Schwandorf
01.08.2026 - 13:42 Uhr

Gedenken an Schwandorfer Widerstand gegen NS-Regime

Vor 120 Jahren gründet sich im „Pfälzer Hof“ der SPD-Ortsverband Schwandorf. Im „Metropol“, einem Steinwurf weit entfernt davon, erinnern sich die Sozialdemokraten ihrer Geschichte.

Der Chamer Journalist und Buchautor Thomas Muggenthaler erinnerte bei einer Gedenkfeier der Schwandorfer SPD an ostbayerische Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus. Bild: Rudolf Hirsch
Der Chamer Journalist und Buchautor Thomas Muggenthaler erinnerte bei einer Gedenkfeier der Schwandorfer SPD an ostbayerische Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus.

Die Schwandorfer Familien Kuhn, Sichler und Schuierer stehen für den sozialdemokratischen Widerstand gegen den Nationalsozialismus in Schwandorf und mussten dafür schwere Sanktionen erdulden. Daran erinnerten Unterbezirksvorsitzende Marianne Schieder und Ortsvorsitzender Matthias Kuhn bei einer Gedenkveranstaltung am Donnerstag im „Metropol“. Aber auch in anderen Oberpfälzer Städten gab es mutige Männer und Frauen, die sich gegen die Nazi-Herrschaft stemmten und dafür Zuchthaus und KZ riskierten. So wie Hans und Martha Weber aus Regensburg. Ihre Geschichte erzählte der Chamer Journalist und Buchautor Thomas Muggenthaler im voll besetzten „Metropol“ im Podcast-Format.

„Wenn Hitler drankommt, gibt es Krieg“, schreibt Hans Weber in seinem Buch „Ich war ein Moorsoldat“. In seinen heimlich verteilten Schriften rief er zum Widerstand auf, bis er entdeckt und wegen Hochverrats zu vier Jahren Zuchthaus verurteilt wurde. Nach seiner Freilassung 1939 kommt er nach Nordafrika, gerät in Kriegsgefangenschaft und kehrt erst 1947 zurück.

Nie schießen müssen

Weber wird zweiter Bürgermeister seiner Heimatstadt Regensburg und wirkt am Wiederaufbau des Landes mit. Die schlimmen Erlebnisse im Zuchthaus und im Lager hängen ihm bis an sein Lebensende nach. Eines aber habe zu seiner Befriedung beigetragen, wie Journalist Muggenthaler im Gespräch mit Hans Weber erfahren hat. „Ich bin stolz darauf, dass ich nie einen Schuss abgeben musste.“

In seinem für den Bayerischen Rundfunk verfassten Beitrag erinnert Thomas Muggenthaler auch an die Brüder Josef und Franz Mörtl aus Weiden, die ebenfalls Plakate klebten und Zeitungen verteilten, die sie von der Exil-SPD in Prag erhielten und die zum Sturz der Nazis aufriefen. Ihre Agitationen mussten sie mit Zuchthaus und KZ-Internierung bezahlen.

Polizeichef und Kämmerer

Franz kommt anschließend nach Afrika und gerät in amerikanische Gefangenschaft, Josef läuft zu den griechischen Partisanen über und wird österreichischer Freiheitskämpfer. Beide lassen sich nach dem Krieg von den Besatzungsmächten einbinden und machen beruflich Karriere. Josef Mörtl wird Polizeichef in Weiden und gehört für die SPD 18 Jahre lang dem Rat seiner Heimatstadt an. Franz Mörtl zieht an die Donau und wird unter dem damaligen Oberbürgermeister Rudolf Schlichtinger Stadtkämmerer von Regensburg.

„Genau deswegen bin ich seit über 50 Jahren bei der SPD“, versicherte der langjährige Bezirksvorsitzende, Landtagsabgeordnete und Stadtrat Franz Schindler. Das Vorbild jener Frauen und Männer, die sich in der langen Geschichte der Sozialdemokratie für Freiheit und soziale Gerechtigkeit eingesetzt haben, lassen ihn an der Partei festhalten. „Auch wenn die SPD momentan im Umfragetief steckt und sie in der Regierung jeden Mist mitmacht“.

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