20.03.2019 - 13:38 Uhr
SchönseeOberpfalz

Turnhalle fit machen

Chancen für die Stadtentwicklung nutzen und dabei Fördertöpfe anzapfen: Ein Programm stellt 90 Prozent für die Sanierung der Turnhalle Schönsee in Aussicht. Doch die Bürgermeisterin erhielt nicht nur Lob von den Stadträten.

Die Sanierung der Turnhalle in Schönsee könnte mit einem Förderprogramm verwirklicht werden. Der Antrag ist gestellt; nun heißt es abzuwarten, ob die Maßnahme zum Zuge kommt.
von Gertraud Portner Kontakt Profil

Die öffentliche Sitzung des Stadtrates begann am Dienstagabend so wie sie endete - mit einer hitzigen Debatte. Vor Einstieg in die Tagesordnung monierte Josef Eibauer, dass eine abgesagte Sitzung dazu geführt habe, dass nun gleich 20 Punkte abzuarbeiten seien. Darauf könne er sich innerhalb einer Woche nicht intensiv vorbereiten. Bürgermeisterin Birgit Höcherl stellte die Beweggründe klar und überraschte das Gremium mit einem Förderprogramm, über welches die Regierung am 1. Februar informiert habe. Das Interessante daran: Der Investitionspakt "Soziale Integration im Quartier" (siehe Kasten) hält einen Zuschuss von 90 Prozent bereit.

Sportliche Abgabefrist

"Wir dachten gleich an die Schule, aber auch an die Turnhalle", informierte Höcherl. Die Schule sei in der Förderinitiative "Innen statt Außen" mit 80 Prozent Förderung angemeldet. Bei der Besprechung in Regensburg am 7. März habe sich dann aber herausgestellt, dass die Turnhalle mehr Chancen habe. "Wir hatten noch kein Konzept und haben alle Kräfte gebündelt, um die Abgabefrist am 15. März zu schaffen", berichtete die Bürgermeisterin. Ihr Lob galt Architekten Christian Schönberger, der die Unterlagen innerhalb nur einer Woche zusammengestellt hatte.

Dieser präsentierte den Stadträten dann das Konzept "Mehrgenerationen-Aktivtreff in der ehemaligen Volksschulturnhalle". Als "Quartier", welches sozial aufgewertet werden soll, wurde die Altstadt Schönsee mit Leerstand, demografischer Entwicklung und Wegzügen definiert. Das Thema laute "Überalterung". Der Belegungsplan der Turnhalle sieht Sport, Jugend und Senioren vor. Schönberger hatte auch bereits eine relativ detaillierte Kostenberechnung dabei und stellte diese den Räten vor. Die Maßnahmen: Dachsanierung, neue Fenster, Sonnenschutz, Glasbausteine-Ausbau, Dämmung der Fassade, Brandschutz, technischer Ausbau, Böden, Elektroinstallation, Innentüren, Malerarbeiten, Prallwand, ballsichere Decke und Außenbereich. Für eine Umsetzung in 2020 sind 1,487 Millionen Euro angesetzt. "Wir haben dies so eingereicht, um eine Chance auf 90 Prozent Förderung zu haben", betonte der Architekt. "Es ist einen Versuch wert", sagte Birgit Höcherl und empfahl den Räten zuzustimmen. Zweiter Bürgermeister Josef Irlbacher lobte das schnelle Handeln: "Es wäre wünschenswert, da wir die Sanierung schon lange im Blick haben."

Nur Grundsatzbeschluss

Die Bürgermeisterin erntete allerdings nicht nur Lob, sondern auch eine Schelte für ihr Engagement. Vier Stadträte kritisierten, dass der Förderantrag ohne ihr Wissen gestellt wurde und sie bis zur Sitzung keine Unterlagen dazu hatten. "Ich finde es gut, aber wir hätten am 19. Februar eine Sitzung mit Möglichkeit zur Information gehabt", sagte Josef Eibauer und fügte an: "Ich kann schwer über 1,5 Millionen Euro abstimmen, nachdem ich fünf Minuten davon weiß." Auch Reinhard Kreuzer sah es "als nicht praktikabel an, dass wir erst informiert werden, nachdem die Sache eingereicht ist". Thomas Schiller monierte, dass er sich vor einer Abstimmung in das Thema einlesen möchte. "Wir wissen erst seit dem 7. März, dass wir die Schule nicht melden können. Außerdem geht es nur um einen Grundsatzbeschluss", stellte Birgit Höcherl klar. Der Geschäftsleiter hatte Urlaub und das Konzept sei erst am Freitag fertig gewesen. Im übrigen werde die detaillierte Planung später besprochen. Einer Kritik von Kreuzer zur Informationskultur in den vergangenen fünf Jahren, begegnete die Bürgermeisterin mit den Worten: "Das ist eine Frechheit. Das Wahljahr 2020 lässt grüßen!"

Josef Fleißer stellte fest: "Wir wollten schon lange energetisch sanieren" und Christian Weinfurtner meinte: "Wir können nichts falsch machen, denn zehn Prozent können wir uns leisten." Michael Ebnet stellte klar, dass die Verwaltung am Limit arbeite. Außerdem müsse man schnell sein, wenn der Freistaat Bayern Geld aus gut gefüllten Kassen verteile. Das wurde nach der Diskussion dann auch so gesehen, und der Stadtrat nahm mit einer Gegenstimme vom Förderantrag Kenntnis. Ein weiterer Bericht zur Sitzung folgt.

Förderprogramm:

Soziale Integration im Quartier

Das Bundesbauministerium hat das Förderprogramm „Investitionspakt Soziale Integration im Quartier“ gemeinsam mit den Ländern aufgelegt. Mit 90 Prozent gefördert werden bauliche Maßnahmen zum Erhalt und zum Ausbau von sozialen Infrastruktureinrichtungen im Wohnumfeld. Es sollen Räume für Bildung und Begegnung geschaffen werden, um vor Ort die Teilhabe und Integration aller Menschen zu ermöglichen. Der Investitionspakt wird vor allem in den Programmgebieten der Städtebauförderung eingesetzt.

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