12.11.2021 - 11:02 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Ausstellung im Oberpfälzer Künstlerhaus: Nachlass dem Vergessen entreißen

Künstler hinterlassen viel. Und sie geraten schnell in Vergessenheit, wenn niemand ihren Nachlass pflegt. Die Werke verstauben irgendwo unbe- und ungeachtet. Eine Ausstellung im Oberpfälzer Künstlerhaus rückt dieses Thema in den Fokus.

Co-Kurator Stefan Voit packt aus. Dieses Bild von Karl Aichinger gehört dem Bezirk.
von Irma Held Kontakt Profil

Um keine Irritationen zur Ausstellung aufkommen zu lassen, sei vorweg gesagt: Gezeigt werden den Besuchern in der Kebbel-Villa in Schwandorf-Fronberg zahlreiche und sehr unterschiedliche Arbeiten von fünf Künstlern und einer Künstlerin, deren Bekanntheit zu Lebzeiten weit über die Region hinaus gegangen ist. Hintergründig dreht sich die Ausstellung um die Regelung von künstlerischen Vermächtnissen.

Karl Aichinger, Susanne Böhm, Max Bresele, Kevin Coyne, Ludwig Gebhard und Wolfgang Keuchl ist gemein, dass die Ausstellung "Kunstschatz" ihrer Erinnerung dient. Der frühere Leiter der Kulturredaktion des Neues Tages, Stefan Voit, der den Nachlass von Kevin Coyne betreut, hat diese Erinneringsidee zusammen mit Künstlerhaus-Leiterin Christina Lanzl entwickelt und umgesetzt.

Nicht nur bildende Künstler

Durch die Beschäftigung mit dem Erbe von Kevin Coyne, kreisten Stefan Voits Gedanken immer wieder um die Frage "Was passiert mit Nachlässen?" "Diese Frage beschränkt sich nicht nur auf bildende Künstler, sondern auch auf Musiker oder Schriftsteller. "Die Idee habe ich schon lange mit mir rumgetragen", sagt er im Gespräch mit Oberpfalz-Medien im Oberpfälzer Künstlerhaus, als er zusammen mit Christina Lanzl, die letzten Werke für die Ausstellung auspackt. Für ein paar Coyne-Bilder ist noch Platz. Davon hat er genug in petto.

Coyne in guten Händen

Bei Christina Lanzl rennt er sofort offene Türen. Schließlich sollen künstlerische Werte, soll künstlerisches Erbe der Nachwelt erhalten werden. Sie wählen Künstler aus, mit Blick darauf, was mit ihren Nachlässen passiert beziehungsweise nicht passiert. Kevin Coynes Witwe zum Beispiel bewies ein gutes Händchen als sie Stefan Voit vor knapp zehn Jahren "zum Nachlassverwalter bestellte." Er ist ein unermüdlicher Arbeiter in Sachen Coyne. Wolfgang Keuchls und Karl Aichingers Nachlass ist ganz anders gelagert. Wolfgang Keuchls Sohn ist selbst beruflich viel unterwegs und findet wenig Zeit, die in Regensburg verwahrten Arbeiten seines Vater dem Vergessen zu entreißen. Der Nachlass Karl Aichingers liegt zum großen Teil bei dessen Sohn in Mecklenburg-Vorpommern. Karl Aichingers Bruder besitzt privat einen Teil des Werkes .

Bresele fast entsorgt

Den Weg der Entsorgung wären die Objekte des gebürtigen Fronbergers Max Bresele gegangen, wenn nicht im letzten Moment Wolfgang Herzer vom Kunstverein Weiden und Galeristin Gabriele Hammer vorgetreten wären, um an seinem letzten Wohnort in Uckersdorf (Markt Schwarzhofen) und in Altendorf sein Lebenswerk zu retten. Jetzt gibt es in Weiden ein Max-Bresele-Museum. Mithilfe von Stefan Voit und Christina Lanzl ist ist ein Teil seines in Adlmannstein gesicherten Schaffens vorübergehend nach Fronberg heimgekehrt.

Hinter der Schau steckt Christina Lanzl zufolge auch ein Wachrütteln von Künstlern, sich rechtzeitig Gedanken über den Nachlass zu machen, Inventarlisten anzulegen, die Arbeiten zu katalogisieren oder auch zu fotografieren. Anhand der ausgewählten Beispiele lässt sich ablesen, wie ratsam es ist, den Nachlass beizeiten zu regeln oder sogar eine Vorlass-Regelung zu treffen, damit das Vermächtnis nicht zur Last wird. "Wenn sich keiner darum kümmert, wird das Werk zerschlagen", weiß Stefan Voit. Die ab Sonntag im Oberpfälzer Haus gezeigten Werke stammen nicht durchwegs aus den Nachlässen der jeweiligen Künstler, sondern ebenso aus privaten und öffentlichen Sammlungen.

Schenkung an die Stadt

Zwei Bilder Karl Aichingers steuert unter anderen der Bezirk Oberpfalz bei. Zwei Arbeiten von Wolfgang Keuchl gehören der Stadt Schwandorf. Christina Lanzl weiß die Geschichte, die hinter der Lithografie steckt. Als Praktikant im Oberpfälzer Künstlerhaus hat er sie 1989 als einer der Ersten in der neuen Druckwerkstatt gedruckt und das dritte von zehn Exemplaren der Stadt Schwandorf geschenkt. Zu sehen ist das Werk ohne Titel im Obergeschoss Mitte.

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Schwandorf
Hintergrund:

Kunstschatz

  • Eröffnung der Ausstellung am Sonntag, 14. November, 11 Uhr mit Lesung von Stefan Voit aus dem illustrierten Lyrikband "Die Gedichte stehen zwischen den Zeilen" mit Gedichten von Jürgen Huber, Künstler und Autor, sowie Kevin Coyne, britischer Rockmusiker, Maler und Autor
  • Geöffnet bis einschließlich 19. Dezember, Dienstag bis Donnerstag, 13 bis 17 Uhr und Sonntag,11.30 bis 17 Uhr oder nach Vereinbarung mit Anmeldung per Email.
  • Zugang zur Ausstellung nach 2G Corona-Regelung.
  • Gesprächsrunde zum Thema Künstlernachlass: Methoden und Modelle, Donnerstag, 25. November ab 19 Uhr. Anmeldung telefonisch, 09431 9716 oder per Mail opf.kuenstlerhaus[at]schwandorf[dot]de

"Die Idee habe ich schon lange mit mir rumgetragen."

Stefan Voit, Co-Kurator

Stefan Voit, Co-Kurator

 

 

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