gabi Dlubal, zweite Vorsitzende des CeBB-Trägervereins Bavaria Bohemia, hieß entspannte Gäste willkommen, die nach einem dreiviertel Jahr Corona-Zwangspause endlich wieder eine Veranstaltung im CeBB genießen konnten. Im Publikum waren Einheimische, Sponsoren, von weiter angereiste Kunstinteressierte, Regionalmanager und Regierungsvertreter guter Dinge. Zwei Regensburger Karikaturisten gaben der Vernissage den musikalischen Background.

„Wenn gar nichts hilft, dann hilft Humor“ meinte CeBB-Leiterin Veronika Hofinger zur Wahl des Kunstgenres für die diesjährige Sommerausstellung. Für den finanziellen Rückhalt sorgen der Deutsch-Tschechische Zukunftsfonds, der Landkreis Schwandorf sowie die Partner vom Kreativzentrum "DEPO2015" in Pilsen, die dann im Herbst die Ausstellung übernehmen werden.

„Sehr hohes Niveau“ bescheinigte der Programmdirektor der Pilsner Einrichtung, Jan Štěpán, den Arbeiten der 29 Künstler, die sich überraschend schnell und in nicht erwarteter Zahl beim CeBB meldeten. Darunter auch das Regensburger Künstlerduo Klaus Schwarzfischer (Texte) und Andreas Hanauer (Zeichnungen), die sich bei ihrer Vorstellung als nach Regensburg verschlagene geborene Bayerwälder outeten und sich auch noch als bayerische Mundartrocker unter dem Bandnahmen „Schwafi und die Spackos“ entpuppten.

In Interviewform gekleidet lockte CeBB-Leiterin Veronika Hofinger nach den Begrüßungsworten aus den anwesenden Künstlern ihre Beweg- und Hintergründe heraus. Nachdenklich den Kopf wiegend meinte Vladimír Líbal, „als erstes war ich echt sauer, dass so viele Menschen in der Pandemie ihr Leben lassen mussten. Da hat sich unsere tschechische Regierung viel Schuld aufgeladen." Zweitens wolle er mit seinen Karikaturen niemand beleidigen. "Corona ist scheiße", brachte es Texter Klaus Schwarzfischer auf den Punkt.

Auf die Frage der Wahrnehmung der Pandemie im Nachbarland meinte Andreas Hanauer: „Die nackten Corona-Zahlen in Tschechien bekam ich über die Presse oberflächlich mit." Der genaue Blick jedoch habe ihn nicht interessiert. "Da bin ich noch geprägt von der Kindheit." Er sei in Grenznähe mit dem Eisernem Vorhang aufgewachsen. "Was auf der anderen Seite los war, durfte uns nicht interessieren“. Dass dies anders wird, daran arbeiten der Verein Bavaria Bohemia und das CeBB seit 2006 intensiv.

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Schwarzach
Inspirator der Ausstellung ist Vladimír Líbal (rechts), Pilsner Karikaturist und Zeichner. Das Bild zeigt ihn zusammen mit seinen Regensburger Künstlerkollegen (von links) Andreas Hanauer und Klaus Schwarzfischer.

"Manchmal fiel mir zwei Wochen nichts ein, was ich zu Papier bringen konnte. Dann gab es Tage, an denen es richtig aus mir heraussprudelte und es entstanden Zeichnungen, die bissig die Pandemie kommentieren."

Künstler Vladimír Líbal aus Pilsen

 

 

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