20.01.2019 - 09:37 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Amsel und Fink als Sorgenkinder

Auch wenn es am Futterhäuschen hoch hergeht: Grünfink oder Amsel sind weniger häufig als noch vor Jahren. Die Auswertung der "Stunde der Wintervögel" hat sich deshalb auch LBV-Vorsitzender Zeno Bäumler genau angeschaut.

Grünfinken sind ein Sorgenkind: Bei der Stunde der Wintervögel war ihre Zahl nochmal niedriger als vor einem Jahr.
von Clemens Hösamer Kontakt Profil

Im Landkreis Schwandorf machten 185 Teilnehmer mit und zählten in 152 Gärten knapp 6300 Vögel aus 48 Arten. "Die Zahl der Amseln ist wieder zurückgegangen", sagte Bäumler den Oberpfalz-Medien. Zwar waren diese Singvögel in rund 80 Prozent der Gärten präsent, die Zahl der Individuen pro Zählstandort ist aber etwas gesunken. In anderen Regionen Deutschlands werden Amseln durch einen Virus dezimiert, bei uns seien aber noch keine Fälle bekannt, sagte der LBV-Vorsitzende. Der Grund für den Rückgang könnte laut Bäumler der heiße Sommer gewesen sein: "Während der Brut war der Boden steinhart, da waren wenig Würmer zu finden." Die Amsel ist nur noch auf Platz 6 der gezählten Wintervögel zu finden. Schon seit mehreren Jahren ist auch der Grünfink (Grünling) ein Sorgenkind der Vogelschützer. 2018 wurden im Landkreis statistisch noch 2,6 Vögel pro Garten gezählt, in diesem Jahr noch 2.

Während bayernweit der Haussperling (Spatz) in diesem Jahr der am häufigsten gezählte Vogel war, trugen die Vogelfreunde im Landkreis für den Feldsperling die höchsten Zahlen (1251 Vögel insgesamt, 8,2 Tiere pro Garten) in ihre Listen ein. Die Kohlmeise liegt mit einem Schnitt 6,6 Vögeln pro Garten (999 Individuen) auf Platz zwei vor dem Spatz (905 Tiere, 6 Vögel pro Garten). Zum Vergleich: Im Jahr 2010 wurden bei der "Stunde der Wintervögel" im Landkreis noch über 12 Spatzen je Garten gezählt, über 11 Feldsperlinge und etwa 10 Grünfinken. Amseln gab's noch 5 pro Garten.

Weil die Teilnehmerzahlen an der "Wintervögel-Aktion" stark schwanken, kann man sinnvollerweise nur die Durchschnittszahlen pro Garten vergleichen. Das relativ warme Wetter am Zählwochenende spiele für die Ergebnisse eine Rolle, meinte Bäumler im Gespräch. Es lag in weiten Teilen des Landkreises noch kein Schnee, da sind viele Vögel außerhalb der Ansiedlungen unterwegs. Insoweit sind kurzfristige Vergleiche schwierig. Auf lange Sicht lassen sich aber Trends erkennen.

"Monitoring" wichtig

Das "Monitoring", also die Zählung von Brutpaaren oder Einzelvögeln, gehöre zu den regelmäßigen Aufgaben der Kreisgruppe des Landesbunds für Vogelschutz, erläuterte Bäumler. Auch in den Schutzgebieten wie am Hirtlohweiher zwischen Schwandorf und Steinberg am See oder im Charlottenhofer Weihergebiet beobachten die Aktiven die Population. Nur so kann die Entwicklung der Vogelfauna über lange Sicht überprüft und festgestellt werden, wenn es Veränderungen gibt.

Die aktuell gemeldeten Zahlen der Wintervögel bewegen sich laut Bäumler "im üblichen Bereich", mit einem Ausreißer: Deutlich mehr Erlenzeisige (3 pro Garten, über dreimal mehr als vor einem Jahr) als sonst sind den Teilnehmern aufgefallen. Die Vogelart lebt im Sommer im Norden, hat aber offenbar ein sehr erfolgreiches Brutjahr hinter sich und ist deshalb auf Nahrungssuche auch weiter nach Süden gezogen.

