Schwandorf
27.01.2022 - 10:12 Uhr

Diakon kritisiert Querdenker-Auftritte

So etwas hat es in Schwandorf noch nicht gegeben: Die Vertreter vier verschiedener Konfessionen feierten gemeinsam einen ökumenischen Gottesdienst. In der gut gefüllten Herz-Jesu-Kirche ging es auch um die Anti-Corona-Demos.

Der ökumenische Gottesdienst in der Schwandorf Herz-Jesu-Kirche wurde geleitet von Pastor Paul Warkentin von der Evangelischen Freikirche, dem katholischen Pfarradministrator Andreas Schinko als Gastgeber, dem Vorsteher Alexander Klette der Neuapostolischen Kirche und dem evangelischen Diakon Jürgen Weich (von links). Bild: Thomas Dobler
Der ökumenische Gottesdienst in der Schwandorf Herz-Jesu-Kirche wurde geleitet von Pastor Paul Warkentin von der Evangelischen Freikirche, dem katholischen Pfarradministrator Andreas Schinko als Gastgeber, dem Vorsteher Alexander Klette der Neuapostolischen Kirche und dem evangelischen Diakon Jürgen Weich (von links).

Zur jährlichen "Gebetswoche für die Einheit der Christen" fand in der Herz-Jesu-Kirche ein ökumenischer Gottesdienst statt. Beteiligt daran sind in Schwandorf in der Regel die evangelische Kirchengemeinde und die beiden katholischen Innenstadtpfarreien St. Jakob und Herz-Jesu. So war es auch diesmal, wobei als Gastgeber Pfarradministrator Andreas Schinko von Herz-Jesu auftrat. Dekan Hans Amann, Pfarrer der Pfarrei St. Jakob, nahm als Gast an dem gut besuchten Gottesdienst teil, außerdem Pater Francis Lawrance vom Kreuzberg-Kloster.

Eine Premiere

Diesmal wurde der Kreis der Zelebranten um zwei erweitert, so dass neben Schinko und dem evangelischen Diakon Jürgen Weich auch Pastor Paul Warkentin von der Evangelischen Freikirche und Vorsteher Alexander Klette der Neuapostolischen Kirche im Altarraum anwesend waren und Teile der Andacht übernahmen. "Das ist eine Premiere," versicherte der katholische Pfarradministrator. Noch nie war der Kreis der Teilnehmer an der Gebetswoche so groß.

Der Andacht zugrunde lag der Matthäus-Text von der Suche der drei Weisen aus dem Morgenland nach dem neugeborenen "König der Juden". Die entsprechende Passage trug Brigitte Lang vor, die Vertrauensfrau des evangelischen Kirchenvorstandes. Für die vorhergehende Lesung war Lektorin Silvia Holtermann von Herz-Jesu zuständig. Diakon Weich übernahm die Aufgabe, das Thema in einer Predigt auszudeuten.

Missbrauchsfälle angesprochen

Die Predigt blieb aber nicht nur theologisch. Es ging auch um die "vier dicken roten Bücher, die wir aus den Nachrichten kennen und in denen – leider nur beispielhaft für das Bistum München und Freising – zahlreiche Missbrauchsfälle hinterleuchtet werden". Tausende Seiten voll konkreter Schicksale von konkreten Opfern, konkrete Menschen, denen konkretes Leid zugefügt worden sei. "Und leider sind wir auch hier maximal negativ ökumenisch verbunden, denn der gute 'Herr Pfarrer' war auch in der evangelischen Kirche allzu oft der Täter, der Offenheit, Arglosigkeit und kindlichen Enthusiasmus missbraucht und ausgenutzt hat".

Diakon Weich warf im Zuge seiner Ausführungen auch einen Blick auf die sogenannten Querdenker-Demos, wie es sie auch in Schwandorf gibt. "Es ist ein gutes Bürgerrecht, seine Meinung öffentlich zu sagen," betonte er. Deshalb hätten selbst in Pandemiezeiten Demonstrationen einen ähnlichen geschützten Status wie Gottesdienste. "Und trotzdem: Nein! Es ist eben nicht egal, mit wem ich mitgehe, unter wessen Schirm ich mich stelle, und wessen Parolen ich dulde und in Kauf nehme."

Pfarradministrator Andreas Schinko entließ die Gottesdienstbesucher mit einem gewissen Bedauern. "Gerne hätten wir Sie nach dem Gottesdienst noch ein wenig bewirtet; leider lassen das die aktuellen Gegebenheiten nicht zu."

OnetzPlus
Nabburg26.01.2022

"Nein! Es ist eben nicht egal, mit wem ich mitgehe, unter wessen Schirm ich mich stelle, und wessen Parolen ich dulde und in Kauf nehme."

Diakon Jürgen Weich, Schwandorf

Diakon Jürgen Weich, Schwandorf

 
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