09.11.2018 - 09:12 Uhr
SchwandorfOberpfalz

„C’est la vie“ auf Oberpfälzisch

Was dem Franzosen sein „C’est la vie“, ist dem Oberpfälzer sein "So genga dej Gãng". Wer weder Französisch kann, noch Dialekt versteht, steht vor einem Rätsel.

Die dialektale Redewendung „So genga dej Gãng.“ bezieht sich in der Regel nicht auf eine Gangschaltung.
von Autor SLUProfil

"So gehen diese Gänge." Würde man diesen Satz jemanden in der Standardsprache mitteilen, würde er den Inhalt möglicherweise mit einem Gebäude assoziieren, in dem sich Gänge bzw. Flure befinden, die in eine bestimmte Richtung laufen. Auch den Hinweis eines Fahrlehrers an einen Fahrschüler könnte man damit in Verbindung bringen.

Dies mag bei der dialektalen Entsprechung "So genga dej Gãng" in bestimmten Situationen ebenfalls zutreffen, jedoch wird damit in erster Linie etwas völlig anderes zum Ausdruck gebracht, nämlich: "So ist es nun einmal." Gemeint ist damit, dass sich eine bestimmte Sache in einer Weise entwickelt hat, die eine Eigendynamik aufweist, die man nicht beeinflussen bzw. steuern kann. Im Französischen findet sich dafür eine ebenso originelle wie expressive Entsprechung, nämlich: "C'est la vie."

Ähnlich verhält es sich mit dem Ausspruch "Wej leicht du!". Kein Dialektsprecher würde dabei an die wörtliche Bedeutung von "leicht", bezogen auf das Körpergewicht denken, was auf den ersten Blick für den Unkundigen an sich naheliegend wäre, wenn auch die adäquate standardsprachliche Formulierung hier "Wie leicht du bist!" lauten würde. Im Dialekt dagegen bezeichnet der Satz "Wej leicht du!", dass die damit angesprochene Person gut reden hat, weil bei ihr die Umstände vermeintlich positiver sind als beim Sprecher.

Ein Beispiel möge diesen Sachverhalt veranschaulichen: Hans Müller trifft seinen Freund Josef Meier und teilt ihm mit, dass er übermorgen mit seiner Frau für zwei Wochen nach Mallorca fliegen wird. Die einzige Reaktion von Josef lautet: "Wej leicht du!", denn er hat weder Urlaub noch eine Frau. Bei beiden Redewendungen gestaltet sich die standardsprachliche Erklärung etwas sperrig, weil es der Umschreibung bedarf, um den Inhalt zu erläutern.

Für einen Dialektsprecher ergibt sich in diesen Fällen wie in ähnlich gelagerten überhaupt kein Problem, denn er weiß sofort ohne jegliche Zweideutigkeit, woran er ist. Einmal mehr liefert der Dialekt hier einen Beweis für seine ihm eigene wesenstypische Ausdrucksstärke und Prägnanz, ein Phänomen, das in dieser Form in der Standardsprache nicht existiert. Einen Sachverhalt kurz und bündig auf den Punkt zu bringen, das zeichnet diese Sprachvarietätaus, und macht jegliche Mundart so reizvoll.

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