14.09.2021 - 12:06 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Gefängnisstrafe nach wilder Verfolgungsjagd

Die wilde Jagd ging über 20 Kilometer: Voraus ein nicht zugelassenes Auto mit einem betrunkenen Fahrer am Steuer, dahinter mehrere Streifenwagen. Am Schwandorfer Amtsgericht gibt es nun die strafrechtliche Quittung für einen 38-Jährigen.

Eine Haftstrafe ohne Bewährung erhielt ein 38-Jähriger, der im Juli vergangenen Jahres in Schwandorf mit dem Auto versucht hatte, vor der Polizei zu fliehen.
von Autor HWOProfil

Das Fahrzeug fiel Amberger Polizeibeamten auf, als sie am 22. Juli letzten Jahres kurz nach 20 Uhr auf der Regensburger Straße in Schwandorf unterwegs waren. Der Mann am Steuer trug keinen Gurt, sein Auto hatte polnische Kennzeichen. Wenige Sekunden später stand fest: Die Nummernschilder passten nicht zu dem Pkw. Von da an wurde es spektakulär.

Der zum Anhalten aufgeforderte Schwandorfer ignorierte die Stoppsignale, gab Gas und raste davon. Ab dann lieferte er sich eine wilde Verfolgungsjagd, die mit Spitzengeschwindigkeiten bis zu 120 Stundenkilometern durch Tempo-30-Zonen im Hochrainviertel führte. Wenige Minuten darauf war die Steinberger Straße erreicht, wo eine Ampel gerade auf Rot stand. Das kümmerte den Amok-Piloten nicht. Er raste weiter, obgleich dort eine Frau gerade den Fußgängerüberweg betreten hatte. Sie brachte sich gerade noch zurück auf den Gehsteig in Sicherheit.

Richtung Steinberg am See gerast

Doch damit nicht genug: Der Mann trat das Gaspedal bis zum Anschlag durch, nahm Kurs auf Steinberg am See. Auf der Staatsstraße 2145 soll er dann nach polizeilicher Einschätzung ein Tempo von 180 Stundenkilometern erreicht haben. Dieser Beobachtung der Polizei widersprach jetzt der zum Prozess geladene Kfz-Sachverständige Hans Bäumler. "136 Stundenkilometer waren die Höchstgeschwindigkeit des Wagens", berichtete er der Amtsrichterin Jennifer Jäger. Gleichwohl hielt es der Experte für möglich, "dass der Tacho des Streifenwagens kurzzeitig 180 Stundenkilometer anzeigte, als er zum Fluchtfahrzeug aufschließen wollte."

Wenige Kilometer nach Steinberg war Endstation. In dem Dorf Kaspeltshub gab es eine Baustelle, an der kein Vorbeikommen war. Der 38-Jährige hielt an und ließ sich festnehmen. Bei weiteren Ermittlungen stellte sich heraus: Mit 1,3 Promille ohne Führerschein am Steuer, der Pkw mit falschen Kennzeichen weder versteuert noch versichert. Das alles waren Straftatenbestände. Hinzu kam, dass die Polizei eine weitere Anzeige wegen eines von dem Mann veranstalteten verbotenen Kfz-Rennens schrieb.

Vor der Richterin legte der Arbeiter nun ein umfassendes Geständnis ab und begründete die Verfolgungsjagd mit "Stress, den ich mit meiner Ex-Frau hatte." In seinem Vorstrafenregister standen bereits zwei Fahrten ohne Führerschein. Eine davon hatte zu sechs Monaten Haft mit Bewährung geführt.

Keine Bewährungschance mehr

Neun Monate Gefängnis ohne Bewährung verlangte Staatsanwältin Vanessa Merl in ihrem Plädoyer. Das, argumentierte Pflichtverteidiger Heinz Ettl, sei wohl angemessen. Allerdings, so fügte er hinzu, könne man seinem Mandanten wegen einer günstigen Sozialprognose durchaus noch einmal eine Bewährungschance geben. Das tat Richterin Jäger nicht. Sie schickte den 38-Jährigen für acht Monate hinter Gitter. Diese Zeit würde sich noch um ein halbes Jahr verlängern, wenn die offene Bewährung von der Justiz widerrufen wird.

In ihrer Begründung sagte die Vorsitzende: "Das war ein verbotenes Kfz-Rennen." Die waghalsige Tour, geführt durch Wohnviertel und Tempozonen, sei gefährlich gewesen und habe nur rein zufällig nicht zu Schäden geführt.

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