15.04.2021 - 11:31 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Angriff auf Schwandorf am 17. April 1945: Das Inferno dauert 15 Minuten

76 Jahre ist es her, dass ein Bombenangriff der Alliierten am 17. April 1945 weite Teile der Großen Kreisstadt zerstört hat. Besonders die Viertel rund um den Bahnhof wurden schwer getroffen.

Ein Blick in die Vogelstraße, einige Tage nach dem Bombenbangriff vom 17. April 1945. Im Hintergrund sind die Kamine der zerstörten Tonwarenfabrik zu erkennen.
von Clemens Hösamer Kontakt Profil

Die Bomberverbände tauchten mitten in der Nacht auf. Um 3.52 Uhr heulten die Sirenen. Wenig später begann das Inferno. 633 Tonnen Bomben fallen auf die Stadt, die bis dahin von Zerstörung weitgehend verschont geblieben war. 15 Minuten dauerte der Angriff, der mindestens 1250 Menschen das Leben kostete – darunter neben Einheimischen viele Flüchtlinge, Verletzte in Lazarettzügen am Bahnhof. Das Bild der Stadt änderte sich für immer.

Stadtpfarrer Alois Wild schrieb 1950: "Zwischen dem 17. April und 23. Mai wurden 1200 Tote begraben". Der 2015 verstorbene Josef Deml hatte als Kind den Bombenangriff im Keller seines Elternhauses an der Vogelstraße überlebt. 2005 schilderte er im Gespräch mit den Oberpfalz-Medien seine Erinnerungen. Sechs Menschen fanden in dem Keller des zerstörten Hauses den Tod, darunter Demls Großvater. Seine Mutter wurde schwer verletzt.

Schutz in Felsenkellern

Erst über zwölf Stunden nach dem Angriff befreiten Verwandte aus Alberndorf die Überlebenden. Die Bilder, die der damals neunjährige Deml erblickte, prägten sich für sein Leben ein: "Es ist nichts mehr gestanden. Überall lagen Leichenteile. Die Toten waren fürchterlich verstümmelt". Vor dem Angriff zählte die Stadt 1361 Gebäude mit 2758 Wohnungen. 971 Gebäude wurden bei dem Angriff in Mitleidenschaft gezogen. Die Kirche auf dem Kreuzberg wurde zerstört, die evangelische Erlöserkirche lag in Trümmern. Die Felsenkeller, heute Touristenattraktion, boten vielen Schwandorfern damals Schutz. Nach dem Angriff waren sie wochenlang Unterschlupf für viele Menschen, die alles verloren hatten.

Gedenken 75 Jahre nach dem Angriff

Schwandorf

Nur wenige Tage später, am 23. April, nahm die US-Armee die Stadt ein. Von Fronberg her näherten sich die Truppen der Stadt. Was dann kam, ist untrennbar mit dem Namen Franz Allkofer verbunden: Er ging an einer Panzersperre an der Fronberger Straße alleine mit einer weißen Fahne auf die amerikanischen Einheiten zu. Allkofer erklärte einem Offizier, dass die Stadt kampflos übergeben, nicht verteidigt werde.

Zündschnüre gekappt

Als die Stadt ihm 1967 die Bürgermedaille verlieh, wurde eine zweite Rettungstat Allkofers in Erinnerung gerufen: Er hatte die Sprengung einer Naabbrücke verhindert. Ungarische Waffen-SS hatte die Zerstörung im April 1945 bereits vorbereitet. Allkofer zertrennte die Zündkabel.

Der Bombenangriff von 1945 hat ein explosives Erbe hinterlassen. Immer wieder werden Blindgänger gefunden. 2017 mussten in einem Großeinsatz weite Teile des Rothlindenviertels evakuiert werden, weil ein Baggerfahrer bei Baumaßnahmen am Krankenhaus St. Barbara eine 250-Kilogramm-Bombe entdeckte. Der Blindgänger konnte von Spezialisten entschärft und abtransportiert werden.

Blindgänger am Krankenhaus

Die Wiederaufbau nach 1945

Schwandorf

"Sie kommen!": Buch zum Kriegsende in der Oberpfalz

Hintergrund:

Bücher zur Geschichte

  • Britisch-Kanadische Bomberverbände griffen in der Nacht zum 17. April 1945 Schwandorf an. Ziel war wohl vor allem der Bahnhof, damals wie heute Verkehrsknoten.
  • "Das Finale des Zweiten Weltkriegs in Schwandorf" von Dr. Georg Klitta (1970) schildert auf knapp 300 Seiten die Geschehnisse im Frühjahr 1945.
  • 2005 erschien im Buch- und Kunstverlag Oberpfalz der Band "Sie kommen!" mit Berichten von Zeitzeugen.
  • Fritz Gebhardt, bekannt unter seinem Pseudonym Eugen Oker, schildert unter anderem in seinem Buch "Zahlbar nach dem Endsieg" (Neuauflage 2008, Lichtung Verlag) seine Erlebnisse am Kriegsende.
  • Den Wiederaufbau der Stadt machen Historiker Erich Zweck und Stadtarchivar Josef Fischer in ihrem Buch "Schwandorf 1945 - Leben in einer zerstörten Stadt" (2020), zum Thema.

 

 

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