13.04.2021 - 10:37 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Bewährungsstrafe für wilde Flucht vor der Polizei

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Das Gericht stuft die Tat einer 33-Jährigen als verbotenes Autorennen ein. Ihre Raserei ohne Führerschein und unter Einfluss von Drogen führt deshalb zu einer Verurteilung.

von Autor HWOProfil

Die wilde Jagd begann in Schwandorf. Von der Polizei zur Kontrolle aufgefordert, gab eine 33-Jährige am Steuer ihres zuvor ausgeliehenen Wagens Gas und startete zu einer 24 Kilometer langen Tour, bei der Spitzengeschwindigkeiten bis zu 200 Stundenkilometern gefahren wurden.

Was ist ein verbotenes Kfz-Rennen? Der Gesetzgeber hatte sich vor wenigen Jahren dazu geäußert und Fahrten mit grundlos unverhältnismäßig hohen Geschwindigkeiten unter weitaus höhere Strafen gestellt, als sie bis dahin üblich waren. Dabei, so hieß es im neu gestalteten Vorschriftentext, müssten nicht immer zwei zivile Fahrzeuge an einem solchen Rennen beteiligt sein.

Vor dem Schwandorfer Amtsgericht wurde nun erstmals ein solcher Vorgang verhandelt. Auf der Anklagebank saß eine junge Frau, die an einem Abend im Mai letzten Jahres an einer Tankstelle an der Wackersdorfer Straße in Schwandorf kurz angehalten hatte und dabei von vorüberkommenden Polizeibeamten beobachtet worden war. Sie entschlossen sich zur Kontrolle und wurden unvermittelt in eine wilde Jagd verwickelt.

Die damals 33-Jährige, ohne Führerschein und unter erheblichem Drogeneinfluss stehend, gab Gas. Es war 23.45 Uhr. Sie bog zur Schwefelquelle ab, raste mit über 100 Stundenkilometern über den Weinberg und nahm kurz nach dem Blasturm Kurs auf Fronberg. Zu diesem Zeitpunkt folgten ihr bereits zwei Streifenwagenbesatzungen.

Die Wahnsinnstour ging weiter. Nach wenigen Minuten, bis dahin mit 200 Stundenkilometern unterwegs, umrundete die Frau den Kreisverkehr an der Autobahnausfahrt Schwarzenfeld. Der Versuch, sie dort zu stoppen, misslang. Das atemberaubende Intermezzo setzte sich fort: Über Traunricht und Asbach ging die Verfolgungsfahrt zurück in Richtung Kreisstadt. Nach wenigen Kilometern bog die 33-Jährige, jetzt mit drei Polizeifahrzeugen im Schlepptau, in die Schwandorfer Nordumgehung ein.

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Schwandorf

Wieder wurden Spitzengeschwindigkeiten erreicht, die bei 200 Stundenkilometern lagen. Vor Pittersberg kam aber in diesen turbulenten Augenblicken auf der Bundesstraße 85 ein in die Fahndung einbezogener Dienstwagen der Amberger Verkehrspolizei mit Blaulicht entgegen. Das veranlasste die Mutter zweier Kinder, die sich den Pkw ausgeliehen hatte, zur Aufgabe. Sie bremste ab, kam auf dem Bankett zum Stillstand, wurde von Uniformierten herausgezogen und sagte: "Es tut mir leid".

Ihre Entschuldigung hatte die Schwandorferin später in einem Brief an die Polizei zum Ausdruck gebracht. Sie wiederholte ihr Bedauern nun vor Amtsrichterin Bücherl und fügte hinzu: "Ich war in Panik, hatte Angst." Weil, wie sie ergänzte, ihr Führerschein wegen Drogendelikten von der Behörde eingezogen worden war.

Handelte es sich um ein verbotenes Kfz-Rennen im Sinne des Gesetzgebers? Verteidiger Uwe Müller hatte erhebliche Zweifel daran und machte geltend, während der Verfolgungsfahrt sei es zu keinen Gefährdungen anderer Verkehrsteilnehmer gekommen. Außerdem habe seine Mandantin nicht im Mindesten daran gedacht, "ein Rennen auszutragen". Von daher sei die Anklage falsch formuliert und müsse folglich in einen Freispruch münden.

"Es war ein verbotenes Rennen", befand Richterin Bücherl und verwies darauf, dass der Gesetzgeber auch solche Tempo-Touren im Blickfeld gehabt habe, als er das Gesetz änderte. Sie verhängte sechs Monate Haft mit Bewährung, setzte 18 Monate weitere Führerscheinsperre und 500 Euro Geldauflage hinzu. Die 33-Jährige muss außerdem eine Drogentherapie antreten, um die sich vorher freiwillig bemüht hatte. Mit ihrem Urteil hielt sich die Vorsitzende weitgehend an die Forderungen der Staatsanwaltschaft.

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