07.04.2021 - 16:21 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Abzocke eines Verliebten: Haftbefehl am zweiten Prozesstag

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Sie war schon zum ersten Prozesstag mit reichlicher Verspätung erschienen. Jetzt, zur Fortsetzung der Auseinandersetzung um eine für Schlagzeilen sorgende Betrugsserie, gab es keinerlei Spur von der 23-Jährigen. Die Folge: ein Haftbefehl.

von Autor HWOProfil

Am Schwandorfer Schöffengericht warteten acht Prozessbeteiligte einschließlich der Richterin Petra Froschauer vergebens auf eine der beiden Angeklagten. Die Vorsitzende unternahm daraufhin mehrere Versuche, die 23-Jährige telefonisch zu erreichen. Als das nicht gelang, setzte sie Neunburger Polizisten in Marsch, um am Wohnort der Beschuldigten eine Suche in Gang zu bringen. Doch auch diese Maßnahme schlug fehl. Nun wird die Frau mit einer Haftanordnung gesucht. Sollte sie festgenommen werden, kann der Prozess in der kommenden Woche fortgesetzt werden. Wenn nicht, müsste der Prozess von vorn beginnen.

Die Angebetete war ihm lieb und teuer

Schwandorf

Das Verfahren ist außergewöhnlich. Die 23-Jährige und ihre um ein Jahr jüngere Freundin stehen im Verdacht, im Zeitraum von zwölf Monaten einen damals 45 Jahre alten Mann aus Schwandorf um 76 000 Euro gebracht zu haben. Wie das vonstatten ging, hat Staatsanwältin Jasmin Hertel in einer langen Anklageschrift aufgelistet.

Darlehen aufgenommen

Die den beiden Angeklagten angelastete Abzocke trägt den Stempel der Unglaublichkeit. Der 45-Jährige hatte sich im Jahr 2016 in eine wesentlich jüngere Frau verliebt, die auch zum Bekanntenkreis der beiden Beschuldigten zählte. Sie selbst wollte von den Annäherungsversuchen nichts wissen und zog sich zurück. Dabei blieb ihr offenbar verborgen, was ihre Freundinnen mit dem 45-Jährigen anstellten.

Die beiden jungen Frauen gaukelten dem zahlungswilligen Schwandorfer vor, seine Angebetete brauche dringend Geld und erfanden dazu eine Vielzahl von Situationen. Daraufhin holte der Mann Bares von seinem Konto, überzog es und ließ sich auch noch Darlehen geben, als ihm immer wieder neue Wünsche vorgetragen wurden. Bereits am ersten Prozesstag hatte sich herausgestellt: Der Mann gab nahezu regelmäßig teilweise hohe Summen heraus und glaubte an die Notlagen der von ihm verehrten jungen Dame. Die aber hatte keine Ahnung, zu welchen Zwecken sie von den Freundinnen missbraucht wurde.

Mit Abwesenheit geglänzt

Haupttäterin soll eine heute 22-Jährige gewesen sein. Sie hatte bereits am ersten Verhandlungstag ihre Beteiligung zugegeben. Allerdings geschah dies unter der Eingrenzung, die kassierten und dann auch verbrauchten Geldbeträge hätten sich "auf höchstens 20 000 Euro" summiert. Nun, beim Fortsetzungstermin, hätte sich ihre mutmaßliche Komplizin äußern sollen.

Doch sie erschien nicht. Die 23-Jährige spielte offenbar in dem kriminellen Gefüge nur eine untergeordnete Rolle. Zumindest entsprach diese Vermutung dem Aufklärungsstand nach der ersten Verfahrensrunde.

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