20.08.2020 - 14:36 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Handwerklich gebraut seit 400 Jahren

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Mit Elsbeth von Taufkirchen ging es los. Sie erwarb 1620 das Braurecht zu Naabeck – was der Brauerei und mit ihr der Oberpfalz in diesem Jahr das Jubiläum „400 Jahre Braurecht“ beschert. Heute steht die Schlossbrauerei besser da denn je.

Groß verändert hat sich die Ansicht des Schlosses in den vergangenen vier Jahrhunderten nicht. Die Radierung stammt aus dem Jahr 1620. Damals erwarb eine Elsbeth von Taufkirchen das Braurecht zu Naabeck.
von Thomas Dobler, M.A. Kontakt Profil

Auch wenn Naabeck zuerst im Jahre 1112 erstmals in Gestalt eines gewissen Ulrich der Nabegger in einer Urkunde erwähnt wurde, so darf es als gesichert gelten, dass der Ort selbst schon älter ist. Sehr viel älter, um genau zu sein. Denn wie Brauereichef Wolfgang Rasel berichtet, wurde bei Aushubarbeiten für ein Türmchen am Schloss ein sogenannter Aureleanus gefunden – eine römische Goldmünze. Und die ist ein beredter Beweis dafür, dass schon zu Zeiten des römischen Lagers Castra Regina (Regensburg) Handel an der Naab entlang flussaufwärts getrieben wurde.

Sie lebten also schon lange in der Nachbarschaft des Flusses, die Naabecker und ihre Vorfahren. In den Genuss der Produkte aus einem eigenen Brauhaus kamen sie dann ab dem Jahr 1620. Damals nämlich erwarb eine gewisse Elsbeth von Taufkirchen das Braurecht zu Naabeck – was der Brauerei und mit ihr der Oberpfalz in diesem Jahr das Jubiläum „400 Jahre Braurecht“ beschert. Und auch, wenn das geplante große Jubiläumsfest (wie manch andere Veranstaltung heuer) Corona-bedingt ausfallen muss – nächstes Jahr wird man hoffentlich allerorten wieder feiern können, hofft Brauereichef Wolfgang Rasel.

Nach den Wirren des Dreißigjährigen Krieges, den nur wenige der Naabecker Einwohner überlebten, ging der Besitz von Landwirtschaft und Brauerei im Jahre 1648/49 an die Grafen Spielberg. Ihr Name findet sich übrigens noch heute in Gestalt des leichten Bieres in der Brauerei verewigt. Im Laufe späterer Jahre gehörten Schloss und Brauerei dann ab 1806 den Grafen von Drechsel, die den Besitz allerdings 1889 wieder verkauften.

Christian Streng, Pionier der Brauerei

Mit dem neuen Eigentümer Christian Streng trat ein Pionier ins Licht der Geschichte, der den Betrieb auf eine ganz neue technische Stufe zu heben wusste. Der Bau eines komplett neuen Lagerkellers sowie einer eigenen Mälzerei und eines neuen Siedehauses waren nur drei der zukunftsweisenden Projekte des Brauereibesitzers. Auch die wackelige Brücke über die Naab ließ Streng bald durch eine stabile Eisenkonstruktion ersetzen. Das Unternehmen war damit aufgestellt für eine erfolgreiche Zukunft im Brauwesen. „Streng hat unglaublich viel für das ursprünglich hauptsächlich landwirtschaftlich geprägte Schlossgut getan“, sagt der heutige Brauereichef Wolfgang Rasel.

Die Familie Rasel übernimmt in Naabeck

Irgendwann in den Jahren 1904/1905 stellte sich dem Brauereipionier Christian Streng allerdings die Sinnfrage. Der kinderlose Unternehmer konnte keine familiäre Nachfolge für seinen Besitz realisieren und verkaufte ihn daher an Immobilienhändler. Und das war dann auch bald danach der Moment, in dem die Familie Rasel in Naabeck auf den Plan trat. Im Jahr 1919, also vor mittlerweile mehr als einem Jahrhundert, erwarb Hans Rasel das Schlossgut mit der angegliederten Brauerei. Damals war der Besitz allerdings nach Strengs Pionier-Jahren schon etwas angeschlagen. Und auch die folgende Zeit der Inflation machte es den neuen Naabecker Herren alles andere als leicht. „Das war mit Sicherheit die schwierigste Zeit, die wir mit der Brauerei durchstehen mussten“, erzählt Wolfgang Rasel.

