23.09.2021 - 11:13 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Amtsgericht Schwandorf: "Schuldnerbuch" belastet weiteren Dealer

Die "Buchführung" einer Rauschgift-Händlerin aus Schwandorf dreht weiter ihre Runden durch Gerichtsakten. Bei der Verurteilung eines 26-Jährigen wegen Handels mit Crystal spielt es eine wesentliche Rolle.

10 Gramm Crystal hat ein 26-Jähriger einer mutmaßlichen Dealerin verkauft. Dafür verurteilte ihn das Schöffengericht am Amtsgericht Schwandorf zu einer Haftstrafe.
von Clemens Hösamer Kontakt Profil

Die mehr oder minder uncodierte "Buchführung" einer Drogenhändlerin aus Schwandorf brachte einen 26-jährigen Handwerker vor Gericht: Er musste sich am Mittwoch wegen Handels mit Crystal in nicht geringer Menge verantworten. Nicht zum ersten Mal.

Anfang vergangenen Jahres hat er einer Schwandorferin, die als Dealerin gilt, 10 Gramm Crystal verkauft, warf Staatsanwältin Vanessa Merl dem jungen Mann vor. Außerdem wurde er weitere Male mit geringen Mengen der Droge erwischt, und er soll auch weitere, kleinere Dosen selbst verkauft haben. Vorwürfe, die – wenn bewiesen – angesichts der Mengen an Rauschgift von Gerichten regelmäßig mit Haftstrafen geahndet werden. Der Handwerker ist wegen seiner Abhängigkeit in einer geschlossenen Entziehungsanstalt untergebracht, Polizeibeamte brachten ihn vor das Schöffengericht unter Vorsitz von Richter Peter Jung. Der stellvertretende Chef des Schwandorfer Amtsgerichts baute dem 26-Jährigen eine Goldene Brücke: Unmissverständlich machte er klar, dass ein Geständnis dazu führen könnte, dass der 26-Jährige nach seiner Therapie nicht noch ins Gefängnis muss.

Erdrückende Beweise

Denn die Unterbringung in der Entziehungsanstalt ist die Folge eines Urteils aus dem Mai dieses Jahres. Schon dabei ging es um Rauschgifthandel, rund 45 Gramm Crystal hatte der 26-Jährigen einer Dealerin beschafft. Die Ermittlungen zu den nun angeklagten Fällen waren im Mai noch nicht erledigt, deshalb das zweite Verfahren. Weitere rund 30 Fälle hat die Staatsanwaltschaft ohnehin eingestellt – wohl auch, weil sich der 26-Jährige kooperativ zeigte und sie angesichts der angeklagten Verbrechen – ein solches ist der Handel mit Rauschgift in "nicht geringer Menge" von mehr als fünf Gramm – nicht ins Gewicht fallen.

Die Beweise waren nach Aktenlage erdrückend. "Ich weiß nicht, wie sie da raukommen wollen", sagte Jung zu dem Handwerker. Der legte schließlich ein volles Geständnis ab, nachdem ihm auch sein Pflichtverteidiger Heinz Ettl eindringlichst dazu geraten hatte.

Eine wesentliche Rolle bei den Ermittlungen hatte das "Schuldnerbuch" gespielt, das bei einer Hausdurchsuchung bei einer Schwandorfer Dealerin gefunden wurde. Außerdem wurden eindeutige Chat-Nachrichten entdeckt. Im "Schuldnerbuch" taucht der leicht verkürzte Vorname des 26-Jährigen auf, dazu Datum, Uhrzeit der Übergabe und der Preis für 10 Gramm Crystal – 600 Euro. Weiterverkauft wurde das Rauschgift – auch in einer Wohnung in der Schwandorfer Altstadt – für 100 Euro pro Gramm. Über Chatverkehr und das entsprechende Handy stießen die Ermittler auf den 26-Jährigen, wie ein Kriminalbeamter als Zeuge erläuterte.

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Weiter in Therapie

Das Geständnis öffnete schließlich die Chance, die Richter Jung dem Angeklagten erläutert hatte: Das Schöffengericht verurteilte den Handwerker zu einer Haftstrafe von zwei Jahren und zehn Monaten, bezog damit das zurückliegende Urteil (zwei Jahre drei Monate) ein. Die Unterbringung in der Entziehungsanstalt bleibt aufrecht erhalten. 900 Euro "Wertersatz" muss der Handwerker bezahlen - das entspricht seinem Gewinn aus den jetzt abgeurteilten Drogengeschäften. Das Geld hatte der 26-Jährige offenbar gleich wieder für seinen eigenen Crystal-Konsum ausgegeben. Das Gericht ging bei dem Handel mit 10 Gramm Crystal von einem minderschweren Fall aus. Ohne Geständnis wäre die Strafe wohl deutlich höher ausgefallen.

Wenn der Handwerker die nun verlängerte Therapie durchsteht, muss er danach wohl nicht ins Gefängnis, sondern eine mögliche Reststrafe würde zur Bewährung ausgesetzt. "Das liegt aber jetzt an Ihnen", sagte Jung. Staatsanwältin Vanessa Merl hatte auf drei Jahre Haft plädiert, Verteidiger Heinz Ettl auf zwei Jahre neun Monate. Sein Mandant, so Ettl, wolle reinen Tisch machen, und sich nach der Therapie um seinen Nachwuchs kümmern. Vor zweieinhalb Monaten wurde der 26-Jährige Vater eines kleinen Sohnes.

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