01.03.2020 - 19:20 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Haltung zeigen gegen Hass und Hetze

Hass und Hetze mit Haltung begegnen, für die Demokratie kämpfen: Dafür setzen sich rund 350 Demonstranten am Sonntag in Schwandorf ein. KZ-Überlebender Ernst Grube warnt vor der Gewalt der "neuen Nazis und Rassisten".

von Clemens Hösamer Kontakt Profil

Der 87-jährige Ernst Grube überlebte in der NS-Zeit das Ghetto Theresienstadt. Er war einer der Redner bei der Demonstration "Haltung zeigen bei den Wahlen - Gegen Hass und Hetze in den Rathaus", zu dem das Schwandorfer Bündnis gegen Rechtsextremismus aufgerufen hatte. Grube erinnerte an die über 200 Menschen, die seit 1990 von rechtsextremen Tätern ermordet wurden. Moscheen und Synagogen seien beinahe täglich Ziele von Drohungen und Anschlägen. Aber nicht nur Ausländer oder Juden würden von Rechtsradikalen angegriffen, sondern auch Repräsentanten der demokratischen Gesellschaft.

"Rassismus und Menschenverachtung sind keine Meinungen! Ihnen muss entschieden entgegen getreten werden, egal wer sich so äußert", sagte Grube unter Applaus. Die Saat der Hetze gehe auf, das zeigten die Morde in Hanau. Die AfD sei der Kristallisationspunkt und das Sammelbecken der Rassisten und extremen Rechten. "Völkisches Denken, Antisemitismus und antidemokratisches Handeln "gehören bei der AfD zum Programm" sagte Grube. Gerade die Kommunen müssten sich gegen diese Tendenzen wenden. Die kommunale Selbstverwaltung als demokratische Einrichtung zu stärken verlange von uns allen, "dass wir in unserem nahen Umfeld aktiv handeln". Kommunen könnten sich positionieren, "denkt an euren Landrat Hans Schuierer", sagte Grube. "Kommunen können diejenigen schützen, die bedroht sind. Wie das geht, wissen Sie alle."

"Es ist unsere Aufgabe zu widersprechen, wenn abends in der Kneipe mal wieder über Ausländer hergezogen wird", sagte Uschi Maxim vom veranstaltenden Bündnis. Mit der AfD sei keine Politik zu machen, weder in den Parlamenten noch in den Kreistagen oder Gemeindervertretungen. "Die AfD ist der parlamentarische Arm des Rechtsterrorismus in Deutschland", sagte Maxim. Der evangelische Pfarrer Arne Langbein freute sich angesichts der Demonstranten über "das wunderbare Bild von Leuten, die Herz und Hirn haben". Es gelte denjenigen mit Liebe und Einladung zu begegnen, die den Parolen der Extremisten etwas abgewinnen können. "Damit unsere Stadt offen bleibt für alle", sagte der Pfarrer.

Irmgard Gietl (90) nannte es als "fünffache Urgroßmutter meine Pflicht, hier Farbe zu zeigen, um meine Nachfahren vor denen zu schützen, die uns in eine schmutzige, braune Zukunft führen wollen." Es beginne mit Hetzparolen, wie sie das als Kind in der Nazizeit schon erfahren habe. "Geht's zur Wahl und macht's eure Kreuze nur bei den Frauen und Männern, die ohne Hass, ohne Hetze Politik machen".

Franz Schindler sprach für das Schwandorfer Bündnis und erinnerte an den Brandanschlag auf das Habermeierhaus. Er nannte es eine besondere Schande, dass in Schwandorf Neonazis wie die "Prollcrew" auf den Stolpersteinen "herumtrampeln, die wir verlegt haben." Genauso schändlich nannte er es, dass "einer von denen jetzt auch noch die Frechheit hat, für den Stadtrat zu kandidieren". "Wir haben nicht zu dieser Demo aufgerufen, weil wir soviel Angst hätten vor diesen Kaspern von der AfD. Da haben wir es mit Dumpfbacken zu tun, die allerdings gefährlich sind, weil sie Hass und Hetze verbreiten, ohne eine Lösung für auch nur ein einziges Problem dieser schönen Stadt anzubieten".

Für die Musik bei der Veranstaltung sorgten Darius und Cyrus Saleki an ihren Gitarren. Kurt F. Stangl trug zwischen den Reden eigene Gedichte vor.

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