29.10.2020 - 17:03 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Corona-Lockdown: "Man muss sich nicht wundern, wenn die Leute depressiv werden"

Ab Montag greifen die verschärften Lockdown-Regeln. Nahezu alle Branchen sind davon betroffen – auch im Landkreis Schwandorf. Viele Unternehmer stehen vor einer Existenzkrise, das Verständnis schwindet. Wir haben uns umgehört.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU, Mitte), der bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU, rechts) und Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) kommen zu einer Pressekonferenz im Kanzleramt nach einem Treffen mit den Ministerpräsidenten der Länder zum weiteren Vorgehen in der Corona-Pandemie.
von Tobias Gräf Kontakt Profil

Egal ob Kino, Hotel oder Massagestudio: Der erneute Lockdown trifft viele Betriebe, Vereine und Selbständige im Kreis Schwandorf hart. Manche müssen um die Existenz kämpfen und sind verärgert, andere haben Verständnis und zeigen Geduld – die Stimmungen in der Coronakrise gehen teilweise auseinander. Eine Umfrage.

Stephan Gäbl (45)

Stephan Gäbl, FC OVI-Teunz

Für den Vorsitzenden der Spielvereinigung im FC OVI-Teunz kommen die strengen Maßnahmen nicht überraschend. "So wie die Infektionszahlen zuletzt explodiert sind von 4000 auf 15000 war das klar", sagt der 45-Jährige. Gäbl bleibt aber gelassen: "Wir wären sowieso übernächste Woche in die Winterspielpause gestartet und der Ligapokal wird auch gecancelt, nur die Hallensaison fällt eben ins Wasser." Finanziell wird der Verein mit rund 400 Mitgliedern aber das Verbot von Festen zu spüren bekommen. "Wir können unser Weinfest nicht machen, die Christbaumversteigerung fällt aus und auch unser Sportheim muss schließen."

Elisabeth Zilk (47)

Elisabeth Zilk

Die Junior-Chefin des Landgasthofs "Zum Frauenstein" in Weiding hat kein Verständnis für den zweiten Lockdown. "Wir haben als Gasthaus alle Hygiene- und Abstandsvorschriften streng eingehalten, ich habe hunderte Kontaktlisten der Gäste hier liegen und trotzdem sind wir die Bösen." Zilk sieht private Feiern als Hauptverursacher der vielen Infektionen. Ihr Gasthof mit Hotelzimmern ist schwer von den Maßnahmen betroffen. "Zum Glück haben wir nebenbei noch eine Metzgerei, mit dem Hotel allein wäre es schlimm. Jede Hochzeit, jede Geburtstagsfeier, alles ist abgesagt. Auch unsere Stammgäste wissen nicht, was sie jetzt machen sollen. Man muss sich nicht wundern, wenn die Leute depressiv werden."

Karl Pösl (72)

Karl Pösl

Der Inhaber des Lichtspielhauses in Oberviechtach fühlt sich ungerecht behandelt. "Die Kinobranche ist gerade erst wieder halbwegs ins Laufen gekommen und jetzt werden wir wieder gestraft, obwohl wir alle Maßnahmen streng umsetzen. Die Infektionen gibt es nicht im Kino, da ist es sicher. Kneipen sind das Problem, da sollte mal strenger kontrolliert werden." Große Erwartungen hatte der 72-Jährige auf Kino-Neuerscheinungen gelegt: "Wir haben auf das Kaiserschmarrn-Drama gehofft, nichts wird es nun. James Bond wurde auch verschoben, und jetzt wird ganz zugesperrt, es ist verheerend, das hält man psychisch nicht mehr durch."

Siripart Fischer (49)

Siripart Fischer

Die Chefin des Studios "Phum Spa & Massage" in Schwandorf steht durch den neuen Lockdown vor einer Existenzkrise. "Wir haben schon im Frühjahr eine staatliche Soforthilfe von 9000 Euro bekommen, damit konnten wir unsere Zahlungen leisten. Jetzt brauchen wir wieder Hilfe, sonst müssen wir zusperren." Zwei weitere Mitarbeiter musste Fischer schon entlassen. "Der Lockdown kommt zur Unzeit, gerade jetzt im Herbst gehen die Leute gerne zur Massage. Die Kunden sagen reihenweise ab, es ist schlimm."

Florian Wein (34)

Florian Wein, OVIGO-Theater

Als Vorsitzender des Theatervereins OVIGO in Oberviechtach hat Florian Wein alle geplanten Auftritte und Aufführungen absagen müssen. "Wir haben unsere Planungen für das Krimidinner und den Probenbeginn gestoppt." Der Regensburger weiß sich aber zu helfen: "Wir versuchen es jetzt mit digitalen Leseproben." Wein hält den Lockdown für "absolut vertretbar" und plädiert persönlich für harte Maßnahmen. "Ich habe Verständnis für den Ärger vieler Betriebe, die jetzt schließen müssen. Ich habe aber auch höchsten Respekt vor der Politik, die solche schwierigen Entscheidungen treffen muss und versucht, das Richtige zu tun." Der Kulturschaffende hofft, "dass sich mehr Menschen an die Regeln halten, dann werden wir es hoffentlich auch bald überstanden haben."

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