Auch wenn im Vergleich zum vergangenen Jahr keine drastischen Veränderungen zu sehen sind: Auf lange Sicht sei doch ein deutlicher Trend zu erkennen, bestätigte Bäumler: "Insgesamt gibt es ganz klar einen deutlichen Rückgang über die vergangenen Jahre". Dafür macht der LBV-Vorsitzende mehrere Gründe aus: "Die Landschaft wird immer mehr ausgeräumt." Große, freie Felder ohne Hecken oder Wegraine sind für die Vögel verlorener Lebensraum: "Sie bieten keine Deckung vor Greifern." Außerdem schwindet das Nahrungsangebot. Auf komplett gemulchten oder abgemähten Weg- und Straßenrändern bleibt kein Samenstand mehr stehen, Insekten, ihre Larven oder Puppen werden beim zu häufigen Maschineneinsatz gleich mit zerhäckselt. Der "allseits beklagte Rückgang" der Insekten wirke sich auf die Vogelpopulation aus. "Die Vögel sind ein Zeiger dafür", sagt Bäumler. Denn auch die Arten, die sich normalerweise von Körnern und Sämereien ernähren, brauchen zur Aufzucht der Küken in der warmen Jahreszeit das Eiweiß aus der Insektennahrung. Auch deshalb unterstützt der LBV das laufende Volksbegehren "Rettet die Bienen".

Hecken pflanzen

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Was kann der Einzelne tun, um den Vögeln Gutes zu tun? "Hecken pflanzen. Weißdorn, Schlehe, wilde Rose", sagte Bäumler, die Dornenhecken wären ideale Brutquartiere für viele Vögel, weil sie Schutz vor Greifern bieten. Sträucher und Wiesen, die Insekten als Lebensraum dienen, helfen den Vögeln ebenso wie Nistkästen aufzuhängen oder auch die ganzjährige Fütterung. "Die macht nichts kaputt, es gibt auch im Sommer oft zu wenig Nahrung", bestätigte Bäumler.

Der Kreisvorsitzende des LBV, Zeno Bäumler.
Ergebnisse im Netz:

Die Wintervögel

Die „Stunde der Wintervögel“ des Landesbunds für Vogelschutz und des NABU lief vom 5. bis 7. Januar, Meldungen waren bis 15. Januar möglich. Jetzt liegen die Auswertungen vor. Bundesweit nahmen rund 106 000 Vogelfreunde teil, in Bayern über 22 800. Im Freistaat wurden gut 627 400 Vögel aus 140 Arten vom Spatz bis zur Krickente gezählt. Die genauen Ergebnisse für alle Landkreise sind im Netz unter der Adresse www.stunde-der-wintervoegel.de abrufbar.

LBV Kreisgruppe:

Regelmäßige Treffen

Die LBV-Kreisgruppe mit ihren 430 Mitgliedern bietet regelmäßig Projekte zum Vogelschutz, kümmert sich um Fledermäuse, bietet spannende Vorträge und Exkursionen. „Wer mitmachen will, ist bei uns immer willkommen,“ wirbt Zeno Bäumler für die Organisation. Die Langwiedteiche bei Diendorf gehören dem Verein, ebenso Weiher bei Charlottenhof. Auch um das Lindauer Quellmoor bei Schönsee und Flächen bei Dieterskirchen kümmert sich der LBV unter anderem. Die Kreisgruppe trifft sich einmal im Monat, meist im Gasthaus Hauser in Holzhaus bei Schwandorf. Nächster Termin ist am 1. Februar um 20 Uhr. Dann hält Insektenkundler Manfred Ströhle einen Vortrag über Landschaft und Tierwelt Äthiopiens.

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