21.04.2021 - 17:26 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Campingplatz Perschen: Raue Töne im Kreisausschuss

Diesen Artikel lesen Sie mit
Alle Informationen zu OnetzPlus

Die geplante Räumung des Campingplatzes Perschen (Kreis Schwandorf) bringt nicht nur die Nutzer auf die Palme. Auch Landrat Thomas Ebeling (CSU) und die SPD geraten im Kreisausschuss heftig aneinander.

Der Campingplatz Perschen soll geräumt werden. Mit dem Thema beschäftigte sich der Kreisausschuss, weil auch der Landkreis Mitglied des Zweckverbands Freizeit- und Erholungszentrum ist.
von Clemens Hösamer Kontakt Profil

Für die Camper in Perschen war es eine der letzten Hoffnungsschimmer, ihre Dauerplätze zu behalten. Aber der Schwandorfer Kreisausschuss lehnte am Montag mit 7:6 Stimmen einen SPD-Antrag ab, die ausgesprochenen Kündigungen auszusetzen und nach anderen Lösungen zu suchen – also etwa die abschnittsweise Sanierung des Platzes ohne komplette Räumung. SPD-Fraktionschef Peter Wein nannte den Platz die "zweite Heimat" vieler Camper.

Landrat Thomas Ebeling reagierte außergewöhnlich scharf: ""Es ist unanständig, sich als Retter der Camper aufzuspielen, wenn man im Zweckverband der Schließung zugestimmt hat." Denn auch der vom Kreistag entsandte Verbandsrat der SPD habe der Schließung zugestimmt. "Man kann sich nicht einmal so, und dann so verhalten", sagte Ebeling Sie ist nötig, weil unter anderem der Brandschutz und die weitere Infrastruktur nicht mehr den Regeln entsprechen (wir berichteten ausführlich). Die entsprechende Abstimmung des Verbandsgremiums allerdings war nichtöffentlich.

Schließung des Platzes beschlossen

Nabburg

SPD-Kreisrat Franz Schindler hielt dagegen: "Unanständig ist es, als Landrat das Ergebnis einer nichtöffentlichen Abstimmung und das Verhalten einzelner Mitglieder bekanntzugeben." Das, so Schindler, sei ein Dienstvergehen: "Und Sie wissen das." Die SPD-Verbandsräte hätten ihm gegenüber versichert, so Schindler, von der Entscheidung regelrecht überrumpelt worden zu sein. Außerdem sei das entscheidende Brandschutzgutachten eher oberflächlich behandelt worden. Wenn man den wolle, so Schindler könne man den Platz auch abschnittsweise sanieren. Wenn man allerdings statt des Campingplatzes eine andere Nutzung vorhabe, "dann soll man das offen sagen". Das sei für ihn kein Thema, er wolle den Campingplatz erhalten, sagte Ebeling. Aber er lasse sich von der SPD nicht vorführen, konterte er Schindlers Angriff. Manfred Rodde (CSU), Verbandsrat im Perschener Zweckverband, sprang dem Landrat zur Seite: Der mangelnde Brandschutz und weitere Probleme seien schon in der vergangenen Amtsperiode Thema gewesen.

Auch ÖDP-Kreisrätin Heidi Eckl betonte die Bedeutung des Platzes für den Tourismus in der Region. Der Beschluss zur kompletten Räumung wegen des "Totschlagarguments Brandschutz" sei zu schnell gefallen. Sie habe das Gutachten mittlerweile studiert. Ihr Resümee: Eine abschnittsweise Sanierung wäre durchaus möglich gewesen. Dem widersprach Ebeling nicht: Die komplette Räumung sei eine Grundsatzentscheidung gewesen. Ein Rückkehrrecht für die Dauercamper gebe es nicht, beantwortete er eine Frage von Rudi Sommer (Grüne).

Die Entscheidung des Zweckverbands sei richtig und nachvollziehbar, meinte FW-Fraktionschef Martin Scharf. CSU-Fraktionschefin Martina Englhardt-Kopf verteidigte ebenfalls die Entscheidung zur Schließung. Mit sieben Stimmen von CSU und FW wurde der Antrag gegen die sechs Stimmen von SPD, Grünen, ÖDP und AFD schließlich abgelehnt.

Bürgerbegehren nicht zugelassen

Nabburg

"Es ist unanständig, sich als Retter der Camper aufzuspielen, wenn man im Zweckverband der Schließung zugestimmt hat."

Landrat Thomas Ebeling

Landrat Thomas Ebeling

"Unanständig ist es, als Landrat das Ergebnis einer nichtöffentlichen Abstimmung und das Verhalten einzelner Mitglieder bekanntzugeben."

Kreisrat Franz Schindler

Kreisrat Franz Schindler

Hintergrund:

Freizeit- und Erholungszentrum Perschen

  • Das Freizeit- und Erholungszentrum Perschen wird von einem Zweckverband getragen.
  • Mitglieder: Landkreis Schwandorf; die Städte Nabburg und Pfreimd.
  • Kostenaufteilung: Landkreis Schwandorf 40 Prozent, Stadt Nabburg 35 Prozent, Stadt Pfreimd 25 Prozent.
  • Der Verbandsversammlung gehören zwölf Mitglieder an: Der Landrat und vier Kreisräte, der Nabburger Bürgermeister und drei Nabburger Stadträte sowie der Pfreimder Bürgermeister und zwei Pfreimder Stadträte.
  • Vorsitzender ist der Nabburger Bürgermeister Frank Zeitler.

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.