14.11.2018 - 13:47 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Energiewende fehlt die Puste

Je größter der Anteil an erneuerbarerer Energie, desto kräftiger ist die Farbe im bayerischen Energie-Atlas. Der Landkreis Schwandorf schaut da etwas blass aus. Die Grenzen sind längst abgesteckt, aber ein Feld mit Potenzial gibt es doch.

Der Windpark Pamsendorf bleibt vorerst die größte Windkraftanlage im Landkreis. Drei neue Windräder sind für den Bereich Feistelberg (Wernberg-Köblitz) geplant, bei dem für Niesaß (Oberviechtach) anvisierten Windrad ist unklar, ob es noch realisiert wird.
von Monika Bugl Kontakt Profil

Seit 2011 ist die Energiewende in Bayern beschlossene Sache. Doch seither gab es auch so manche Rückschläge auf dem Weg zu erneuerbarer Energie, die Flächen beansprucht oder den Blick verstellt. Investoren haben kräftig Gegenwind bekommen, und manches Projekt wurde von besorgten Bürgern schlichtweg umgepustet. Erneuerbare Energien hatten 2016 bayernweit einen Anteil von 46 Prozent am Gesamtstromverbrauch, der Landkreis Schwandorf kann jedoch nur 34 Prozent an erneuerbarer Energie zum Bedarf beisteuern. Die Nachbarlandkreise sind da schon deutlich besser aufgestellt - aus ganz unterschiedlichen Gründen.

Wer einen Blick auf den Fortschritt der Energiewende in Bayern werfen will, findet dazu jede Menge Daten im Internet, und zwar im Energie-Atlas Bayern. Schwandorf ist in dieser Statistik beim Anteil erneuerbarer Energien am Gesamtstromverbrauch bei den Landkreisen in der zweitschlechtesten Kategorie (25 bis 50 Prozent). Eine Stufe besser stellen sich die umliegenden Landkreise mit einem Anteil von 50 bis 100 Prozent dar, der Landkreis Neumarkt schafft sogar noch mehr. Und der Vergleich mit den Nachbarkreisen sieht auch dann nicht wesentlich besser aus, wenn man die erneuerbaren Energien nur in Relation zum Stromverbrauch privater Haushalte stellt.

Wer an der Autobahn A 93 an großen Photovoltaik-Flächen vorbeifährt, könnte in der Region durchaus ein größeres Plus vermuten. Tatsächlich decken laut Energie-Atlas (Stand Dezember 2016) alle Photovoltaikanlagen im Landkreis Schwandorf nur 16 Prozent des Strombedarfs, 12 Prozent steuert Biomasse bei, dann folgen abgeschlagen mit 4 Prozent Wasserkraft und Windkraft mit 2 Prozent.

Der Nachbarlandkreis Amberg-Sulzbach (27 Prozent Windenergie) sammelt da beispielsweise deutlich mehr Prozentpunkte mit Windrädern, in Cham und Neustadt liefern Bioenergie und Photovoltaik wesentlich mehr Energie. Und es sieht nicht so auf, als könnte der Landkreis Schwandorf noch groß aufholen.

