23.11.2021 - 12:34 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Weitere Drogen-Anklagen folgen: Gericht stellt Verfahren wegen Joint ein

Ein Joint bringt einen 20-Jährigen vor das Schwandorfer Jugendgericht. Er kommt glimpflich davon. Über ihm braut sich allerdings erheblicher juristischer Ärger zusammen.

Das Verfahren gegen einen 20-Jährigen wegen eines gefundenen Joints wurde eingestellt. Auf den jungen Mann kommt aber in nächster Zeit weiterer juristischer Ärger zu.
von Clemens Hösamer Kontakt Profil

Beinahe war der junge Mann überrascht, dass er sich "nur" wegen eines Joints vor dem Schwandorfer Jugendgericht verantworten musste. Die Vorsitzende, Amtsgerichtsdirektorin Petra Froschauer, brachte jedoch schnell zu Tage, dass auf den jungen Mann noch ganz erhebliche Schwierigkeiten zukommen.

Die Polizei hatte im August dieses Jahres in der Wohnung der Freundin des jungen Mannes einen Joint und weitere Drogenutensilien entdeckt. Eher zufällig: Sie brachte der jungen Frau ein Handy zurück, das im Zuge einer Hausdurchsuchung im Landkreis-Osten einige Wochen vorher sichergestellt worden war. So schilderte es ein Polizeibeamter, der am Dienstag als Zeuge aussagte. Der Angeklagte sei zwar nicht da gewesen, habe aber zugegeben, dass der Joint und die Drogenutensilien ihm gehören.

Weitere Vorwürfe

Das gestand der 20-Jährige auch vor Gericht. Was der Polizist allerdings noch auf den Tisch brachte: Anzeigen wegen einfacher und gefährlicher Körperverletzung bei Vorfällen kurz vor dem Joint-Fund. Und: Ein an die Kriminalpolizei abgegebenes Ermittlungsverfahren sei noch offen, bei dem es um eine größere Menge Ecstasy-Tabletten geht. Die Drogen wurden in einem Rucksack gefunden, der auch dem jungen Mann gehören soll.

"Ich habe eigentlich auch gedacht, ich bin wegen des Rucksacks da", meinte der Angeklagte. Er steckte tief im Drogensumpf, jetzt sei er seit einigen Wochen clean. Genauer gesagt, seit er einen Wochenendarrest absitzen musste, zu dem ihn das Schwandorfer Jugendgericht wegen Drogenbesitzes verurteilt hatte. "Das hat mir die Augen geöffnet. Ich will kein Krimineller sein", sagte der 20-Jährige. Er nutze jetzt die Suchtambulanz der Caritas, eine Langzeit-Therapie ist beantragt.

Erschütternder Lebenslauf

Der Lebenslauf des Angeklagten, den Froschauer aus den Erkenntnissen der Jugendgerichtshilfe zitierte, ist erschütternd. Die Mutter im Drogenmilieu, ADHS-Diagnose, betreute Wohngruppen, und immer wieder die Oma im Landkreis Schwandorf als Rettungsanker. So lange es ging, denn offenbar wurde der 20-Jährige unter Heroin, Kokain und Crystal aggressiv. So sehr, dass die Oma ihn vor die Tür setzte, ihn dann aber doch wieder aufnahm. Zeiten der Obdachlosigkeit liegen ebenso hinter dem jungen Mann wie Krankenhausaufenthalte wegen Überdosen und eine gescheiterte Drogentherapie. Eine Zeit lang "logierte" der 20-Jährige wohl auch in einer Schwandorfer Wohnung, die als Treffpunkt Abhängiger bekannt war.

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"Das hört sich nicht so sehr geläutert an", sagte Froschauer nach der Aussage des Polizeibeamten, der die weiteren Ermittlungen vorgebracht hatte. "Irgendwann muss jeder anfangen, aufzuhören", antwortete der Angeklagte, seit den Vorfällen im Sommer sei er jedenfalls sauber.

"Was da noch alles auf Sie zukommt, ist erschreckend", bilanzierte die Amtsgerichtsdirektorin. Dem Angeklagten drohe möglicherweise die Anklage vor dem Jugendschöffengericht, dann steht eine Jugendstrafe im Raum. Auf Antrag von Staatsanwalt Sebastian Eckl stellte Froschauer das Verfahren wegen des Joints vorläufig ein – weil im anstehenden Verfahren wesentlich härtere Strafen zu erwarten sind, angesichts derer eine Ahndung wegen des Besitzes einer Konsumeinheit Cannabis nicht ins Gewicht fallen würde.

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Amtsgerichtsdirektorin Petra Froschauer zum Angeklagten.

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