03.12.2019 - 00:01 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Aus dem Dornröschenschlaf erweckt

Es ist eine unscheinbare Tür in einer unscheinbaren Gasse. Doch dahinter verbirgt sich eine kleine Stadt in der Stadt - das Schwandorfer Felsenkeller-Labyrinth.

Hans-Werner Robold entsperrt den Zugang zu "Bayerns größtem Felsenkeller-Labyrinth".
von Gabriele Weiß Kontakt Profil

Der Historiker und Archäologe Hans-Werner Robold besitzt nicht nur den Schlüssel zu dieser faszinierenden Welt, er hat auch maßgeblich dafür gesorgt, dass sie erschlossen wurde. Denn die alten Keller waren in eine Art "Dornröschenschlaf" versunken, nachdem sie im Zweiten Weltkrieg beim verheerenden Luftangriff auf die Stadt noch Tausenden Menschen das Leben gerettet hatten.

Nach Kriegsende wird Schwandorf wieder aufgebaut, zur alteingesessenen Bevölkerung kommen Tausende Heimatvertriebene und Flüchtlinge. In den Felsenkellern landet der Kriegsschutt, "und man wollte dann wohl auch nicht mehr an dieses Trauma erinnert werden", sagt Hans-Werner Robold. Die Gewölbe geraten in Vergessenheit. Erst in den 90er Jahren führt der Kreisheimatpfleger wieder Besucher in einen der Keller. Hans-Werner Robold, damals Mitglied im Schwandorfer Höhlenverein, liest davon in der Zeitung und bittet um Zugang. Es wird der Anfang einer Erfolgsgeschichte: Die damalige Pressesprecherin der Stadt hat die Idee, aus den Gewölben mehr zu machen. Hans-Werner Robold wird als Felsenkellerbeauftragter angestellt.

Mit 130 Kellern hat das Felsengewölbe unter der Stadt gigantische Ausmaße.

Über 130 Räume umfasst das unterirdische Labyrinth. "Sie waren aber nicht alle touristisch erschließbar", sagt Robold, der das Projekt 1999 startete. Innerhalb von neun Jahren wurden nach und nach 60 Keller begehbar gemacht. Die Schwandorfer "Unterwelt" zählt inzwischen zu den größten Sehenswürdigkeiten der Stadt, es gibt einen "Kulturkeller", Gruppen- und Erlebnisführungen. Einzigartig an den Felsenkellern ist deren Ausdehnung und komplexe Anlage mit teilweise drei Etagen übereinander.

Das regte wohl auch die Fantasie der Schwandorfer an. Nach ihrer Wiederentdeckung machten wilde Gerüchte über die Geschichte der Gewölbe die Runde. "Die Leute erzählten, sie stammten noch von den Kelten oder dass dort früher Eisenerz abgebaut wurde", sagt Hans-Werner Robold. "Das ist natürlich Unsinn." Der wahre Zweck der Felsenkeller war vielmehr ganz profan - sie wurden Ende des 15. Jahrhunderts für die Lagerung von Bier in den Fels geschlagen.

80 Kommunbrauer zählte die Stadt noch im Jahr 1812 und damit auch 80 Felsenkellerräume. Mit dem Aufkommen der Privatbrauereien "wurden die Keller dann nochmals gigantisch erweitert auf 130 Räume", erzählt Robold. Ab den 1920er Jahren dienten sie vermehrt als Lager "für alles Mögliche - Schnaps, Kaffee, Metzgereiwaren". Nach ihrem Einsatz als Luftschutzbunker wurde es dann still um die Gewölbe - bis zu ihrem beeindruckenden Comeback als Tourismusattraktion.

Info:

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