08.11.2020 - 12:10 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Dokumentarfim-Festival "Zwicklight" startet nach dem Lockdown

Ein Grund mehr für Kinofreunde, sich auf das Ende des Teil-Lockdowns zu freuen: Das "Zwicklight" holt Anfang Dezember vier Spitzen-Dokumentarfilme nach Schwandorf. Ab Februar geht das "Zwickl" dann auf Tour durch die Oberpfalz.

"Zwickl“-Organisatorin Anne Schleicher (rechts) überreichte 2019 den mit 250 Euro dotierten Schwandorfer Dokumentarfilmpreis an Regisseurin Pauline Roenneberg (Mitte) und Kamerafrau Zoë Schmederer (links).
von Clemens Hösamer Kontakt Profil

Streaming zu Hause ist das eine – die Kinoleinwand aber der echte Genuss. Den will das Team des "Zwickl"-Dokumentarfilmfestivals Kulturfans gleich nach dem Lockdown liefern: Initiatorin Anne Schleicher und ihrem Team haben einen Coup gelandet. Schwandorf ist eine von nur vier Stationen der "Dok.Tour Bayern" des Dok-Fests München. "Wir zeigen vier tolle Filme", berichtet Anne Schleicher im Gespräch mit den Oberpfalzmedien. Nach dem tollen Erfolg im Kartoffellager auf dem Brunner-Hof zieht das Zwicklight diesmal ins Lichtwerk-Kino.

Kultregisseur Marcus H. Rosenmüller und Johannes Kaltenhauser begeben sich mit "Dreiviertelblut. Weltraumtouristen" der Band um Gerd Baumann und Sebastian Horn dokumentarisch auf die Spur. Rund um einen Mitschnitt eines Konzerts der Band mit den Münchner Symphonikern im Prinzregententheater richtet der Film den Blick auch auf die tiefgründigen Texte, die die Musik von "Dreiviertelblut" prägen. Nochmal musikalisch ist auch der zweite Streifen: "Tonsüchtig – Die Wiener Symphoniker von Innen" zeigt die Arbeit eines der weltbesten Orchester hautnah - vom "Probespielen" von Bewerbern bis hin zur dauernden Herausforderung, Spitzenleistungen abzuliefern.

Suche nach den Eltern

Nachdenklicher ist "Heimreise": Als Sohn einer alkoholkranken Mutter hat Bernd Kindheit und Jugend in Heimen und bei Pflegeeltern hinter sich. Mit einem Freund sucht er seine wahre Familie und unternimmt eine ereignisreiche Reise nach Berlin. In die "wunderbare Welt des Partnertauschs" entführt der Film "Swinger". Anne Schleicher erinnert der Film an den Streifen "Im Keller", der vor einigen Jahren beim "Zwickl" für Furore sorgte.

Die eiserne "Zwickl"-Regel – zwei Euro Eintritt – gilt beim "Zwicklight" nicht, es wird normaler Eintritt fällig. "Das Geld kommt dem Kino und den Filmemachern zugute", sagt Schleicher. Im Lichtwerk werden Hygienemaßnahmen gelten, Karten gibt's über die Homepage des Kinos. Sollte die Pandemie dem Vorhaben einen Strich durch die Rechnung machen, könnte das "Zwicklight" auch als Autokino starten.

"Zwickl" unterwegs

Möglichst flexibel zu sein, um auf die Unwägbarkeiten während der Pandemie reagieren zu können - das gilt auch für die "Zwickl"-Dokumentarfilmtage 2021. "Es wird eine Road Show über das ganze Jahr", erläutert Schleicher. Auf wechselnden Bühnen: Im Februar geht's nach Pilsen, ins Depot. In dem alten Busbahnhof steigt im Februar das "Treffpunkt"-Festival. Nicht nur, weil Schwandorf Kulturstadt Bayern-Böhmen ist, ist das Zwickl am 13. und 14. Februar dabei. Zusammen mit dem Centrum Bavaria Bohemia (CeBB) Schönsee

– auch ein Spielort des Zwickl im kommenden Jahr – sollen die Kontakte zu den Nachbarn vertieft werden. Zumal Tschechien auf eine tolle Filmkultur stolz sein kann.

Anne Schleicher über Dokumentarfilme und Heimatgefühl

Schwandorf

Höhepunkt des "Zwickl" wird in Schwandorf sein, geplant sind einige Tage im März. Dann wird auch der "Zett" verliehen, der bayerische Dokumentarfilmpreis, den das "Zwickl" auslobt. Die Bewerbungsfrist für Filmemacher läuft noch bis zum 20. November. "Die Bewerber laden ihre Filme in eine Cloud. Eine professionelle Jury wird sie bewerten", sagt Schleicher. Dazu wird Kamerafrau Zoë Schmederer gehören, die mit Regisseurin Pauline Roenneberg den ersten "Zett" für ihren Film "Früher oder später" gewann. Der "Zwickl"-Preis hat ein Alleinstellungsmerkmal: Teilnehmen können nur Filme, die ein in Bayern angesiedelten Thema behandeln oder überwiegend in Bayern gedreht wurden.

