24.11.2021 - 16:35 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Familienvater wartet über eine Woche auf amtlichen Isolationsbescheid

Ein Familienvater bekommt die Diagnose: Corona. Sofort begibt er sich in Isolation und wartet auf Anweisungen des Gesundheitsamtes Schwandorf – über eine Woche lang. Seine Quarantäne könnte enden, bevor er offiziell informiert wird.

Nico Althaus hat, wie der Mann auf diesem Foto, einen PCR-Test machen lassen. Der kam mit positivem Ergebgnis zurück. Seinen Isolationsbescheid vom Landratsamt hat er auch über eine Woche nach dem Test nicht.
von Julian Seiferth Kontakt Profil

Ein positiver Corona-Test ist im schlimmsten Fall eine gesundheitsgefährdende, im günstigsten aber zumindest eine nervige Angelegenheit. So auch bei Nico Althaus (Name von der Redaktion geändert). Der Familienvater aus dem südlichen Landkreis Schwandorf hielt am Sonntag, 14. November, trotz Doppel-Impfung einen positiven Schnelltest in der Hand, die PCR-Test-Bestätigung erfolgte zwei Tage später am Dienstag. Er beginnt, auf Anweisungen des Gesundheitsamtes zu warten.

Bis hierhin eine Geschichte, wie sie sich in den vergangenen eineinhalb Jahren wohl tausendfach zugetragen hat. Doch Althaus erzählt sie am Freitagnachmittag, eine halbe Woche nach seiner PCR- und fast eine Woche nach seiner Schnelltest-Diagnose.

"Perplex ob der Desorganisation"

Ein Anruf seiner Frau am Freitag in Schwandorf macht wenig Hoffnung auf schnelle Antwort. Man sei noch damit beschäftigt, die Fälle der Vorwoche zu verarbeiten, heißt es aus dem Gesundheitsamt dazu. Es gibt ein paar allgemeine Hinweise, die wenig mit dem konkreten Fall zu tun haben. Althaus, der zu diesem Zeitpunkt keine Symptome zeigt, muss wohl noch warten.

Er nimmt die Sache also selbst in die Hand, googelt Quarantäne-Regeln, informiert eigenmächtig sein Umfeld. Dass die Behörden in der vierten Welle mit der Kontaktverfolgung vor einer Herkules-Aufgabe stehen, das sei ihm klar, sagt der Familienvater. "Trotzdem bin ich ehrlich perplex ob dieser Desorganisation."

Diese werde dann zur Gefahr, wenn Betroffene nicht täten - oder tun könnten - was er getan habe. "Andere setzen sich dann vielleicht nicht stundenlang hin, informieren sich auf eigene Faust, wissen, dass sie jetzt auch die Kinder jeden Tag testen lassen müssen." Trotz der Eigen-Recherche habe er nicht alle seine Fragen selbst beantworten können. "Ich bin geimpft und gehöre nicht zur Risiko-Gruppe. Trotzdem ist das für mich und meine Familie belastend", erzählt er uns.

Keine Hilfe vom Amt

Dienstagmittag, Althaus meldet sich via WhatsApp. "Das Gesundheitsamt hat sich nach wie vor nicht bei mir gemeldet. Ich bin jetzt seit zehn Tagen in Isolation!" Sein Schnelltest ist inzwischen besagte zehn Tage, der PCR-Test und damit die Benachrichtigung ans Gesundheitsamt eine Woche alt. Wie soll er mit den Symptomen umgehen, die Althaus inzwischen entwickelt hat? Kann er sich freitesten? "Keine Ahnung. Woher soll ich das auch wissen? Ich weiß ja nicht, ab wann das geht. Genau das sollte mir doch das Gesundheitsamt mitteilen. Genau da liegt mein Problem."

Mittwoch, der achte Tag nach dem PCR-Test. Althaus hat sich inzwischen auch die Informationen darüber, wann er sich trotz Symptomen freitesten kann, selbst besorgt - nämlich am darauffolgenden Donnerstag. Der Brief aus Schwandorf lässt weiter auf sich warten, dabei wäre er wichtig: Jedes Gesundheitsamt kann die Vorgaben anpassen. Für Schwandorf gilt laut Landratsamt-Pressesprecher Hans Prechtl 14 Tage Isolation ab Symptombeginn oder PCR-Test.

Warum eigentlich ein Brief, keine Mail oder Anrufe? Betroffene würden auch telefonisch kontaktiert, sagt Manuel Lischka, stellvertretender Pressesprecher der Behörde. "Leider ist ein nicht unerheblicher Teil nicht erreichbar, auch nach mehrmaliger Kontaktaufnahme nicht. Mailadressen sind uns nicht bekannt." Gegenüber dem Arbeitgeber brauche es die Bescheinigung des Gesundheitsamtes außerdem nicht - ein positiver PCR-Test reiche für eine Krankschreibung.

Fälle steigen exponentiell

Generell liege die Kontaktverfolgung nicht mehr in den Händen der Gesundheitsämter. "Daher sind die Bürger nochmals explizit dazu aufgerufen, ihre Kontakte selbständig über die Infektion zu informieren." Familienmitglieder und Personen, die mit der infizierten Person in einem Haushalt leben, stehen - außer sie sind geimpft oder genesen und symptomfrei - unter Quarantäne. Für diese Kontaktpersonen beträgt die Quarantäne zehn Tage ab dem letzten Kontakt zur infizierten Person. Für Kontaktpersonen im gleichen Haushalt beträgt die Quarantäne zehn Tage ab dem positiven Abstrich. Alle anderen engen Kontaktpersonen stehen nicht unter Quarantäne.

Wann Nico Althaus mit Post aus Schwandorf rechnen kann, das kann und will Lischka nicht garantieren. "Wir arbeiten die Fälle nach und nach ab, aber ein genauer Zeitpunkt kann nicht mitgeteilt werden - zumal die Fälle ja exponentiell steigen." Will Althaus seine Quarantäne nach frühestens 14 Tagen selbstständig beenden, muss er laut Hans Prechtl mindestens 48 Stunden symptomfrei sein sowie einen negativen Schnell- oder PCR-Test vorlegen, den er dem Gesundheitsamt unter entlassung@ landkreis-schwandorf.de zuschicken muss.

Probleme im Impfzentrum Nabburg

Nabburg

"Wir arbeiten die Fälle nach und nach ab."

Manuel Lischka, stellvertretender Pressesprecher des Landratsamtes Schwandorf

Manuel Lischka, stellvertretender Pressesprecher des Landratsamtes Schwandorf

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