12.02.2020 - 16:31 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Forschungsprojekt in Schwandorf: Streusalz aus dem Müllkraftwerk

Der Zweckverband Müllverwertung Schwandorf (ZMS) setzt auf High-Tech: Wenn das Forschungsprojekt klappt, könnte aus Rückständen der Rauchgasreinigung Streusalz gewonnen werden.

Im Müllkraftwerk Schwandorf wurden im vergangenen Jahr 449000 Tonnen Abfälle verbrannt. Das waren rund 15000 Tonnen mehr, als zu Beginn der Jahres prognostiziert.
von Clemens Hösamer Kontakt Profil
Müllkraftwerk: Zahlen und Daten:

Millionen Liter Heizöl ersetzt

Der Zweckverband Müllverwertung Schwandorf, ZMS, beschäftigt 242 Mitarbeiter. Im Müllkraftwerk Schwandorf wurden vergangenes Jahr rund 449000 Tonnen Abfälle verbrannt, rund 15000 Tonnen mehr als kalkuliert. Das war möglich, weil der Heizwert des angelieferten Abfalls niedriger war als erwartet. Mit der Energie wurden 1,57 Millionen Tonnen Dampf produziert, knapp 500000 Tonnen davon an die Nabaltec abgegeben. Das entspricht einer Energiemenge von etwa 386000 Megawattstunden (MWh). 77300 MWh Fernwärme wurden ins Schwandorfer Netz gespeist. Die Menge ersetzt etwa 7,7 Millionen Liter Heizöl. 213000 MWh Strom erzeugte das Kraftwerk, 161000 davon wurden ins Netz gespeist. Die Photovoltaikanlage auf der Deponie Mathiaszeche erzeugte rund 1920 MWh Strom. 92500 Tonnen Schlacke blieben nach der Verbrennung übrig. Daraus wurden rund 4000 Tonnen Schrott gewonnen und verkauft. 19500 Tonnen Rückstände aus der Rauchgasreinigung wurden zur Entsorgung abgegeben. Der tag der offenen Tür zum 40-Jährigen Bestehen war ein voller Erfolg: Rund 12000 Gäste besuchten im Oktober 2019 laut Verbandsvorsitzendem Thomas Ebeling das Kraftwerk. (ch)

Der ZTMS investiert in diesem Jahr rund 3 Millionen Euro in die Aufstockung des Technikgebäudes, um neue Büroräume zu schaffen. So wird Platz für das Personal geschaffen, das zusätzliche, technische Verwaltungsaufgaben übernimmt. Das erläuterten ZMS-Verbandsvorsitzender Landrat Thomas Ebeling und Verbandsdirektor Thomas Knoll beim Jahres-Pressegespräch am Dienstag.

Dazu kommt eine weitere Investition, bei der ZMS neue Wege geht: Die Schlackeaufbereitung muss nach 40 Jahren erneuert werden. Bislang gewinnt der ZMS nur Eisenmetalle aus der Schlacke. Rund 1,2 Millionen Euro nimmt der Verband mit dem Verkauf des Eisenschrotts jährlich ein. Nun sollen mit einem Wirbelstromverfahren auch Nichteisenmetalle wie Aluminium zurück gewonnen werden. Hier erwartet sich Knoll einnahmen in gleicher Höhe. "Das rechnet sich nach zweieinhalb Jahren", so der Verbandsdirektor. Bislang gewannen Dienstleister, an die der ZMS die Schlacke zur Entsorgung abgibt, die Nichteisenmetalle zurück. Die Schlacke wird im Bergbau verfüllt.

Auch "Bioleaching" testet der ZMS zusammen mit einem Partner. Hier wird die Schlacke mit Bakterien "geimpft", die zum Beispiel Kupfer aus der Schlacke lösen.

Der Rückstände aus der Rauchgasreinigung haben Forscher ebenfalls ins Visier genommen. In den Filtern sammelt sich unter anderem Zink. Das Start-Up "Esy Labs" mit Sitz in Regensburg entwickelt laut Knoll ein Verfahren, mit dem auf chemischem Wege dieses Zink zurückgewonnen werden könnte. Neben dem Metall ergäben sich quasi als "Nebenprodukt" Natriumchlorid - also Kochsalz - und Calziumchlorid. Beides könnte als Streusalz zum Einsatz kommen, meinte Thomas Knoll. Außerdem müssten weniger Abfälle aus der Rauchgasreinigung entsorgt werden. Sie werden im Kali-Bergbau als Auffüllmaterial verwendet.

Die Lage auf dem Gewerbemüll-Markt hat sich laut Ebeling etwas entspannt. Der Annahmestopp im vergangenen Jahr sei unumgänglich gewesen, zumal der ZMS nicht zur Entsorgung des Gewerbeabfalls verpflichtet ist. "Wir können nicht 600000 Tonnen Müll verbrennen, so viel war auf dem Markt", sagte Knoll. Besonders aus dem Bereich der Automobilzulieferer komme weniger Müll, sagte Knoll. Die Bauwirtschaft brumme offenbar weiter.

In der Sortieranlage in Bodenwöhr wurden laut Ebeling rund 11000 Tonnen Sperrmüll bearbeitet, etwa die Hälfte davon konnte wieder in den Stoffkreislauf abgegeben werden und landete nicht im Kraftwerk.

Das Technikgebäude - hier die Ansicht von Süden her - wird aufgestockt, um Platz für die Mitarbeiter zu schaffen.

Anlieferstopp im April 2019

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Tausende Gäste im Müllkraftwerk

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