Nur unter Protest

"Windkraft ist eigentlich kaum noch möglich, ohne dass das zur Bürgerprotesten führt", meint Hans Prechtl, Pressesprecher am Landratsamt und fügt hinzu: "Wir sind hier auch nicht der klassische Wind-Landkreis." Derzeit drehen sich im Landkreis 8 größere Windräder: eines in Penting bei Neunburg, 2 in Deindorf (Wernberg-Köblitz) und 5 in Pamsendorf (Stadt Pfreimd). Ob eine geplante Anlage in Niesaß bei Oberviechtach realisiert wird, ist noch offen. "Das Verfahren ruht, der Antragsteller hat bis Jahresende Bedenkzeit", berichtet Prechtl über das Projekt, dem ein Rechtsstreit vorausgegangen ist - mit letztlich positivem Ergebnis für den Investor, der nun aber wegen der Vergütung und erforderlicher Gutachten ins Grübeln gekommen ist. Gut stehen die Zeichen dagegen für drei weitere Windräder im Bereich Wernberg-Köblitz. "Nur eine private Einwendung" gibt es laut Bürgermeister Konrad Kiener, der zuversichtlich ist, damit die Kohlendioxid-Bilanz des Marktes deutlich zu verbessern. Doch damit scheint auch schon das Ende der Energiewende auf diesem Sektor eingeläutet. "Die 10-H-Regel hat die Windenergie in Bayern so gut wie tot gemacht", sagt Christian Deglemann, Betreiber des Windparks Pamsendorf. "Fast alle aktuellen Fälle sind eigentlich Altfälle, die sich etwas hingezogen haben." Dabei sei Wind ein richtiger "Energiebringer". Was bei der Ausschöpfung regenerativer Energiequellen noch funktioniere, sei Photovoltaik, doch auch in diesem Bereich seien viele Gemeinden ziemlich restriktiv.

Für eine größere Ausbeute an Sonnenenergie gibt es nicht viele Flächen, die in Frage kommen. Und nicht immer ist so ein Projekt genehmigungsfähig oder willkommen. Der "Solarpark Ansdorf" im Schwarzachtal bei Wölsendorf jedenfalls wird nicht realisiert. Damit bleiben insgesamt 8 Solarparks auf Landkreis-Flächen, mit der Fronberger Anlage auf dem Gebiet der Stadt Schwandorf sind es 9. Die Standorte: Neusath (an der A 93), Stulln (ehemalige Ziegelei), Irrenlohe, Ponholz, Eckendorf bei Nabburg , Oberviechtach (Industriegebiet West), Neukirchen-Balbini und Neunburg (Industriestraße).

"Bei den Solarparks kann man sich vorstellen, dass noch der ein oder andere dazukommt", kalkuliert Pressesprecher Hans Prechtl und hat dabei vor allem Konversionsflächen an der Autobahn im Blick. In Neunburg sind vor wenigen Tagen erst Pläne für einen Solarpark auf landwirtschaftlichen Flächen gebilligt worden. Doch für das, was sich auf privaten Dächern tut, gibt die Datensammlung im Landratsamt kaum Aufschluss, denn nur mit Ständerbauweise und im Zuge von Neubauten landen Photovoltaik-Anlagen bei der Behörde auf dem Tisch. "Es sind auf jeden Fall weit über 1000 Dächer", schätzt Prechtl.

Fokus auf Speicher

Was Biomasse betrifft, so hat dieser Bereich aufgrund der EEG-Novellierung von 2017 für Investoren deutlich an Attraktivität eingebüßt, da die Vergütung über eine Ausschreibung geregelt wird. Da rückt dann ein ganz neues Feld in den Blickpunkt: Energiespeicher. "Die Technologie dazu ist da, aber bis dato hat man versäumt, sich mit dieser Thematik bayernweit zu beschäftigen, das hat die Politik noch nicht auf dem Radar", meint Deglmann. Lediglich im Pumpspeicherkraftwerk Trausnitz nutzt man diese Nische, die die Stromproduktion zu Spitzenzeiten "glätten" könnte. Deglmann fände in diesem Zusammenhang beispielsweise eine ähnliche Förderung wie bei kleinflächiger Photovoltaik überlegenswert und ist überzeugt: "Da steckt noch Potenzial drin."

Überblick über die Energiewende in Bayern unter https://www.energieatlas.bayern.de

Info:

Energie-Atlas Bayern

Der Energie-Atlas Bayern stellt Bürgern, Kommunen und Unternehmen Informationen und Werkzeuge zur Umsetzung der Energiewende zur Verfügung. Das Internetportal der bayerischen Staatsregierung will damit Zukunftsprojekte unterstützen und einen Überblick über die Aktivitäten geben. So gibt es Infos zu Technologien, Förderprogrammen und Genehmigungen. Karten mit Daten aus ganz Bayern lassen die Fortschritte sichtbar werden.

Überblick über die Energiewende in Bayern unter

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