Interview mit Brauerei-Chef Wolfgang Rasel

Schwandorf

Großvater Hans und Großmutter Irmgard (geb. v. Grafenstein) führten Gut und Brauerei in den folgenden Jahren noch mit einem Schwerpunkt auf dem Bereich Landwirtschaft. Allerdings war das Naabecker Bier auch damals schon in der Umgebung bekannt und geschätzt. Während der Zeit des 2. Weltkriegs konnte sich die Familie Rasel für die Brauerei ganz gut selbst versorgen: „Wir hatten eigenes Getreide, die Mälzerei und sogar einen eigenen kleinen Hopfengarten angelegt“, blickt Wolfgang Rasel zurück.

Als Rasels Vater Hans-Jörg gemeinsam mit seinem Bruder Eberhard 1952 die Führung im Familienunternehmen übernahm, hatte die Landwirtschaft allerdings immer weiter an Bedeutung verloren. Die Brüder beschlossen, sich künftig auf das Brauwesen zu konzentrieren – eine zukunftsweisende Entscheidung, für die ihnen viele Bier-Fans noch heute dankbar sind.

Heimdienst ab dem Jahr 1958

Eine Entscheidung, die nun getroffen wurde, war die Initialzündung dafür, dass Naabecker Bier über all in der Oberpfalz bekannt und geschätzt ist. Die Brüder Rasel schickten ab dem Jahr 1958 den Heimdienst auf die Strecke. Statt das Bier umständlich im Krug aus dem nächstgelegenen Wirtshaus holen zu müssen, konnten sich nun die Familien zwischen Regensburg und Weiden, zwischen Neumarkt und Neunburg vorm Wald ihr Naabecker in stabilen Holzkisten mit 20 Flaschen à 0,75 Liter direkt nach Hause liefern lassen.

Die sogenannten „Hausierer“, die – ausgestattet mit einem Wandergewerbeschein – das Bier auf ihren Lastwagen zu ihren Kunden brachten, gehörten zu den Pionieren der Branche auf diesem Gebiet. Und sie trafen damit den Nerv der Zeit: „Die Leute haben das Bier und den Service schätzen und lieben gelernt“, so Wolfgang Rasel.

Als „zweiten großen Pionier der Brauerei nach Christian Streng“ spricht der heutige Brauereichef von seinem Vater. Denn Hans-Jörg erweiterte das gesamte Betriebsgelände, ließ dafür sogar Teile des Berges abtragen, an dem Schloss und Brauerei liegen, und investierte in eine neue Abfüllerei. Im Zuge der Wirtschaftswunder-Jahre brachte er damit das Unternehmen wieder auf den neuesten technischen Stand.

Ära Wolfgang Rasel

Nach Stationen in der Wirtschaftsprüfung und einer Großbrauerei stieg der studierte Diplom-Kaufmann Wolfgang Rasel schließlich vor 34 Jahren nach dem Tod seines kinderlos gebliebenen Onkels 1986 mit in das Familienunternehmen ein. Bis zum Tod seines Vaters 1989 konnte Rasel den Betrieb noch gemeinsam mit ihm führen, seitdem liegt die alleinige Verantwortung in seinen Händen.

Als gelernter Kaufmann entdeckte Wolfgang Rasel auch eine Schwäche: „Wir hatten nie ein eigenes Weißbier.“ Um dieses Manko zu beheben, wurde 1993 die im benachbarten Wiefelsdorf ansässige Weißbierbrauerei Plank übernommen. „Das war einer unserer wichtigsten Schritte, denn der Trend zum Weißbier ist ungebrochen.“ Und so haben heute das Jura Weizen und das Konrad-Max Kunz-Weißbier viele treue Fans an die Brauerei Naabecker gebunden.

Acht Biersorten

Die Schlossbrauerei selbst hat acht verschiedene Biersorten im Angebot. Vom Pils bis zum Märzen und vom Spezial bis zum Bock. "Am besten aber geht immer noch unser Helles", versichert der Inhaber der Schlossbrauerei. Einen Versuch mit Craft- und anderen Trend-Bieren hat Wolfgang Rasel wieder aufgegeben. Dafür aber setzt er verstärkt auf das "Naabecker Alkoholfrei".

