22.09.2021 - 17:01 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Frust über Pooltests an Grundschulen im Landkreis Schwandorf

Die Lolli-Pooltests für Grund- und Förderschulen sollten in den Klassen für Sicherheit vor der vierten Welle der Pandemie sorgen. Doch für den Moment bringen sie vor allem Organisationschaos und schlechte Laune bei Schulleitungen mit sich.

Ein Set des sogenannten Lolli-Tests (PCR-Pooltest) steht in einem Klassenzimmer. Die Umstellung der Coronatests in den bayerischen Grund- und Förderschulen sorgt noch für Schwierigkeiten.
von Julian Seiferth Kontakt Profil

Die Idee klingt auf dem Papier gut: Pooltests sollen Grundschülern den Start ins neue Schuljahr ermöglichen. So, zumindest in der Theorie der Staatsregierung, soll der Schulalltag für die Jüngsten, für die es keine Impfempfehlung gibt, aber auch für Lehrkräfte, sicher vonstatten gehen. Sogenannte Lolli-Tests versprachen eine für die Kinder leichter auszuhaltende Methode.

Auch im Landkreis Schwandorf ist das Programm bereits angelaufen. Laut Hans Prechtl, dem Pressesprecher des Landratsamtes, hätten bis Dienstag zwei Drittel der Grund- und Förderschulen im Landkreis mit den Tests begonnen, der Rest solle im Laufe der Woche folgen. So weit, so gut, könnte man meinen.

Doch ganz so unkompliziert wie im Kultusministerium erdacht, ist die Lage wohl nicht. Ein Schulleiter aus der Region, der seinen Namen nicht in den Medien lesen möchte, beschreibt seine Haltung mit einem Beispiel aus seinem Arbeitsalltag: "Wenn ein Arbeitgeber anruft und mich um eine Einschätzung zu einem meiner Schüler bittet und ich verweigere den Kommentar, dann weiß der, woran er ist. In diesem Sinne: Kein Kommentar." Hier gilt: Keine Aussage ist auch eine Aussage - in diesem Fall eine recht deutliche.

Die Situation ist in ganz Bayern angespannt, wie Simone Fleischmann, Vorsitzende des Bayerischen Lehrerinnen- und Lehrerverbandes (BLLV) sagt - auch wenn das bayerische Verfahren ein besseres ist als beispielsweise in Nordrhein-Westfalen, wo Einzeltests erst nach positiven Gruppen-Tests durchgeführt werden: "Bei uns werden im Klassenzimmer zwei Proben genommen. Ist der Pool positiv, kann man sofort und ohne weiteren Aufwand auf die Einzelproben zurückgreifen und daran erkennen, welches Kind positiv ist."

Bayerischer Weg eine Verbesserung

Fleischmann hält den bayerischen Weg für eine Verbesserung und Pool-Tests für ein Mehr an Sicherheit. Und doch ist es wieder mal die Umsetzung, die Probleme bereitet. "Die ganze Organisation liegt wieder bei unseren Schulleitungen. Dass hier eine Woche Vorlaufzeit zu knapp war, hätte sich das Kultusministerium leicht ausrechnen können." Schon jetzt ist das Feedback aus den Direktoraten vernichtend: "Die Schulleitungen sind nach der ersten Woche schon durch. Wo bleibt eigentlich die Zeit für unseren eigentlichen Auftrag?"

Das neue Schuljahr beginne, wie das alte geendet sei, nämlich mit Hektik, Stress und Druck. "In den Grund- und Förderschulen war am ersten Schultag schon die Hölle los", sagt Simone Fleischmann. "Der Schulstart ist ohnehin schon eine große Herausforderung in jedem Jahr - und jetzt braucht es auch noch eine komplette Neuorganisation von diesen PCR-Tests und das natürlich binnen kürzester Zeit."

Zeitlicher Druck ist ein Problem

Bereits im Juli hatte der BLLV Klarheit von der Politik gefordert, Fleischmann nannte das damals das "Bildungspolitische Logbuch". Die Tatsache, dass die Lehrkräfte nun wenige Tage vor Schulbeginn das "völlige neue Konzept vor die Nase gesetzt" bekommen hätten, sei "ein echter Schlag ins Gesicht, eine Missachtung unserer Professionalität und der Realität". "Wir als BLLV können das einfach nicht mehr nachvollziehen." Dennoch: Die Pooltests seien an sich - abgesehen von ihrer überstürzten Einführung - eine gute Sache und machten die Schulen sicherer. Ein Problem sei erneut der zeitliche Druck der Umsetzung in den ersten Schulwochen. "Hoffentlich spielt sich das ein - und hoffentlich lernt auch mal das Kultusministerium dazu", sagt Fleischmann.

Über die weitere Stimmung im Landkreis Schwandorf gaben bis zum Redaktionsschluss am Mittwochabend weder das Landrats- noch das Schulamt des Landkreises Auskunft.

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Bayern
Hintergrund:

So funktionieren Pooltests

  • Seit Wochenbeginn hat das bayerische Kultusministerium die Tests für Schülerinnen und Schüler ausschließlich auf sogenannte Lolli-Tests umgestellt, bei denen das Ergebnis einer Klasse (also des Pools) zweimal wöchentlich erhoben werden soll.
  • Die Kinder (etwa aus einer Klasse) lutschen etwa 30 Sekunden lang an einem Tupfer, wie bei einem Lolli. Alle Tupfer kommen dann gemeinsam in ein Pool-Röhrchen, welches wiederum in der Schule abgeholt und im Labor untersucht wird. Es muss nur ein PCR-Test ausgewertet werden. Das Ergebnis wird laut dem Bayerischen Kultusministerium bis 19 Uhr am Testtag per E-Mail an die Eltern oder Erziehungsberechtigten übermittelt.
  • Ist das Ergebnis des Pool-Tests negativ, dürfen alle Kinder am nächsten Tag am Präsenzunterricht teilnehmen.
  • Bei einem positiven Befund muss schnell herausgefunden werden, welches Kind betroffen ist, damit dieses in Quarantäne geschickt werden kann, während für die übrigen der Präsenzunterricht weiter geht. Daher werden bei jedem Lolli-Test auch Einzelproben der Kinder entnommen.
  • Die Ergebnisse sollen bis 6 Uhr morgens am Folgetag per E-Mail an die Erziehungsberechtigten versandt werden, also bevor die Schule beginnt. Das positiv getestete Kind bleibt dann in häuslicher Quarantäne. (jus)
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