13.12.2019 - 14:03 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Dialektwortschatz in der Tierwelt

Ein Gebiet, das einen sehr ausgeprägten Dialektwortschatz aufweist, ist jenes der Fauna. Vieles ist heute zum Großteil nicht mehr in Gebrauch,

Neben dem „Grumpmàtzl“ und dem „Rozkolm“ diente die im Dialekt als „Doggenschlegl“ bekannte Kaulquappe Kindern früher als „Besatz“ für selbstgebaute kleine Teiche.

Als Beispiele sollen drei Bezeichnungen für Wassertiere dienen, die den Kindern in der Mitte des letzten Jahrhunderts noch sehr geläufig waren . Sie hielten sich zum Spielen und Toben meist in der freien Natur auf und kamen somit mit der dort heimischen Tierwelt in unmittelbaren Kontakt. Bei diesen Beispielen handelt es sich um „Doggenschlegl“, „Grumpmàtzl“ und „Rozkolm (bzw. Rozschobbl)“.

So „exotisch“ diese Namen klingen, so sehr waren sie jenen vertraut, denen die damit titulierten Lebewesen ein Begriff waren. Wenn darüber gesprochen wurde, wurden fast ausschließlich die Dialektausdrücke verwendet. Bis auf die „Doggenschlecherler“, so der Plural von „Doggenschlegl“, waren die standardsprachlichen Pendants den Betreffenden nämlich nicht bekannt.

„Doggenschlegl“ stellte deswegen eine Ausnahme dar, weil diese „im Wasser lebende, schwarze, kugelige Larve des Frosches, die einen Schwanz hat, der sich bei der Entwicklung zum Frosch zurückbildet“ (so die Duden-Definition) ein Unterrichtsthema war. Naturgemäß wurde dort der Gegenstand der Betrachtung nicht mit einem Wortgebilde aus der Mundart bedacht; vielmehr war diesbezüglich „Kaulquappe“ im Wortschatz der gelehrigen Schüler eingebürgert.

Anders verhält es sich mit den beiden erwähnten Fischarten. Selbst in der 10- bis15köpfigen Arbeitsgruppe des Heimatkundlichen Arbeitskreises Oberviechtach, die sich 20 Jahre lang intensiv mit fast 5000 Dialektwörtern befasste, kannte niemand die standardsprachlichen Entsprechungen für „Grumpmàtzl“ und „Rozkolm/Rozschobbl“. Die jeweilige Spezies dagegen war den Mitgliedern sehr wohl ein Begriff. Die Definitionen, die dafür vorgeschlagen wurden, lauten: „kleiner Fisch in Bächen unter Steinen“ und „breitköpfiger, etwa fünf Zentimeter langer Fisch (kleiner als ‚Grumpmàtzl’)“.

Aus diesem Grund ergibt sich im Rahmen der Kolumne „So sogn mir“ zum ersten Mal der Fall, dass für Mundartausdrücke die standardsprachlichen Entsprechungen fehlen. Der geneigte Leser, der diesbezügliche Kenntnisse besitzt, wird gebeten, diese mitzuteilen. Denkbare Fischarten sind: Bitterling, Moderlieschen und Groppe.

Übrigens hat „Doggenschlegl“ auch noch eine zweite Bedeutung, die mit der „Doggen“ (standardsprachlich „Docke“) zu tun hat, einer Vorrichtung an einem Teich, durch die das Wasser abgelassen werden kann. Der dazugehörige Verschluss, ein „Stöpsel“ aus Holz, wird als „Doggenschlegl“ bezeichnet.

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