01.07.2021 - 11:06 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Jugendhilfe: Kosten im Kreis Schwandorf weiter im Griff behalten

Die Kosten der Jugendhilfe steigen im Landkreis Schwandorf Jahr für Jahr. Das Jugendamt will sparen – aber nicht an der Qualität der Betreuung. Personalmangel macht die Aufgabe nicht einfacher.

Wohin entwickeln sich die Kosten für die Jugendhilfe? Eher nach oben, erwarten die Verantwortlichen des Jugendamts.
von Clemens Hösamer Kontakt Profil

Die steigenden Kosten der Jugendhilfe sind in beinahe jeder Haushaltsdebatte Thema, so auch in diesem Jahr. Um diese Kosten etwas unter Kontrolle zu bringen, hat das Jugendamt einige Vorhaben im Köcher. Jugendamtsleiter Martin Rothut stellte sie im Jugendhilfeausschuss vor. Bei allem Willen zum Sparen erinnerte er daran, dass der Erfolg von Prävention kaum messbar sei – anders als "bei einem Kreisverkehr, der Unfälle verhindert."

31 Prozent ausgegeben

Für die Jugendhilfe hat der Landkreis in diesem Jahr rund 24 Millionen Euro im Haushalt, etwa 2,7 Millionen mehr als im vergangenen Jahr. Grund dafür sind neben Preissteigerungen bei den Hilfe-Maßnahmen auch mehr und gravierendere Fälle. Bis Ende April blieben die Ausgaben innerhalb der Prognosen, wie Rothut dem Ausschuss darlegte. In den vier Monaten wurden 7,3 Millionen Euro oder knapp 31 Prozent des Etats ausgegeben.

Etat-Beratung im Jugendhilfeausschuss

Schwandorf

Neben organisatorischen Umstellungen, wie etwa der Einführung von "Fachbereichsleitungen", setzt das Amt auf Helferkonferenzen, in denen jeder neue Fall genau unter die Lupe genommen wird – besonders auch dahingehend, was die entstehenden Kosten anbetrifft. Auch den Jugendsozialarbeitern an Schulen sollen weitere Aufgaben der Einzelbetreuung zugewiesen werden.

Neue Kolleginnen und Kollegen durchlaufen eine halbjährige Coaching-Phase, um sie sattelfest zu machen – etwa, wenn sie besonders fordernden Eltern oder anderen Dritten klar machen sollen, warum es die ein oder andere Hilfe eben nicht gibt. "Bei neuen Jugendhilfefällen wollen wir versuchen, künftig grundsätzlich nur noch vier Fachleistungsstunden pro Woche zu genehmigen", so Rothut, schränkte aber ein: "Das wird aber nicht immer möglich sein". Bislang waren eher sechs bis acht Stunden die Regel.

"Hohe Drogenproblematik"

Besonders auch laufende Fälle sollen verstärkt darauf geprüft werden, ob die entsprechenden Hilfen noch weiter nötig sind. Das gestaltet sich aber nach Rothuts Worten schwierig: Dem Jugendamt fehlen vier Fach-Mitarbeiter, die teils zu anderen Behörden gewechselt sind – Fachleute im Sozialdienst werden überall gesucht. Die verbliebenen Kräfte mussten diese Fälle mit übernehmen. Angesichts der Belastung bleibe wenig Zeit, sich angesichts neu eingehender Fälle auch noch in "Bestandsfälle" einzuarbeiten und diese zu prüfen. Der Jugendamtsleiter verwies auch auf volle Kliniken der Jugendpsychiatrie, die kaum mehr Patienten aufnehmen. Werden die ambulant betreut, geht das auf Kosten des Jugendamts. "Auch trifft uns die hohe Drogenproblematik und Fälle sexuellen Missbrauchs", sagte Rothut. Ob dies mit der Pandemie zusammenhänge, werde sich erst noch zeigen. "Trotzdem sind wir auf einem guten Weg, unsere Kosten im Griff zu behalten".

Die Arbeit und Organisation des Jugendamts soll auch von externen Spezialisten geprüft werden. Ein Kooperationspartner des Landesjugendamts wird das übernehmen. Das Landesjugendamt warne aber eindringlich vor einer Reduzierung der Qualität oder Leistungserbringung. Das schade nicht nur den Kindern und Jugendlichen, sondern bringe auch die gesamte Kinder- und Jugendhilfe in Misskredit.

Landrat Thomas Ebeling sagte, es sei schwierig, nur aus wirtschaftlichen Erwägungen an das Thema Jugendhilfe heranzugehen. Deshalb sei es richtig, zur externen Evaluierung auf den Partner des Landesjugendamts zu setzen. Ulrike Roidl (SPD) sprach von "wachsenden Sorgen" angesichts der steigenden Jugendhilfekosten, auch wenn sich ihre Fraktion der Bedeutung der Prävention bewusst sei. "Wir wollen nicht nur die Kosten sehen, sondern die Menschen und ihre Probleme, die dahinter stecken." Sie bat darum, dem Ausschuss Ende des Jahres erneut über die Entwicklung zu berichten - eventuell mit Vergleichszahlen zu anderen Landkreisen. Letzteres sei schwierig bis unmöglich, sagte der Landrat. Jugendhilfeplanerin Claudia Hösamer verwies darauf, dass sich schon die Organisation der Jugendhilfe in den Kreisen erheblich unterscheide: "Jede Zahl bedarf der Begründung und der Erklärung." Auch solle ein "Ranking" vermieden werden.

Gesetzliche Ansprüche

Ebeling schlug vor, auf Zahlen des Landkreistags zurückzugreifen. "Wir werden relativ einfach belegen können, dass wir mit den steigenden Kosten für die Jugendhilfe nicht alleine sind", so Ebeling. Hösamer verwies auf laufende Änderungen der Sozialgesetzgebung durch den Bund: "Ich gehe nicht davon aus, dass es dadurch zu großen Kostensenkungen kommen wird." Im Gegenteil: Sie geht von weiteren Steigerungen aus: Nicht nur, weil Gesetz neue Ansprüche schaffen, sondern auch aufgrund der allgemeinen Kostenentwicklung. Thomas Falter (CSU) lobte die laufenden Maßnahmen des Jugendamts. "Ich denke, dass das in die richtige Richtung geht." Der Landkreis habe nicht so viele Steuerungsmöglichkeiten, wie man gemeinhin meinen würde, sagte Ebeling abschließend, sondern hänge an der Bundesgesetzgebung.

Angebot: Schule in den Ferien

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"Wir werden relativ einfach belegen können, dass wir mit den steigenden Kosten für die Jugendhilfe nicht alleine sind."

Landrat Thomas Ebeling

Landrat Thomas Ebeling

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