23.03.2021 - 10:56 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Vor Dokumentarfilmtagen in Schwandorf: "Zwickl" bald auch tragbar

Diesen Artikel lesen Sie mit
Alle Informationen zu OnetzPlus

Die Zwickl-Dokumentarfilmtage als Accessoire: Zusammen mit dem Schwandorfer Tageszentrum der Diakonie wird aus Werbebannern bunte Mode.

Zuerst gilt es, die Transparente auf das richtige Maß zuzuschneiden.
von Clemens Hösamer Kontakt Profil

Müll vermeiden, sinnvolle Arbeit für beeinträchtigte Menschen schaffen und bunte Accessoires als Werbung für die Zwickl-Dokumentarfilmtage herstellen: Drei Fliegen mit einer Klappe schlägt ein Projekt, das das Zwickl-Team und das Schwandorfer Kulturamt mit dem Tageszentrum "SchwaTZ" der Diakonie auf die Beine stellt. Werbebanner, die sonst im Abfall gelandet wären, gehen im SchwaTZ ins "Upcycling": Die Klienten nähen Rucksäcke daraus.

In großen Lettern warben die orangefarbenen Transparente vor zwei Jahren über den Ausfallstraßen der Kreisstadt für das "Zwickl". Wohin damit, wenn die Show zu Ende ist? Zwickl-Leiterin Anne Schleicher, Nicole Zwicknagel vom Kulturamt und Kerstin Scherl hatten die Idee: Sozialpädagogin Kerstin Scherl arbeitet hauptberuflich im "SchwaTZ", sucht laufend nach Projekten für die Klienten. Da boten sich die Banner geradezu an. "Wir haben überlegt, was wir draus machen können", sagte Scherl im Gespräch mit den Oberpfalz-Medien.

Stoff statt Holz

Das "SchwaTZ" arbeitet zwar ansonsten in erster Linie mit Holz. Aber Nähmaschinen waren auch kein Problem für die Klienten. Rucksäcke, die wie Turnbeutel einfach geschnitten sind und an einer Kordel getragen werden, boten sich geradezu an. Aus den fünf großen Transparenten werden so 50 Rucksäcke. Die Haltekordeln der Banner werden ebenfalls verarbeitet.

Inspiration für den Schnitt gab’s aus dem Internet. Die Arbeit wurde in möglichst kleine Schritte aufgeteilt, nach den Bedürfnissen der Klienten. Auch ein Platz für das „SchwaTZ“-Logo war schnell gefunden. Schließlich wurden die Aufgaben an die Klienten verteilt, die derzeit im Tageszentrum arbeiten. Normalerweise sind das rund 25. Wegen der Abstandsregeln sind die Plätze aktuell auf zwei "Schichten" aufgeteilt. Die Produktion eines Rucksacks dauert seine Zeit.

Besondere Stelle

Das "SchwaTZ" bietet mit dem offenen Betrieb Hilfen für Menschen mit chronischen psychischen Beeinträchtigungen. "So niederschwellig wie möglich", wie Scherl erklärt. Die Klienten können sich ausprobieren, erkennen, wie belastbar sie sind. "Wir können sie wieder an eine Beschäftigung heranführen", sagt die Sozialpädagogin. Außerdem bietet das Tageszentrum so die Möglichkeit für die Klienten, ihrem Tag Struktur zu geben. Fünf Mitarbeiter kümmern sich um die Klienten, dazu kommt die Verwaltung und die Hauswirtschaft.

Filmpreis aus der Gießerei Fronberg

Schwandorf

Mit einem Ex-In-Genesungsbegleiter verfügt das Tageszentrum über eine besondere Stelle: Ein Betroffener wirkt nach einer Ausbildung als besonderes Bindeglied zwischen Sozialarbeitern und Klienten. Er weiß aus eigener Erfahrung um die Probleme, kann in beide Richtungen als Vermittler dienen. Neben der Beschäftigung in der Holz- oder der "Rucksackwerkstatt" bietet das "SchwaTZ" gemeinsame Mahlzeiten, Kontaktmöglichkeiten und in "normalen" Zeiten auch Ausflüge und andere Möglichkeiten der Freizeitgestaltung. Für die Klienten ist das Angebot freiwillig und kostenlos. Neben dem "SchwaTZ" betreibt die Diakonie in Schwandorf ein Wohnheim, betreute Wohngruppen und betreut außerdem Betroffene, die in eigenen Wohnungen leben. Der Sozialpsychiatrische Dienst und eine Schuldner- und Insolvenzberatungsstelle sind ebenfalls Teil des Angebots.

Gewinn für alle Seiten

"Win-Win-Win-Situation" nennt Scherl das "Zwickl"-Projekt: Die Klienten des SchwaTZ werden ins kulturelle Leben der Stadt eingebunden, die Transparente werden wiederverwendet und fürs Filmfestival gibt's Werbung. 20 der Rucksäcke gehen in den Verkauf, für 15 Euro das Stück. „Der Erlös geht voll ans ,SchwaTZ‘“, erzählt Scherl. Im Tageszentrum sind die Klienten schon fleißig am werkeln. Zuschneiden, zusammennähen, Kordeln einfädeln. „Wir probieren das mit den Zwickl-Transparenten aus“, sagt Scherl, „vielleicht verwenden wir dann auch die anderen, übrigen Transparente der Stadt.“ Ab 1. April sind die Rucksäcke im Tourismusbüro der Stadt zu haben. Kerstin Scherl nimmt Vorbestellungen unter kerstin.scherl[at]diakoniesuro[dot]de entgegen.

Kerstin Scherl trägt einen der Zwickl-Rucksäcke auf dem Rücken.
In der Werkstatt im Schwandorfer Tageszentrum der Diakonie (SchwaTZ) werden außer den Zwickl-Rucksäcken viele Deko-Artikel aus Holz produziert.
Jeder Rucksack ist ein Unikat, je nachdem, aus welchem Teil der Transparente er genäht wurde. Auch die Kordeln stammen von den Transparenten.
Kerstin Scherl zeigt das Rohmaterial: Noch ist das Transparent ganz, das vor zwei Jahren für die Zwickl-Dokumentarfilmtage warb. Der Stoff ist leicht und reißfest - ideal für das Projekt im Schwandorfer Tageszentrum der Diakonie.
Die Transparente warben 2019 an und über den Ausfallstraßen, wie hier an der Beer-.Kreuzung, für die Schwandorfer Dokumentarfilmtage.

Die Zwickl-Themenseite

Hintergrund:

Das SchwaTZ

  • Das Schwandorfer Tageszentrum "SchwaTZ" an der Waldschmidtstraße 14 ist Treffpunkt für Menschen, die mit einer psychischen Erkrankung leben.
  • Die Nutzung des Angebots ist komplett freiwillig.
  • Das SchwaTZ bietet Platz für rund 25 Klienten; derzeit wegen in zwei "Schichten" für jeweils zehn.
  • Träger ist die Diakonie Sulzbach-Rosenberg, Amberg, Schwandorf.
  • Das "SchwaTZ" hat den Filmpreis 2019 und Schlüsselanhänger für das Zwickl-Filmfestival gestaltet.

Für Sie empfohlen

 

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.