18.09.2020 - 16:02 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Contact-Tracing ist kein Zuckerschlecken: Corona-Ermittler brauchen viel Geduld

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Hauptaufgabe: Ermitteln. Problem in jüngster Zeit: Immer mehr Kontaktpersonen sind nicht mit einer Quarantäne einverstanden. Der Ton gegenüber dem Contact-Tracing-Team (CTT), der Corona-Ermittlungsgruppe im Kreis Schwandorf, wird rauer.

Die Ermittlungsarbeit beim Nachverfolgen von Kontakten wird übers Telefon geleistet. Die Angerufenen werden zunehmend uneinsichtiger, wollen vor allem die Quarantäne vermeiden.
von Irma Held Kontakt Profil

Aus insgesamt zehn Leuten wird das Contact-Tracing-Team bestehen, dessen Aufgabe es ist, Kontakte nachzuverfolgen. Klingt einfacher als es ist. Die Ersten arbeiten nach den Worten von Dr. Daniela Hierhammer, der Leiterin des Schwandorfer Gesundheitsamtes, die dritte Woche. Sie sind die Ermittler, direkt den Kontakten und indirekt dem Virus auf der Spur. "Die Aufgabenverteilung ist jeden Tag neu", sagt Daniela Hierhammer zu Oberpfalz-Medien. Und, da das Team noch nicht vollzählig ist, müsse ständig Personal neu eingearbeitet werden. Neun Monate ab Einstellungsdatum soll fürs Erste jeder Kontaktnachverfolger bleiben.

Meldung von Labors oder Ärzten

Positiv Getestete werden von den Labors und von Ärzten gemeldet. Manche Patienten würden auch selbst beim Gesundheitsamt vorstellig. Mit der Meldung beginnt die Ermittlungsarbeit. Zu welchen Personen hatte der oder die an Covid-19-Erkrankte zwei Tage vor dem Auftauchen der Symptome Kontakt? Wie eng war der Kontakt? "Das wird zunehmend schwieriger", sagt Daniela Hierhammer. Es müsse differenziert werden. Wie eng war der Raum? Wurden Masken getragen? Könnten viele Aerosole in der Luft gewesen sein?

Keine verkürzte Quarantäne

Unterschieden wird zwischen Kontakten der Kategorie 1, das sind enge Kontaktpersonen, die in Quarantäne müssen, und Kontakte der Kategorie 2 mit einem Abstand von mindestens 1,50 Metern und mit Maske, eher flüchtige Begegnungen. Diese Personen werden durch das Gesundheitsamt in der Regel nicht informiert. "Ein negatives Testergebnis verkürzt die Quarantäne nicht", räumt Daniela Hierhammer mit einem durchaus verbreiteten Missverständnis bezüglich Kontaktpersonen der Kategorie 1 auf. Wenn es um Isolieren geht, kann die Arbeit der CTT-Leute unangenehm werden.

Quarantäne-Verstoß ein teurer Spaß

Schwandorf

"Wir merken zunehmend, dass Kontaktpersonen nicht mehr einverstanden sind, in Quarantäne zu gehen." So manche würden am Telefon schnell einen Ton anschlagen, "der nicht unbedingt sein müsste". Auch Testergebnisse bei der Einreise aus dem Ausland würden angezweifelt. Diese quarantänefeindliche Tendenz verstärke sich im Landkreis seit zwei, drei Wochen. Ein schwacher Trost: Diese Erfahrung hätten auch die Kollegen aus anderen Gesundheitsämtern gemacht.

Alle Informationen und Hilfsangebote

Die Leiterin des Gesundheitsamtes wagt keine Prognosen, wie umfangreich die Kontaktnachverfolgung pro Fall sei und wie intensiv diese Gespräche seien. "Haushaltskontakte sind meist gut informiert. Auch wenn Angehörige oder enge Kontaktpersonen erkrankt sind, ist das Verständnis da." Schwieriger werde es bei Kontaktpersonen, die den Fall weniger gut kennen. Da bekomme man Sätze - Ausreden - zu hören wie: "Da war doch gar nichts"."Ich muss morgen da und da hin." "Ich bin systemrelevant." Die Anzahl der Kontakte schwanke in einer Größenordnung von 10 Personen bis 50 Personen. "Letzteres ist nicht die Ausnahme." Es hänge davon ab, wie aktiv der an Covid-19-Erkrankte sei, ob er zur Schule oder zur Arbeit gehe. Mit einem Anruf pro Kontakt sei es oft nicht getan. In ganz uneinsichtigen Fällen übernehme ein anderer aus dem Team die Person oder das Gespräch werde an einen Arzt übergeben. Zwangsmaßnahmen sind für Daniela Hierhammer allerdings das letzte Mittel.

Positiver Test, Kindergarten zu

Schwandorf

Für ein großes Glück hält sie, dass sich bisher Restaurantbesuche weitgehend im Freien abgespielt haben. Das Gros der Infizierten sei derzeit zwischen 0 und 40 Jahre alt. Die Risikogruppen blieben momentan weitgehend verschont. Auf die Reiserückkehrer angesprochen, sagt sie: "Bis vor zwei Wochen hätte ich gesagt Ja. Jetzt ist nicht immer nachvollziehbar, warum die Leute krank sind." Die im August gemeldeten Fälle seien hauptsächlich Reiserückkehrer gewesen. Stumm geblieben ist bisher die Warn-App. Beim Gesundheitsamt ist diesbezüglich nichts eingegangen. "Wenn die Warn-App einen Kontakt meldet, müssen die Leute nicht mit uns Kontakt aufnehmen. Sie können auch zu Arzt gehen."

Wir merken zunehmend, dass Kontaktpersonen nicht mehr einverstanden sind, in Quarantäne zu gehen.

Dr. Daniela Hierhammer, Leiterin des Gesundheitsamtes

Ein negativer Test bei einer Kontaktperson befreit nicht von der 14-tägigen Quarantäne.
Im Blickpunkt:

Mehr Personal

Das Gesundheitsamt in Schwandorf wird um 13 Stellen aufgestockt. Diese sind befristet bis Ende 2021. Die Stellen gliedern sich auf in Verwaltungs- und medizinisches Fachpersonal, darunter fallen Hygienekontrolleure genauso wie Fachkräfte für Sozialmedizin oder Ärzte. Die Stellenausschreibungen und Bewerbungsgespräche laufen noch.

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