07.04.2021 - 15:27 Uhr
SchönseeOberpfalz

Windelkontrolle am Bienenstock: Paten kümmern sich um Jungimker

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Ein Wintervolk in ein Sommer-Bienenvolk zu verwandeln, ist eine Kunst. Die 15 Jungimker des Imkervereins Schönsee und Umgebung werden im Corona-Lockdown nicht alleine gelassen. Aktuell droht beim April-Schnee, dass ganze Völker verhungern.

Frühjahrsnachschau zum Zustand des Bienenvolkes: Fachwart Michael Völkl (links) hat Tipps für Jungimker Alexander Greber parat.
von Gertraud Portner Kontakt Profil

Gleich vorneweg: Als Windelkontrolle bezeichnet man den Teil der Frühjahrsnachschau am Bienenstock, bei dem es um die Feststellung eines eventuellen Milbenbefalls geht. Dafür werden ein paar Tage vorher „Windeln“ (Varroaboden) ins Volk eingeschoben. Als Alternative im Herbst gibt es die „Puderzuckermethode“. Schon dieses Beispiel zeigt, wie vielschichtig das Hobby Imkern im Jahreslauf ist.

Der Imkerverein Schönsee und Umgebung trifft sich normalerweise alle 14 Tage zur Praxisbesprechung (Stammtisch); einmal im Monat gibt es einen Fachvortrag zur Auffrischung der Theorie. „Wir haben 15 Jungimker am Laufen. Wenn man nichts macht, sind die Jungen weg“, sagt Vorsitzender Michael Völkl aus Pirk. Der Kreisvorsitzende und Bienenfachwart lässt den Nachwuchs deshalb auch in der Corona-Pandemie nicht alleine und bietet die Vorträge online an. Zudem kümmert er sich zusammen mit erfahrenen Imkern aus dem Verein vor Ort darum, dass die Arbeiten am Bienenstock gut laufen.

Imkerverein Schönsee und Umgebung ist erfolgreich beim "Imkern auf Probe"

Schönsee

"Wir haben 15 Jungimker am Laufen. Wenn man nichts macht, sind die Jungen weg."

Vorsitzender Michael Völkl setzt auf digitale Fachvorträge sowie die Betreuung vor Ort mit Imkerpaten

Vorsitzender Michael Völkl setzt auf digitale Fachvorträge sowie die Betreuung vor Ort mit Imkerpaten

Völker beurteilen

Die Imkerpaten beantworten Fragen und helfen beispielsweise dabei, wenn es im März/April darum geht, die Stärke und den Sitz der Völker zu beurteilen. Die Jungimker werden eingewiesen, wie sie am besten überflüssiges Winterfutter entfernen und den Honigraum aufsetzen. Die Bienen fangen bei 12 Grad Celsius zu fliegen an. Nach dem Auflösen der Wintertraube müssen sie die Temperatur von 36 Grad halten, was aktuell in den kalten Apriltagen nicht leicht ist. „Der Wintereinbruch ist für die Bienen eine große Herausforderung, da gerade das Brutnest größer wird und sie auch mehr Futter benötigen und dazu die Wärme erzeugen müssen, damit die Brut nicht verkühlt“, berichtet Michael Völkl im Gespräch mit der Oberpfalz-Medien-Redaktion. Es seien zwar gerade die Weiden am Blühen, die den Blütenstaub für die Bienen abgeben, „aber leider ist es durch das Wetter nicht möglich, diesen für das Brutgeschäft richtig zu nutzen“.

Praktische Hilfe

Als er bei den beiden Jungimkern Alex Fink (Oberviechtach) und Alexander Greber (Pullenried) vorbeischaut, achtet er deshalb besonders auf die Kontrolle der Futtervorräte, damit die Völker nicht verhungern. "Ein Wintervolk in ein Sommer-Bienenvolk zu verwandeln, ist eine große Kunst", betont der engagierte Kreisvorsitzende. Er spricht den Reinigungsflug an den ersten warmen Tagen an, sowie auch den Fall, wenn kein Leben im Stock ist. Michael Völkl freut sich, dass die Nachwuchsgewinnung im Schönseer Verein gut läuft, auch wenn es mit den Corona-Beschränkungen gerade nicht einfach ist.

Wenn es das Wetter wieder möglich macht, führen die Imkerpaten eine Nachschau durch. Der Raum wird an die Volksstärke angepasst und die Völker auf ihre Weiselrichtigkeit (Königin) geprüft. Für die Drohnenaufzucht wird ein Leer-Rähmchen am Rand des Brutnestes platziert. Wenn der Bautrieb bei den Bienen erwacht, wird dieses ausgebaut und von der Königin bestiftet. Nach zwei Jahren "Imkern auf Probe" rückt der Nachwuchs schon zu den Profis im Verein auf.

Kindergarten Pullenried besucht Imker Michael Völkl und seine Bienen

Mit Schutzanzug: Jungimker Alex Fink aus Oberviechtach schaut nach, ob seine Bienenvölker gut durch den Winter gekommen sind.
Hintergrund:

Imkerverein Schönsee und Umgebung

  • Der Verein hat 45 Mitglieder. 38 aktive Imker betreuen rund 300 Bienenvölker.
  • 15 Jungimker sind gemeldet. Nach zwei Jahren "Imkern auf Probe" können sie zu den Profis wechseln.
  • Das Durchschnittsalter im Verein verjüngt sich seit einiger Zeit und nähert sich auf 40 Jahre.
  • Es gibt Sammelbestellungen für Artikel, welche für die Bienenzucht notwendig sind.

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