18.10.2020 - 14:39 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Corona überschattet auch Allerheiligen

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Allerheiligen 2020 ist in Corona-Zeiten für viele Gläubige eine besondere Herausforderung. Denn die üblichen Feiern wird es in dieser Form wohl nicht geben.

Da der Tag Allerheiligen nötig sei für die christliche Trauerarbeit, gehöre dazu auch das „An-das-Grab-gehen“, heißt es aus kirchlichen Kreisen. Auf jeden Fall sei mit Einschränkungen zu rechnen.
von Thomas Dobler, M.A. Kontakt Profil

"Wir geben uns Mühe", versichert Dekan Michael Hoch (Dekanat Nabburg) mit Blick auf Corona. Es dürfe aber kein Infektionsrisiko entstehen - was für Gottesdienste genauso gelte wie für den Gräbergang an Allerheiligen. Natürlich wisse er, dass der Tag nötig sei für die eigene Trauerarbeit und dazu gehöre nun mal auch das "An-das-Grab-gehen". Das habe man im Dekanat auch schon so besprochen. Auf jeden Fall sei mit Einschränkungen zu rechnen.

Da Allerheiligen heuer auf einen Sonntag fällt, sei zum Beispiel für Fensterbach – wo Hoch als Pfarrer tätig ist – vereinbart worden, dass es nach jedem Gottesdienst an diesem Tag zu einer Gräbersegnung kommen soll. Also statt der einen zentralen Andacht am Nachmittag mit Zug zum Friedhof und dem Gang des Priesters durch die Reihen soll es nach den drei Vormittags-Gottesdiensten in Dürnsricht und einer zusätzlichen Andacht in Högling jeweils zum Friedhof gehen.

200 Personen als Obergrenze

"Das ist eine auf Fensterbach zugeschnittene Lösung," betont Hoch, "in anderen Pfarreien kann es anders aussehen". Auf jeden Fall werde das entzerrend wirken. Denn im Gegensatz zu jenen, die meinen, es sei gleichgültig, wie viele Menschen sich auf dem Friedhof befinden, gebe es eine vorgeschriebene Obergrenze von 200 Personen: "Mehr dürfen sich im Freien nicht versammeln."

Ob eine Musikkapelle oder ein Chor einbezogen werden, hänge von den örtlichen Gegebenheiten ab. "Wo man die Fläche zum Abstand halten hat, kann man sie einsetzen," meint Hoch. In Dürnsricht vor dem Leichenhaus ginge es beispielsweise.

In der großen Pfarrei Nabburg sieht die Angelegenheit wieder etwas anders aus. Pfarrer Hannes Lorenz versichert in einem Beitrag im Pfarrbrief der Pfarrgemeinde St. Johannes der Täufer, von allen Seiten kämen die Fragen, wie es in diesem Jahr mit Allerheiligen und den Gräbersegnungen aussehe. "Weil wir derzeit nicht voraussehen können, was Corona bis zum 1. November noch an Einschränkungen bringt, kann ich an dieser Stelle nur ankündigen, was wir zum momentanen Zeitpunkt planen: Grundsätzlich soll Allerheiligen so normal wie möglich stattfinden, also Totengedenken mit Gräbersegnung in Brudersdorf um 13 Uhr, im Stadtfriedhof um 14 Uhr, in Perschen um 14.30 Uhr und am Waldfriedhof um 15.30 Uhr - wenn die Vorgaben des Infektionsschutzes es erlauben." Das hänge sowohl am Ergebnis der Verhandlungen der Bayerischen Bischofskonferenz mit der Staatsregierung als auch an der Frage, ob das Großveranstaltungsverbot planmäßig zum 31. Oktober endet.

Maskenpflicht auf Friedhöfen

"In Absprache mit dem Bürgermeister soll es auf allen vier Friedhöfen auf jeden Fall Maskenpflicht geben," so der Pfarrer. Beim Betreten wie auch beim Verlassen der Friedhöfe, genauso wie an manchen Gräbern werde die Abstandsregel nicht immer eingehalten werden können. "Insbesondere vor den Urnenwänden des Waldfriedhofs wird es trotz allen Bemühens sicher eng. Darum ist es besser, von vornherein die Masken aufzusetzen und diese Regelung einheitlich zu treffen."

In Perschen und Brudersdorf werde der Andachtsteil nicht wie gewohnt in der Kirche stattfinden, sondern auf den Friedhöfen wie in den letzten Jahren schon auf dem Stadtfriedhof und dem Waldfriedhof. "Natürlich kann es aktuelle und kurzfristige Änderungen geben, die jetzt noch niemand abschätzen kann", schränkte Lorenz ein. Daher bitte er, die kommenden Pfarrbriefe oder kurzfristige Hinweise in Presse und Aushängen an den Friedhöfen zu beachten.

In Absprache mit dem Bürgermeister soll es auf allen vier Friedhöfen auf jeden Fall Maskenpflicht geben

Pfarrer Hannes Lorenz

Pfarrer Hannes Lorenz

In Oberviechtach sind die Überlegungen nicht ganz so wortreich zusammengefasst, aber es gibt dort eine wichtige Einschränkung.. "Die Gedenkandachten für die Verstorbenen des vergangenen Jahres finden in allen Kirchen am Nachmittag um 14 Uhr statt", heißt es für die Gotteshäuser in Oberviechtach, Pullenried und Wildeppenried, die von Dekan Alfons Kaufmann (Dekanat Oberviechtach) betreut werden. "Anders als in normalen Zeiten können leider nicht alle Gläubigen daran teilnehmen", bedauert Kaufmann. "Und wir beschränken den Einlass auf die Angehörigen der Verstorbenen des letzten Jahres. Dazu müssen sie sich im Pfarramt Karten besorgen, die ab 20. Oktober ausgegeben werden."

Wie das Thema andernorts in Bayern geregelt wird

Bayern

Im Dekanat Schwandorf hält sich Dekan Hans Amann, der Pfarrer der Schwandorfer Pfarrei St. Jakob, eher bedeckt. "Letztendlich wissen wir noch nichts", betont er, vor allem mit Blick auf den Schwandorfer Friedhof an der Wackersdorfer Straße. Der ist an Allerheiligen in der Regel mit sehr vielen Menschen gefüllt, weil sich dort die Gläubigen von vier Pfarreien treffen. "Das sind nicht 200, wie auf manchen Dörfern, das sind 2000", verdeutlicht der Dekan die Dimension. Eine Ausnahmegenehmigung für diese "Großveranstaltung" liege nicht vor, das Landratsamt werde diese Genehmigung wohl auch nicht mehr ausstellen.

Klarheit verspricht sich Amann von einer Sitzung des Ministerrats und liegt damit auf einer Linie mit dem Pressesprecher der Diözese Regensburg, Jakob Schötz. Der gab am Mittwoch auf Nachfrage von Oberpfalz-Medien an, dass auch das Bistum "leider noch keine Informationen darüber hat, welche Ergebnisse aus der Kabinettssitzung der Bayerischen Staatsregierung hervorgingen. Somit haben wir auch noch keine Maßgaben, wie mit dem Gräbergang an Allerheiligen umgegangen werden kann".

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