14.04.2021 - 16:05 Uhr
SchwandorfOberpfalz

BBV Schwandorf befürchtet dramatische Verluste für Landwirte

Soll der Landwirt Unternehmer bleiben und Lebensmittel produzieren oder als Dienstleister die Kulturlandschaft pflegen? „Dazu sollte sich die Politik äußern“, fordert der Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbandes, Josef Irlbacher.

Soll der Landwirt in Zukunft nur noch Dienstleister sein und die Landschaft pflegen? Der Bauernverband erwartet ein politisches Signal.
von Rudolf Hirsch (RHI)Profil

„Fortschreibung der gemeinsamen europäischen Agrarpolitik und die Auswirkungen auf die heimische Landwirtschaft“. So lautete der Titel der Videokonferenz des BBV-Kreisverbandes am Mittwoch. Kreisobmann Josef Irlbacher befürchtet für die Betriebe erhebliche Einkommensverluste, "wenn die EU-Gelder von der ersten in die zweite Einkommenssäule umgeschichtet werden".

Konkret bedeutet das: Der Landwirt erhält weniger Direktzahlungen und Betriebsprämien, dafür mehr Geld für Agrarumweltmaßnahmen. „Damit werden die Bauern richtig Geld verlieren“, befürchtet Josef Wittmann. Denn eine Umweltprämie für die Pflege der Kulturlandschaft sei „nicht einkommenswirksam“, so der Kreisgeschäftsführer. Sie decke eben mal die Unkosten, versetze den Landwirt aber nicht in die Lage, seinen Lebensunterhalt zu bestreiten oder gar zu investieren.

"Ein Strukturbruch"

Wittmann spricht von „einem Strukturbruch für die Landwirtschaft“, sollten die Pläne der „Gemeinsamen Agrarpolitik“ (GAP) umgesetzt werden. Der „Deutsche Bauernverband“ rechnet mit Verlusten in Höhe von 1,8 Milliarden Euro. BBV-Geschäftsführer Josef Wittmann bricht diese Verluste auf die bayerische Landwirtschaft herunter und befürchtet: „Die Reform wird das erfolgreiche bayerische Kulturlandschaftsprogramm kannibalisieren“. Davon seien 23 000 landwirtschaftliche Betriebe betroffen, die 55 Millionen Euro weniger an Förderung bekommen werden.

Der Kreisgeschäftsführer erwartet ferner eine Zunahme an Bürokratie, „denn dann müssen nicht nur die Regeln, sondern auch die Ergebnisse der Umweltschutzmaßnahmen überprüft werden“. Was für Josef Wittmann „dem Fass endgültig den Boden ausschlägt“, sind die Forderungen der Tierschützer zum Tierwohl, „die weitgehend zu Lasten der Landwirte gehen sollen“. Von der reinen Kostenerstattung für den Aufwand könne der Landwirt nicht leben, so der BBV-Vertreter.

Perspektive gefordert

Kreisobmann Josef Irlbacher fordert für die Landwirtschaft „eine klare Perspektive. Sollen die Bauern weiterhin Lebensmittel produzieren oder sich eine andere Tätigkeit suchen?" Irlbacher erwartet dazu ein „deutliches politisches Bekenntnis“. Und Geschäftsführer Josef Wittmann ergänzt. „Der Landwirt kann keine eierlegende Wollmilchsau sein“. Entweder er sei Unternehmer und könne vom Verkauf seiner Erzeugnisse leben oder er sei Dienstleister und bekomme einen Lohn. „In beide Richtungen zu gehen, das wird nicht funktionieren“, ist Wittmann überzeugt.

Was die Landwirte belastet

Schwandorf

"Die Landwirtschaft braucht eine klare Perspektive."

BBV-Kreisobmann Josef Irlbacher

BBV-Kreisobmann Josef Irlbacher

 

 

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