Folklore oder Bayern-Tümelei hat das Zwickl-Team dabei natürlich nicht im Sinn - aber einen Dokfilm-Preis unter diesem regionalen Aspekt gibt es schlicht noch nicht. Außerdem: "Lokale und regionale Themen standen beim Zwickl schon immer im Fokus", sagt Schleicher und erinnert an diverse Streifen rund um das Thema "WAA", die beim Publikum sehr gut ankamen. Das "Zwickl" werde ein Besucherfestival bleiben, und nicht zur Nabelschau der Branche werden. Vier Filme kommen in die engere Auswahl. Der "Zett" ist mit 1000 Euro dotiert. Viel wichtiger als das Geld sei den Filmleuten aber die Anerkennung, sagte Schleicher.

Weiter Spielorte des "Zwickl" im kommenden Jahr werden das Kinocenter der Familie Mauerer in Nittenau, das "Ring" in Amberg und ein Regensburger Kino ein, das Schleicher noch nicht verraten will. Nicht gleichzeitig mit den Schwandorfer Tagen im Lichtwerk, sondern verteilt über mehrere Wochenenden. Das mache es leichter, auf mögliche Corona-Vorschriften zu reagieren. "Es wird deshalb auch ein ganz besonderes Programmheft geben", sagte Schleicher. Die sind auch immer ein Hingucker. Eben so, wie die "Zwickl"- Dokumentarfilmtage seit ihrer Gründung sind: Immer neu, immer anders, immer überraschend. Zwei Konstanten aber gibt es: Herausragende Dokumentarfilme und den Eintritt. Zwei Euro, einen Zwickl.

Wo sonst Princess und Birte gekühlt auf die Verbraucher warten, gab's beim am 20. August Kultur. Das Kartoffellager auf dem Brunnerhof in Richt war die Location für das erste "Zwicklight".

Zwickl-Neuigkeiten im Netz:

Die "Zwickl" Dokumentarfilmtage:

Kino, Blumenladen, Kirche und zurück

Anne Schleicher ist nicht nur studierte Film- und Medienwissenschaftlerin, sondern auch ausgesprochen gute Netzwerkerin. Innerhalb weniger Jahre hat sie das "Zwickl" zu einem Festival gemacht, das über die Region hinaus Bekanntheit genießt.

  • 2012 hebt Anne Schleicher das "Zwickl"-Dokumentarfilmfestival aus der Taufe. Sie organisiert mit Freunden und Familie das Festival im Union-Kino. Grundidee: Top-Filme für zwei Euro Eintritt, einen "Zwickl".
  • 2013 steigt die Stadt als Träger ein. Zusammen mit Sponsoren und den Eintrittsgeldern werden die Dokumentarfilmtage finanziert. Mittlerweile unterstützt auch der Landkreis die Filmtage.
  • 2014 zieht das "Zwickl" um: In den Blumenladen von Familie Heinz an der Schwaigerstraße. Hier war früher das "Metropol"-Kino zu Hause. Das Ambiente im Blumenladen wird zur Attraktion. Filme werden auch in der Leitwarte des Müllkraftwerks, in den Felsenkellern und im Kinocenter Nittenau gezeigt. Auch das "Ring" in Amberg ist dabei. 2015 und 2016 bleibt das "Zwickl" bei Blumen Heinz.
  • 2017 geht's zurück ins "Union", das jetzt "Lichtwerk" heißt. Der Hinterhof wird zum Festival-Cafe. 2018 macht das Festival Pause.
  • 2019: Nächste Location des "Zwickl" ist die Spitalkirche. Mit historischer Kinobestuhlung wird die Kirche zum Filmtempel, das Foyer zum Treffpunkt der Filmfreunde. Der Filmpreis "Zett" wird erstmals vergeben.
  • 2020 verhindert Corona das Festival. Mit dem "Zwicklight" im Kartoffellager des Brunnerhofs in Richt beweist das Team im Sommer auch unter Pandemiebedingungen: Kino an besonderen Orten ist ein Publikumsmagnet ist. Binnen weniger Tage ist die Halle ausverkauft.

Anfang Dezember kommt die "Dok.tour" des Münchner Filmfests ins Lichtwerk-Kino zum nächsten "Zwicklight". 2021 läuft das Zwickl als "Road Show".

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