17.12.2018 - 17:54 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Fragen als Waffe gegen Rassismus

Die Nazi-Band "White Aryan Rebels" singt vor 17 Jahren: "Die Kugel ist für Dich, Mo Asumang." Anfangs ist die Moderatorin und Schauspielerin wegen der Morddrohung wie gelähmt vor Angst. Heute sagt sie: "Fragen stellen ist meine Waffe."

Rund 200 Schüler lauschten am Montag dem Vortrag von Mo Asumang. Die Schauspielerin und Dokumentarfilmerin sprach über ihre Erfahrungen mit Rasissumus und Begegnungen mit Nazis und Mitgliedern des Ku-Klux-Klans.
von Christopher Dotzler Kontakt Profil

Vor 30 Jahren verübte ein Schüler der Berufsschule Schwandorf einen Brandanschlag auf das "Habermeier-Haus". Vier Menschen starben damals. Lehrer und Demokratie-Beauftragter Günter Kohl erklärte am Montag: "Der Schüler war im Unterricht ruhig, wir wussten aber, dass er ein Nazi war." Deshalb stellt er sich noch heute die Frage: Hätten er uns seine Kollegen genauer hinschauen oder besser handeln können? Seit Jahren engagiert Kohl sich gegen Rechtsextremismus, holte beispielsweise Aussteiger aus der Nazi-Szene an die Schule.

Bei der Gedenkfeier in der Aula des Beruflichen Schulzentrums Oskar-von-Miller erklärte er, dass es stets einen Widerstand gegen Rechtsradikalismus braucht. Kohl erinnerte daran, dass der ehemalige Schüler, der den Brandanschlag am 17. Dezember 1988 verübte, zwölfeinhalb Jahre in der JVA Straubing eine Jugendhaft absitzen musste. Das Tragische dabei: "Er ist mit der selben Gesinnung wieder rausgekommen, wie er zwölfeinhalb Jahre zuvor reingekommen ist." Mittlerweile sei Josef S. seines Wissen in den neuen Bundesländern in der Naziszene untergetaucht.

Mit Pistole bedroht

Vor 30 Jahren: Anschlag auf "Habermeier-Haus" in Schwandorf

Schwandorf

Am Montag kam Mo Asumang nach Schwandorf. Die 55-Jährige reiste von Berlin an und ist als Fernsehmoderatorin ("Liebe Sünde"), Schauspielerin (Nebenrolle im Roman-Polanski-Film "Der Ghostwriter" mit Ewan McGregor und Pierce Brosnan) und vor allem für ihre Dokumentarfilme "Roots Germania" und "Die Arier" bekannt. In letzterem spürt Asumang dem Begriff Arier nach, konfrontiert Nazis auf Demonstrationen und spricht mit Ku-Klux-Klan-Mitgliedern.

Antrieb für die Doku waren die rassistischen Erfahrungen, die Asumang - ihre Mutter ist eine Deutsche, ihr Vater ein Ghanaer - gemacht hat: Als sie Taxi-Fahrerin war, zog ein Mann eine Neun-Millimeter-Pistole hervor und hielt sie ihr an die Stirn. Ein anderer Mann würgte sie in der Straßenbahn, zog sie nach oben, so dass ihre Beine in der Luft baumelten - alle Fahrgäste schauten weg. Aber vor allem: 2001 grölte die Nazi-Band "White Aryan Rebels": "Die Kugel ist für Dich, Mo Asumang." Vor 200 Schülern gestand die 55-Jährige: "Das war ein Volltreffer ins Epizentrum meiner Angst." Zuerst zog sich die Moderatorin zurück, irgendwann sagte sie sich: "Ich will diese Leute kennenlernen." Daraus entstand die Doku "Die Arier", die am Montag den Schülern gezeigt wurde.

Reise als Selbstversuch

Asumang konfrontierte für den Beitrag Menschen mit rechtsradikalem Gedankengut. Scheinbar unbedarft. Dabei entlarven sich die Rassisten oft selbst. Etwa wenn ein Ku-Klux-Klan-Mitglied samt weißer Robe und Haube vor Asumang steht und behauptet, kein Rassist zu sein. Oder wenn der US-Amerikaner Tom Metzger von Rassismus als Business spricht. Die 55-Jährige ließ sich bei ihren Begegnungen mit den Nazis nie aus der Ruhe bringen und betrachtete die Reise zu Rassisten in Deutschland und Amerika als Selbstversuch. Mit der Erkenntnis: "Das war wir leisten können ist, kurze, kleine Fragen zu stellen." Seite 6

Das war ein Volltreffer ins Epizentrum meiner Angst.

Mo Asumang über die Morddrohung der Nazi-Band „White Aryan Rebels“

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