15.06.2021 - 14:03 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Hund reißt Rehkitz: Schäfer auf der Anklagebank

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Vom "Täter" liegt ein Foto in den Akten. Er ist fünf Jahre alt und wird als Mischlingshund mit dunklem Fell geschildert. Sein Herrchen sitzt jetzt wegen Jagdwilderei vor Gericht, weil der Vierbeiner bei Teublitz ein Rehkitz gerissen hat.

Ein Rehkitz wie auf diesem Archivbild zu sehen hetzte ein Hütehund und biss es so heftig, dass es verendete.
von Autor HWOProfil

Es begann alles damit, dass ein Wanderschäfer aus der Oberpfalz im Juli vergangenen Jahres seine Herde auf eine Weide bei Teublitz trieb. Dort grasten die Tiere dann schon einige Tage, ehe es zu einem jetzt für strafprozessuale Folgen sorgenden Zwischenfall kam. Dazu erfuhr die Schwandorfer Amtsrichterin Jennifer Jäger gleich zu Beginn: Es gab neben dem Schäfer auch noch einen Gehilfen.

Der Hilfsschäfer hielt gerade Wacht, als einer der zwei die vielköpfige Lämmerschar umkreisenden Hunde plötzlich ausbrach und mit zunächst unbekanntem Ziel wegrannte. Der Vierbeiner hatte ein Rehkitz aufgestöbert. Er hetzte das Tier bis zur Hugo-Geiger-Siedlung, verfolgte es über eine Böschung hinab und biss das Reh mitten auf einer Straße so heftig, dass es vor den Augen mehrerer Zeugen verendete. Dann lief der Mischlingshund zur Herde zurück.

Zwei Burglengenfelder Polizisten kamen zum "Tatort", begannen zu ermitteln und stießen nicht lange danach auf den Herdenbesitzer. Er war eben erst zurückgekehrt und soll dann gesagt haben, der Vierbeiner habe mit Blick auf Feldhasen schon öfter zu solchen Eskapaden geneigt und dabei auch schon Langohren zur Strecke gebracht.

"Hasen verfolgt ja, aber nicht getötet", schränkte der 56-Jährige jetzt vor der Richterin ein. Was ihm Staatsanwalt Johannes Weiß vorhielt, war ein Vergehen der Jagdwilderei. Doch dem Schäfer, der gegen einen Strafbefehl von 90 Tagessätzen Einspruch eingelegt hatte, mochte nicht einleuchten, dass ihn die Justiz zur Rechenschaft ziehe wollte. Diese Ansicht wurde unterstützt von seinem Verteidiger Helmut Mörtl (Regensburg). Er unterstrich: "Hier geht es darum, ob mein Mandant damit rechnen konnte, dass sein Hund ein Reh verfolgt und durch Bisse tötet."

Mörtl verneinte, Richterin und Staatsanwalt bejahten dies. Denn immerhin sei gegenüber der Polizei geäußert worden, dass der Vierbeiner schon mehrfach in Richtung vorbeikommender Hasen davonspurtete und zu Bissen ansetzte. "Aber da ist er immer ohne Beute zurückgekommen", wehrte sich der Wanderschäfer vehement gegen die Vorwürfe, er trage als Hundehalter Verantwortung für den Ausgang der Reh-Hatz.

Es wurde ein langer Prozess. Mit der Frage des Schäfers, wer denn dann die Schuld am Unwesen der Wölfe trage, die seit Jahren in Deutschland Beute reißen? "Das sind wilde Tiere" entgegnete die Vorsitzende. Doch der Mann ließ nicht locker. Gerade jetzt in den sommerlichen Tagen würden wieder viele Rehkitze bei Mäharbeiten verenden, warf er weiter in die Diskussion. Auch dazu müssten in der Konsequenz aller Nachforschungen gegen ihn Schuldige gesucht werden. Bei diesem Argument sah Richterin Jäger ebenfalls keinen Zusammenhang.

Die Stimmung war bis zum Schluss der ersten Verhandlungsrunde aufgeheizt. Der Schäfer sah sich zu Unrecht vor die Justiz geholt und lehnte entrüstet einen Vorschlag der Richterin ab. "Nehmen Sie den Einspruch zurück", hatte sie empfohlen.

Der Prozess um das Rehkitz, den Hütehund und dessen Besitzer geht im Juli weiter. Jetzt müssen neue und bisher nicht gehörte Zeugen kommen. Darunter auch der Hilfsschäfer, der damals die bei Teublitz grasende Herde beaufsichtigte. Weil aus dem Ausland stammend, muss gleichzeitig auch ein Dolmetscher für ihn erscheinen.

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