Die Schlossbrauerei Naabeck beliefert die gesamte Oberpfalz. Mittlerweile hat sie auch im Raum Regensburg Fuß gefasst. Überdies hat man die Zusammenarbeit mit dem Getränke-Fachhandel verstärkt. Eine neuerliche Erwerbung wurde 2000 getätigt: die Rodinger Brauerei Greiner. „Die braut jetzt ihr Bier in Naabeck, ist aber ansonsten autark.“ Sieben Beschäftige sind in Roding tätig, weitere sieben stehen in Diensten der Wiefelsdorfer Weißbierbrauerei und 42 Frauen und Männer arbeiten für das Stammhaus. Die Schlossbrauerei produziert verschiedene Biersorten, vom Alkoholfreien bis zum Bockbier, aber keine Säfte oder Limonaden.

Nachfolge geregelt

Stets konnte sich der Braucheichef in all den Jahren der Unterstützung seiner Familie sicher sein, wie er heute glücklich bilanziert. Neben Ehefrau Sibylle sind das die beiden Töchter Marlene und Eva. Auch, was die Nachfolge in der Unternehmensführung angeht, war schnell klar, wer künftig welchen beruflichen Weg einschlagen möchte.

Während Marlene in die Fußstapfen ihrer Großmutter tritt und Medizin studiert, wusste Eva schon seit Kindertagen, dass das Brauwesen ihre Zukunft sein sollte. Nach Stationen in England und bei einer Brauerei im Chiemgau, wo sie sich zur Industriekauffrau ausbilden ließ, studiert die künftige Brauereichefin derzeit Wirtschaftspsychologie, um danach mit neuen, frischen Ideen ins Familienunternehmen einsteigen zu können.

Lagerkeller erneuert

In Naabeck werden derweil wieder einmal die Zeichen auf Zukunft gestellt. Wolfgang Rasel lässt im Moment den kompletten Lagerkeller erneuern und zudem noch den Gärkeller erweitern. Schließlich soll ja auch in Zukunft das handwerklich gebraute, frische Bier mit den allerbesten Qualitätsvoraussetzungen ausgestattet zu den Kunden kommen. „Bei uns wird nichts pasteurisiert oder kurzzeitig hocherhitzt und in unser Bier kommen keine genveränderten Zutaten“, sagt Wolfgang Rasel. „Zudem können wir unser eigenes Felsquellwasser in naturreiner Form verwenden und schützen das Quelleinzugsgebiet durch schonenden Waldbau mit Pferden.“ Das, so ist der Brauereichef sicher, hat einen nicht unwesentlichen Anteil daran, dass die Naabecker Biere den Geschmacksnerv der Oberpfälzer so gut treffen. Und das soll auch in Zukunft so bleiben. Möglichst bis zum Jubiläum „500 Jahre Braurecht“. Und wenn‘s geht noch weit darüber hinaus.

Hintergrund:

Erstmals im Jahre 1519 wurde in Naabeck die Schlosskapelle erwähnt. Betritt man heute das zwischenzeitlich von einer Feuersbrunst zerstörte und 1718 etwas verändert wieder aufgebaute Gotteshaus, finden sich noch immer viele interessante historische Hinterlassenschaften. Im Zentrum steht das Altarbild mit dem Erzengel Michael – ihm ist die Kapelle auch geweiht. Allerdings blickt man hierfür mittlerweile gen Norden und nicht, wie bei den früheren Kirchenbauten üblich, nach Osten.

Auch die Empore für die früheren adeligen Besitzer des Schlosses wurde im Zuge des Wiederaufbaus nicht mehr rekonstruiert. Erhalten sind allerdings die Totentafeln der Grafen von Spielberg. Die Überreste der Verstorbenen ruhen mittlerweile nicht mehr in der Gruft auf Naabeck, sondern wurden in die Pfarrkirche von Wiefelsdorf überführt.

Sehr bedauert es Wolfgang Rasel, eine weitere Besonderheit aus früheren Jahren nicht mehr zeigen zu können. Die Kapelle zierten früher „wunderschöne, bordeauxrote Mosaikfenster, die den Heiligen Michael zeigten“, erzählt er. In den letzten Tagen des 2. Weltkrieges allerdings sprengte eine SS-Abteilung die Brücke an der Naab – und durch die damit einhergehende Druckwelle wurden auch die Fenster unwiederbringlich zerstört.

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