11.05.2021 - 14:37 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Bewährungsstrafe für Geisterfahrt bei Schwandorf

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"Das hätte alles schlimm ausgehen können", bilanzierte der Richter. Zwei Trunkenheitstouren standen zur Debatte, eine davon als Geisterfahrer auf der A93 nahe Schwandorf. Das Urteil für den Angeklagten fiel vergleichsweise milde aus.

Mit diesem Auto war der 39-Jährige in entgegengesetzter Richtung auf die A 93 gefahren und hatte bei Schwandorf-Nord einen schweren Unfall verursacht.

Die Behörden hatten den 39-Jährigen aus dem östlichen Kreis Schwandorf schon einmal ins Visier genommen: Im Frühjahr 2019 verursachte er in Oberfranken unter Alkohol einen Unfall. Der Beschuldigte bekam, weil damals noch gut verdienend und nicht vorgeahndet, eine hohe Geldstrafe und musste seinen Führerschein abgeben. Lehren daraus zog er nicht.

Am Abend des 23. September 2019, also nur wenige Monate später, soff sich der Mann bei Freunden in der Nähe von Schwandorf regelrecht zu. Er stieg in sein Auto und bog gegen 21.45 Uhr nahe Klardorf in entgegengesetzter Richtung auf die A93 ein. Mehrere entgegenkommende Fahrzeuge mussten ausweichen.

Während dann erste Streifenfahrzeuge der Polizei ausrückten, um den Geisterfahrer zu stoppen, hatte er bei Fronberg die Einfahrt Schwandorf-Nord erreicht. Dort wurde das Fahrzeug für einen tschechischen Autofahrer zum plötzlich auftauchenden Hindernis. Der Fahrer wich aus, touchierte die Mittelplanke und prallte nach einem Schleudervorgang an die rechts der Fahrstreifen stehende Leitplanke. Beide Insassen wurden leicht verletzt, 22 000 Euro Schaden standen später im Protokoll.

Damit hatte die jetzt vor dem Schwandorfer Amtsrichter Peter Jung verlesene Anklageschrift noch kein Ende: Am 15. November 2019 setzte sich der Mann wieder ans Lenkrad. Auf einer von Pfreimd nach Oberviechtach führenden Kreisstraße geriet er mit 1,8 Promille zu weit nach links und verursachte einen Verkehrsunfall mit einem entgegenkommenden Fahrzeug. Danach flüchtete der Mann. Den Schaden schätzte die Polizei auf 21 000 Euro.

Geisterfahrt endet mit schwerem Unfall

Schwandorf

Die Verhandlung in Schwandorf dauerte jetzt nur eine Stunde. Pflichtverteidiger Gunther Haberl hatte ein umfassendes Geständnis seines Mandanten angekündigt. Das kam dann auch. Der Angeklagte machte persönliche Probleme geltend, die ihn damals angeblich belasteten. Er ließ ferner wissen, dass er seinerzeit wegen des Führerscheinverlustes seine gut bezahlte Arbeitsstelle verloren habe und jetzt vom Alkohol weg sei.

In der Konsequenz fiel das Urteil für ihn milde aus. Die Staatsanwaltschaft verlangte ein Jahr Haft mit Bewährung, "weil es für ihn die erste Freiheitsstrafe ist". Richter Jung blieb unter diesem Antrag und verhängte elf Monate, die der Mann mit der ihm zuerkannten Bewährung nicht absitzen muss. Er hat eine Geldauflage von 1000 Euro zu bezahlen und bekam weitere zwei Jahre Führerscheinsperre.

Ob ihm dann allerdings die Verkehrsbehörde wieder eine Fahrerlaubnis erteilt, steht in deren Ermessen. In der Urteilsbegründung wurde angedeutet, was bei Geisterfahrten auf Autobahnen geschehen kann: "Es hätte schlimm ausgehen können. Da sind auch tödliche Folgen nicht ausgeschlossen."

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